Kommt ein Taxi geflogen

Stau zur Rushhour? Soll es in Dubai künftig nicht mehr geben. Ab Juli verkehren autonome Flug-Taxis.

Das Ehang 184 soll schon bald durch Dubai fliegen. Bild: Jon Gambrell/Keystone

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Im Science-Fiction-Klassiker «Das fünfte Element» liess Regisseur und Drehbuchautor Luc Besson 1997 Bruce Willis mit einem klobigen gelben Taxi durch die Hochhausschluchten einer futuristischen Variante von New York fliegen. Das Flug-Taxi im Film: «Das fünfte Element». (Bild: Gaumont)

Zwanzig Jahre später wird diese Vision nun Wirklichkeit, nur dass das Fluggerät ein wenig anders aussieht und es auf Knopfdruck um die Glitzer-Türme von Dubai kurven wird. Die Strassen- und Transportbehörde (RTA) des Golfemirats hat angekündigt, schon im Juli den kommerziellen Betrieb mit Taxi-Drohnen aufnehmen zu wollen; die Testflüge sind erfolgreich verlaufen, wie RTA-Chef Mattar al-Tayer sagt.

Bestellen können soll man das Flug-Taxi per Handy-App, wie ein von der RTA veröffentlichtes Video zeigt. Dann schwebt ein strombetriebener Senkrechtstarter vom Typ Ehang 184 ein, den der gleichnamige chinesische Hersteller erst im vergangenen Jahr auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas vorgestellt hat. Die Drohne wird von acht Propellern durch die Luft getragen, je zwei an vier Armen. In deren Mitte sitzt die Kabine für einen Passagier, sie hat zwei Flügeltüren und ein Gepäckabteil. Entfernt erinnert sie an das Isetta-Rollermobil von BMW.

Die Flug-Taxis sollen den Verkehr entlasten. (Quelle: Youtube)

Statt einem komplizierten Cockpit mit Dutzenden Anzeigen sieht sich der Benutzer nur einem Tablet-Computer gegenüber, auf dem er sein Fahr- oder vielmehr Flugziel wählen kann. Die Drohne bringt ihn autonom entlang vorprogrammierten Routen dorthin, gesteuert von GPS und anderen Sensoren – überwacht von einem Leitzentrum am Boden. Sie kann bis zu 160 Kilometer pro Stunde fliegen, soll aber in Dubai höchstens 100 km/h und tausend Meter Höhe erreichen; die Batterie schafft laut RTA 50 Kilometer oder eine Flugzeit von 30 Minuten.

Verhinderung von Staus zur Rushhour

Weltweit experimentieren etliche Hersteller wie Airbus oder die deutsche Firma E-Volo mit grösseren, autonomen Drohnen für den Personen- und Gütertransport, der Taxi-App-Anbieter Uber will in das Geschäft einsteigen und Mitfliegen binnen zehn Jahren massentauglich machen. Amazon und andere Logistiker testen die Fluggeräte für Paket-Lieferdienste. In Dubai sieht man Drohnen als Teil einer ambitionierten Strategie zur Förderung von autonomer Mobilität, mit der das Emirat der Staus zur Rushhour Herr werden will, die sich allabendlich über Highways mit bis zu 16 Spuren schieben.

Schon heute betreibt die Drei-Millionen-Stadt das weltweit grösste Netz fahrerloser U-Bahnen, 600'000 Menschen transportiert sie pro Tag. Tram und Busse sollen in absehbarer Zeit ohne Fahrer auskommen, getestet werden Boote, Minibusse, Taxis. Als Ziel hat Regent Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum ausgegeben, dass bis 2030 autonome Vehikel ein Viertel aller Wege in Dubai bewältigen.

Al-Tayer versichert, die Drohne genüge höchsten Sicherheitsanforderungen der Luftfahrtbehörde und könne bei Störungen sicher notlanden. Ob das die Menschen angesichts der Unfälle selbstfahrender Autos überzeugt, muss sich zeigen. Bei der fahrerlosen U-Bahn hatte Dubai noch mit einem Trick nachgeholfen: Die RTA stellte in den ersten Monaten Menschen hinter die Frontscheiben – nicht um die Züge zu steuern, sondern um den Passagieren ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 16.02.2017, 18:45 Uhr

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