Lange Leine für den Prius – bis ans Netz
Von Peter Hegetschweiler. Aktualisiert am 04.05.2010
Die Probefahrt rund um Strassburg ist ziemlich unspektakulär: Lautlos gehts voran, flüssig, ohne zu rucken. Es ist wie ein Gleiten über den Asphalt. Umso spektakulärer ist nach knapp 20 Kilometern das Testergebnis: Noch für weitere 1,7 Kilometer hätten wir «Sprit» – pardon: Strom – gehabt, signalisiert uns das Display. Dabei war sogar ein kurzes Stück Stadtautobahn mit dabei – auch dieses hat der Test-Prius ausschliesslich mit seinem Elektromotor geschafft. Der Benziner blieb bis zuletzt auf «stand by».
Erst jetzt heissts: Ab an die Steckdose.
Denn der Prototyp des Prius Plug-in stromt nicht nur um das Zehnfach länger als die aktuelle Hybrid-Version des Prius III – schon in 90 Minuten ist er wieder startklar. Dazu reicht eine verlängerte Kaffeepause nach der Fahrt zum Einkauf etwa – oder die Mittagspause im Büro. Möglich macht diesen eindrücklichen Fortschritt ein deutlich grösserer und auf Lithium-Ionen-Technik umgestellter Akku im Heck und, natürlich, die vorne unter dem Kotflügel angebrachte Ladebuchse. Ein genügend langes Kabel im Kofferraum ist allerdings Voraussetzung dafür, dass der an sich simple Vorgang auch genauso simpel abläuft.
2,6 Liter auf 100 Kilometer
Lange Leine gibt Toyota
(
76.8
-0.52%)
dem Prius Plug-in-Hybrid aber noch in ganz anderem Sinn. Will man ihn auch für längere Distanzen nutzen, schaltet sich – je nach Fahrweise früher oder später – der 1,8-Liter-Benzinmotor hinzu, die maximale Leistung steigt dabei von 98 auf 136 PS. Damit erweitert sich der Radius, und das ist ja eigentlich das Wesentliche, praktisch unbegrenzt, zumal der Motor beim Bremsen zusätzlich als Generator wirkt. Allerdings: Für eine betont zügige oder gar sportliche Fahrweise reicht das nicht aus. Aus dem Stand beschleunigt der Plug-in-Prius bestenfalls in 11,4 Sekunden auf 100 km/h, bei Tempo 180 als mögliche Spitzengeschwindigkeit wird elektronisch abgeregelt.
Aber das sind wohl auch für künftige Prius-Käufer illusorische Werte. Alles, was bei diesem Toyota, der als Hybrid-Pionier schlechthin gilt, zählt, das sind seine weiter reduzierten Verbrauchs- und die Emissionswerte. Und die sprechen in der Tat für sich: Dank der längeren Elektroetappen soll der Plug-in-Prius im Normzyklus auf einen Durchschnittsverbrauch von nur 2,6 Litern kommen, der CO2 soll bei 59 g/km liegen. Damit avanciert er zum saubersten 5-Plätzer, den es in naher Zukunft zu kaufen gibt.
Noch ist es allerdings nicht so weit. Denn die vergangene Woche in Strassburg inszenierten Testfahrten bildeten lediglich den Auftakt zu einem gross angelegten Feldversuch. «Wir wollen auf der Grundlage unserer Vollhybrid-Technik die Nutzung von Elektrizität im Individualverkehr weiter austesten», erklärt Takeshi Uchiyamada, Vizepräsident von Toyota, das Vorgehen. Weltweit werden zu diesem Zweck 600 Autos eingesetzt, 200 in Europa, 100 davon in Strassburg. Primäres Ziel ist es dabei, die Alltagstauglichkeit und letztlich die Marktakzeptanz der Plug-in-Technologie zu überprüfen. Dazu nimmt sich Toyota Zeit. Vor 2012 werde es mit Sicherheit keine Grossserie geben, heisst es. Und vor 2013 gibt es bei uns kaum einen Plug-in-Prius zu kaufen, auch wenn Toyota Schweiz diesen Sommer ein Testfahrzeug zugesprochen erhält. Solar-Forscher Bertrand Piccard, seit Jahren Botschafter für Toyotas Hybridtechnologie, wird ihn als Erster fahren dürfen.
Beim Feldversuch in Strassburg geht es primär um praktische Details bei der Nutzung. So wird ein französisches Energieunternehmen wie auch die Stadt selbst Projekt-Partner von Toyota. Und Hunderte von Ladestationen in Wohngebieten, an öffentlichen Gebäuden und auf Parkplätzen einrichten. Auch geht es um Fragen, wie etwa die automatische Abrechnung der Energiekosten zu bewerkstelligen ist.
Alle 100 Fahrzeuge werden zu diesem Zweck an öffentliche Institutionen und private Unternehmen, so auch an eine Car-Sharing-Firma, verleast.
Reine E-Autos in der Pipeline
Auch wenn man sich in Tokio ebenfalls intensiv mit dem Thema Elektroauto befasst (eine Konzeptstudie stand im März in Genf), scheint klar: Bei Toyota wird Hy-
brid-Technologie auch mittelfristig im Zentrum stehen. Vize-Vorstand Uchiyamata sagte es letzte Woche zum Start der weltweiten Testphase so: «Unsere Autos sollen so umweltverträglich wie nur möglich sein, aber auch vielseitig nutzbar. Und das alles auf möglichst einfache Weise.»
Im Klartext bedeutet das: Reine Elektroautos ja – aber ausschliesslich im urbanen Bereich. Geht es um Alltagstauglichkeit und damit um umweltbewusste Mobilität im weitesten Sinn, ist und bleibt für Toyota Hybrid und damit das Zusammenspiel von Motor und Akku die richtige Wahl. Dabei kommt dem kurzen, einfachen Ladevorgang entscheidende Bedeutung zu, dem Plug-in. Oder später, als Alternative, der Brennstoffzelle. Bis 2015 will Toyota auch diesbezüglich so weit sein. Das wäre dann der dritte, grosse Schritt.
Zurzeit plant Toyota aber auch in die Breite. Schon im Frühsommer kommt der kompakte Auris als zweite Hybrid-Version auf den Markt. Und weitere Modell-Varianten sollen folgen. Ziel: Von jedem Toyota ein Vollhybrid als umweltfreundliche Alternative. Im Idealfall als Plug-in-Version. Und dann haben die Japaner wohl endgültig auch das Problem vom Hals, dass die Form des Prius nach wie vor viele nicht eben begeistert.
*??Peter Hegetschweiler fuhr den neuen Prius Plug-in-Hybrid am 27. April auf Einladung von Toyota Schweiz in Frankreich.
Toyota Prius Plug-in
Basis: Prius III. Länge 4,46 Meter, Breite 1,75 Meter, Höhe 1,50 Meter.
Ladevolumen: 445 Liter.
Antrieb: Plug-in-Hybridantrieb mit 1,8-Liter-Benzinmotor (98 PS) und Elektromotor.
Maximale Systemleistung: 136 PS.
Fahrleistungen: 0 auf 100 km/h in 11,4 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.
Verbrauch: 2,6 Liter auf 100 Kilometer.
(Werksangaben).
CO2: 59 g/km.
Ladezeiten: Die Lithium-Ionen-Akkus werden in 90 Minuten an der Steckdose geladen.
Infos: www.toyota.ch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.05.2010, 07:30 Uhr
Auto
- 08:48Ein ganz grosser Wurf
- 23.05.2012In 9 Sekunden zum Frischluft-GTI
- 22.05.2012Mini «Blumenkind» brachte 54 000 Euro ein
- 22.05.2012Der Ur-Mini
- 22.05.2012«Leider geil»?
- 20.05.2012Infiniti FX: Der Bote einer besseren Zeit
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





