Fast wie James Bond
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Bei Aston Martin denkt man automatisch an James Bond. Doch der einzige Aston Martin mit «Gadgets», der in den originalen 007-Romanen von Ian Fleming auftaucht, trägt dann ausgerechnet eine Bezeichnung, die in dieser Form gar nicht existierte.
So heisst ein Kapitel in «Goldfinger» «Thoughts in a DB III», doch eine solche Bezeichnung gab es gar nicht. Das heisst: Es gab sie schon, doch sie gehörte zu einem reinen Rennwagen. Und um die Verwirrung noch etwas grösser zu machen: In der legendären Verfilmung von «Goldfinger», mit dem herausragenden Gerd Fröbe, fuhr James Bond dann einen DB5. Den gab es wirklich.
Verwirrung um genaue Bezeichnung
Aber es ist auch für den Kenner nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten beim 1953 vorgestellten Nachfolger des DB2. Das erste Modell war der DB2/4, wobei die «4» ein deutlicher Hinweis darauf war, dass der DB2 jetzt vier Personen Platz bieten sollte. 1955 wurde der DB2/4 Mark II eingeführt, und ab 1957 gab es dann den DB2/4 Mark III. Letzterer wurde gern nur als Mark III bezeichnet, und weil er 1959 vom DB4 abgelöst wurde, ist die Verwirrung um die genaue Bezeichnung durchaus zu verstehen. Genau wie jene darum, dass es offiziell nie einen DB1 gegeben hatte.
Geht man noch tiefer in die Geschichte der verschiedenen DB2/4-Varianten, wird die Verwirrung noch grösser. Sie beginnt beim Motor: Als der DB2/4 1953 eingeführt wurde, verfügte er noch über den aus dem DB2 bekannten 2,6-Liter-Reihensechszylinder (intern: VB6E), den einst W.O. Bentley für Lagonda konstruiert hatte. Aber bereits Mitte 1954 wurde der Hubraum auf 2,9 Liter erhöht (interne Motorenbezeichnung: VB6J), die Leistung stieg auf offiziell 140 PS: Tadek Marek, ein Mann, der für Aston Martin noch wichtig werden würde, hatte sich der Bentley-Lagonda-Konstruktion angenommen.
DBD – die mildere Variante
Doch jetzt wird es erst richtig kompliziert: Im DB2/4 Mark II leistete der Reihensechszylinder dann bereits 165 PS. Im DB2/4 Mark III gab es diesen Motor dann weiterhin, genannt DBA; mit einem gegen Aufpreis erhältlichen Doppelrohr-Auspuffsystem kam diese Maschine auf 178 PS. Dann gab es noch DBB, der mit drei Doppelvergasern (Weber 35 DCO3) und einigen weiteren Anpassungen auf 195 PS kam; wahrscheinlich zehn Fahrzeuge wurden mit DBB ausgerüstet. Im Alphabet folgt nun DBC, doch diese Maschine wurde nur einmal verwendet, es war ein Rennmotor mit 214 PS. Und schliesslich, ziemlich unlogisch, ist da auch noch DBD, eine etwas mildere Variante von DBB, mit drei SU-Vergasern und 180 PS, die in 47 Fahrzeugen montiert worden sein soll.
Alle erdenklichen Mischungen
Man weiss immerhin, dass alle fünf «Fixed Head Coupés», die vom DB2/4 Mark III gebaut wurden, mit diesem DBD-Motor ausgerüstet worden sind. Doch sonst waren so ziemlich alle nur erdenklichen Mischungen möglich, vom DB2/4 Mark III gab es wie von seinen Vorgängermodellen sowohl das ganz normale Coupé (mit Heckklappe, also war es eigentlich gar kein Coupé, sondern ein «Hatch Back») als auch das Drophead Coupé, das nun aber gar kein Coupé war, sondern ein Cabrio. Ein paar Zahlen noch? Vom DB2/4 entstanden 565 Stück, davon waren 102 Drophead Coupés, also Cabrios, sowie vier (oder fünf?) Spider, die Bertone einkleidete.
Der DB2/4 Mark II ist ziemlich selten, insgesamt wurden nur 199 Stück gebaut, davon waren 34 Fixed Head Coupés und nur noch 16 Drophead Coupés – und drei waren Spyder, diesmal eingekleidet von Carrozzeria Touring (diese Zusammenarbeit sollte noch grossartige Früchte tragen). Der DB2/4 Mark III kam dann wieder auf 562 Stück, davon waren 84 Drophead Coupés und nur noch fünf Fixed Head Coupés, auch «Notchback» genannt. Ab dem 101. Exemplar wurden die DB2/4 Mark III mit Girling-Scheibenbremsen ausgerüstet; davor hatten alle DB2/4 mit Trommeln auskommen müssen.
Coupé des DB2/4 so gesucht wie die Cabrios
Jetzt einmal von diesen wilden Zahlenspielen abgesehen: Auch der DB2/4 ist ein ganz wunderbarer Aston Martin, unbedingt begehrenswert, vor allem die späteren Mark-III-Varianten mit den Scheibenbremsen und den stärkeren Motoren. Zwar ist er halt nicht mehr ganz so sexy wie der urigere DB2, doch die Heckklappe und die abklappbaren Notsitze hinten haben natürlich auch was. Die Linien wirken aber nicht mehr ganz so harmonisch wie beim klassischen Feeley-Entwurf. Auch beim DB2/4 gilt, dass die Coupés mindestens so gesucht sind wie die Cabrios, obwohl die Drophead Coupés viel seltener sind. Doch aus rein optischen Gründen gefällt das «echte» Coupé halt besser. Wie heute waren die Aston Martin schon damals absurd teuer. «Road & Track» schrieb dazu 1959: «Der Aston Martin hat viele Vorzüge und wenig Fehler» – und spielte damit auf die fast 8000 Dollar an, die so ein Mark III kostete.
Eine wichtige Änderung geschah noch in der Geschichte von Aston Martin im Jahr 1954. David Brown, grosszügiger Besitzer der Marke, hatte sich zum Zeitvertrieb noch die Tickford Coachbuild Works in Newport Pagnell gekauft. Das bedeutete, dass die Karosserie des DB2/4 nicht mehr in Feltham, sondern eben in den berühmten Ziegelsteingebäuden in Newport Pagnell gebaut wurden. Bevor der DB4 auf den Markt kam, hatte Brown die gesamte Produktion dorthin verlegt.
Und ein DB2/4 machte übrigens tatsächlich Filmkarriere: Er spielte eine Hauptrolle in «Die Vögel» von Alfred Hitchcock.
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Erstellt: 29.12.2011, 19:15 Uhr
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