Der helle Vansinn
Von Anatol Heib. Aktualisiert am 17.03.2010
Partyraum für Groupies, Gangster-Vehikel oder simples Fortbewegungsmittel für die Helden in der TV-Serie «A-Team»: Der Van, in der amerikanischen Definition ein Minibus respektive Lieferwagen, prägte stark das Bild in US-Filmen und –Serien. Selbst in aktuellen Formaten «24» trifft man sie noch an. Die besten Zeiten erleben die klassischen Lieferwagen von GMC, Dodge, Chevrolet oder Ford in den 80er- und 90er-Jahren. Im weiteren Sinne werden damit auch Fahrzeuge mit erhöhter Karosserie, Hochdachkombis und Kleinbusse bezeichnet. Der Fahrzeugtyp existiert bis heute, doch das markante Design aus der Vergangenheit ist passé.
Als das Fahrzeug mit dem mächtigen Kühler, zwei Tonnen Gewicht und mächtig viel Platz im Fernsehen über die US-Strassen rollte, war auch der Schweizer Louis Perron, 59, Präsident des Swiss Van Club, fasziniert. 1979 kaufte er einer Schweizer Firma für 7600 Franken einen Van der Marke Dodge ab. «Vans aus den USA waren schwierig zu bekommen», erinnert er sich. Zumal auch europäische Alternativen wie der VW-Bus auf dem Markt waren.
Zum eigenen Reich umgebaut
Für Perron war das geräumige Dodge-Modell B300 mit Jahrgang 1978 aber mehr als ein Vehikel für den Warentransport. Er baute den Lieferwagen zum eigenen kleinen Reich um, in einen sogenannten Custom Van. Im mobilen Wohnzimmer standen schon bald Sofa, Kühlschrank und Stereoanlage. Die Kür folgte mit kunstvollem Lackieren. «Je mehr an- und ausgebaut wird, desto besser. Ein guter Custom Van zeichnet sich durch die persönlichen Ideen aus. Alles scheint grenzenlos.» Bis heute hat Perron an die 60'000 Franken und 3000 Arbeitsstunden in das Fahrzeug investiert.
Schweizer in den vordersten Rängen
Den Swiss Van Club gründete er 1984. «Wir reisten an den Wochenenden durch die Gegend und konnten überall übernachten. Der Van bot ein Stück Freiheitsgefühl, es war ein eigener Lebensstil.» Die Mitglieder besuchten Meetings im Ausland und auf den wichtigsten Custom Shows kamen die Schweizer Modelle immer in die vordersten Ränge.
Schon damals war die Schweizer Szene im Vergleich zum Ausland klein, wie sich Perron erinnert. In den besten Zeiten waren bis zu 40 Mitglieder aktiv. «Besonders in Italien war die Szene grösser, dort dominierten aber wie in anderen Ländern die Marken von Bedford, Fiat oder VW.» Vielleicht war auch der Benzinverbrauch ein Grund, weshalb die US-Modelle in Europa nie an der Spitze lagen. «Je nach Modell verbraucht ein Van zwischen 15 und 25 Liter. Später kamen andere Leichtbaumotoren mit Einspritzung und Mehrganggetriebe, mit denen man den Verbrauch bis auf 12 Liter drücken konnte.»
Eingemottet
Doch heute sind US-Vans für Perron vor allem noch eine Erinnerung an die gute alte Zeit, denn die Schweizer Szene ist mehr oder weniger verschwunden, der Klub existiert nur noch formell. «Die Leute wurden älter, motteten ihre Vans ein oder verkauften sie sogar», erzählt er. Man stehe aber den Jungen, welche sich einen alten Van kaufen, mit Rat und Tat zur Seite und biete Hand bei der Ersatzteilbeschaffung. In der Schweiz existieren laut Perron zur noch eine Handvoll Vans. Hin und wieder wird ein selbst ausgebautes Modell auf Ricardo.ch versteigert.
Was hier bis heute als Kult-Auto gilt, hat in den USA oft nur den Status eines simplen Fortbewegungsmittels: Modelle aus den 80er- und 90er-Jahren werden allem als billiges Ersatz-Auto geschätzt. Das würde Perron seinem Van natürlich nie antun. Seinen 79er-Van hält er immer noch in Schuss und hat nicht vor, ihn zu verkaufen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.03.2010, 14:21 Uhr
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