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Ein grosser Wagen für einen grossen Mann

Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 21.07.2011 2 Kommentare

Charles de Gaulle erhielt von Citroën einen wahrlich grossartigen Wagen. Wichtig, dass er einen Zentimeter länger als die Limousine von US-Präsident John F. Kennedy war.

1/12 Citroën DS «présidentielle» (1968).
Bild: Dominique Fontenat

   

Charles de Gaulle (1954). (Bild: AFP )

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Charles de Gaulles Körpergrösse von 195 cm war für die damalige Zeit ungewöhnlich. Auch sonst war der französische Präsident ein grosser Mann, dem auch ein entsprechendes Auto gebührt. So dachten Anfang der 60er-Jahre auch die Citroën-Oberen und gaben beim Haus-Karossier Chapron eine Limousine in Auftrag, die ihresgleichen suchte in der Republik Frankreich.

Chapron zeichnete und zeichnete und baute und baute. Als die DS «présidentielle» 1968 endlich fertig war, da kam es in Paris gerade zu Studentenunruhen, die Hippiebewegungen waren im Aufwind, und es kam zur sexuellen Befreiung. Die «enragés» rauchten Gauloises, hörten Gainsbourg, lasen Sartre – dazu passte eine über sechs Meter lange und auch sonst ziemlich unförmige Staatskarosse natürlich wie die Faust aufs Auge. Hin und wieder setzte sich de Gaulle zwar in seine Limousine, auch sein Nachfolger Pompidou gab sich ein paarmal die Ehre, doch in den vergangenen 40 Jahren kamen keine 6000 Kilometer auf den Tacho. Auch deshalb, weil de Gaulle die fest montierte Trennscheibe nicht mochte – «mon genéral» habe sich oft und gern mit seinem Fahrer unterhalten, fama est, und deshalb ganz profane DS bevorzugt.

Besondere Beziehung zum «D»

Zur Modellreihe «D» von Citroën hatte Charles André Joseph Marie de Gaulle, geboren 1880, eine ganz besondere Beziehung. Bei einem Attentat am 22. August 1962, geplant und durchgeführt von der OAS (Organisation de l'armée secrète, die in den 60er-Jahren den Verbleib des Departements Algerien bei Frankreich mit militärischen Mitteln erzwingen wollte), schossen elf Attentäter auf die Citroën DS, in der de Gaulle und seine Frau sassen; sie drückten allerdings zu spät ab, weil sie in der Dunkelheit das vereinbarte Signal übersehen hatten.

Das Präsidentenfahrzeug wurde trotzdem mehrfach getroffen, unter anderem in einen Reifen. Citroën proklamierte danach für sich, der Chauffeur habe sich samt den de Gaulles nur aus dem Kugelhagel entfernen können, weil das Fahrwerk mit der hydropneumatischen Federung trotz zerschossenem Reifen eine flotte Flucht ermöglicht habe. Doch ein kaputter Pneu ist auch bei einer DS ein kaputter Pneu. De Gaulle, seit 1959 Präsident der fünften Republik, besichtigte später das Einschussloch (nicht jenes im Reifen). Und sagt: «Dies hätte ein schönes, sauberes Ende gemacht.»

Einzelstück geblieben

Die DS «présidentielle» ist ein Einzelstück geblieben. Eine Meisterleistung von Chapron ist das Fahrzeug allerdings nicht – da hat der grosse Meister Henri Chapron (1886–1978) für einmal kein glückliches Händchen gehabt. Vor allem, wenn man sich vor Augen führt, welch grandiose Fahrzeuge er sonst auf die Strasse gebracht hat. Es könnte daran gelegen haben, dass der Patron Mitte der 60er-Jahre, als an der DS von de Gaulle gearbeitet wurde, bereits zu krank war, um das Heft noch wirklich in der Hand zu halten; 1968 übernahm seine Gattin das Ruder und führte das Unternehmen bis 1985, als es endgültig seine Tore schliessen musste.

Die «Ateliers Henri Chapron» wurden bereits 1919 gegründet und befanden sich zuerst in Neuilly-sur-Seine und später in Levallois-Perret in der Nähe von Paris. Chapron machte sich bald einen Namen als ausgezeichneter, sehr eleganter Designer, und arbeitete an und mit den bekanntesten Produkten der 20er- und 30er-Jahre, Bugatti, Delahaye, Talbot, Hispano-Suiza, sogar Fiat. Seine Einzelstücke konnte der Mann, der sich viel mehr als Künstler denn als Unternehmer betrachtete, bis Mitte der 50er-Jahre verkaufen, länger als die meisten der bekannten französischen Karosserieschneider.

DS-Sondermodelle

Als die Citroën DS 1955 auf den Markt kam, soll sich Chapron, besagt zumindest die Legende, sofort in das Fahrzeug verliebt haben. Er arbeitete damals zwar noch mit Simca, Renault und Peugeot, doch ab 1958 konzentrierte er sich voll und ganz auf die Kooperation mit Citroën. In den Jahren davor hatte er einige DS auf eigene Rechnung in Cabrios und auch Coupés umgebaut, doch 1958 kam eine offene Göttin mit der Bezeichnung «DS Décapotable Type Usine» auf den Markt. Bis 1971 wurden in Levallois 1365 Stück gebaut. Daneben versuchte sich Chapron mit weiteren DS-Sondermodellen, die alle etwas eigenartige Namen trugen, «la Croisette» etwa, oder «Caddy», «Palm Beach», «Concorde». Alle diese Fahrzeuge sind heute sehr gesuchte Sammlerstücke. Unter dem Regime von Chaprons zweiter Gemahlin wurden auch Citroën SM verwandelt, acht Stück vom «Mylord Convertible» entstanden und nochmals acht Exemplare vom «Opéra». Von beiden Spezialmodellen gibt es heute Dutzende von Nachbauten, leider.

Die DS «présidentielle» war nicht das einzige Fahrzeug, das Chapron für die französische Regierung baute. Die Zusammenarbeit hatte schon 1955 begonnen, damals noch mit einem Traction Avant 15 CV, der in den «Ateliers» in ein Cabriolet verwandelt wurde. Später gab es dann auch noch verschiedene SM – eine eher eigenartige Wahl für einen Präsidentenwagen, denn gerade sportliche Fahrleistungen mussten diese Fahrzeuge ja nicht erbringen. Die DS ist wie andere Wagen mit der gleichen Bestimmung mit einem sogenannten Kriechgang ausgerüstet, sie kann mit Standgas mit etwa 5 km/h einherzuckeln, ohne zu rucken. Das dauernde Nicken der Köpfe des Präsidenten und seiner Gäste hätte ja von den politischen Beobachtern falsch interpretiert werden können.

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Erstellt: 21.07.2011, 16:56 Uhr

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2 Kommentare

Daniel Zollinger

22.07.2011, 09:26 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Ich würde den Wagen sofort kauffen, wenn er überhaupt zu Verkauffen wäre! Antworten


Herbert Berger

22.07.2011, 10:17 Uhr
Melden 4 Empfehlung

De Gaule war ja wahrlich kein attraktiver Mann, ganz im Gegentei. Von daher gesehen, hatte er das Auto, das perfekt zu ihm passte... Antworten



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