«Wir erwischen jeden»

Wo Fabio Ferretti und Marco Pizzeghello auftauchen, da werden auch notorische Raser ganz langsam. Denn die beiden italienischen Polizisten sind im neuen Lamborghini Gallardo Polizia unterwegs.

1/6

360 PS bekommen die US-Cops 2011. Darüber können der Vice Sovrintendente Fabio Ferretti und sein Agente Marco Pizzeghello nur lachen. Denn die beiden sind zumeist im heissesten Polizeiauto der Welt unterwegs – dem neuen Lamborghini Gallardo LP 560-4 Polizia. 560 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 300 km/h machen ihn zum schnellsten Streifenwagen der Welt, und der schärfste ist er ohnehin. Kein Wunder also, dass alle Kollegen auf die beiden Vorzeigepolizisten neidisch sind, dass ihnen die Freunde anerkennend auf die Schulter klopfen und die Familie vor stolz fast zu platzen droht. Nur die Mama macht sich Sorgen, gesteht Ferreti ein, und verabschiedet ihn mit immer dem gleichen Spruch: «Fahr bloss nicht zu schnell, mein Junge.»

Eigens trainiert von den Testfahrern der italienischen Audi-Tochter und geschult von einem Leben auf der Autobahn, sind Ferretti und Pizzeghello zwei von 22 Fahrern, die rund um Bologna den Verkehr überwachen und Raser allein durch ihre Präsenz einbremsen. «Wenn wir mit einem zivilen Wagen unterwegs sind, zeigen die Autofahrer ihr wahres Gesicht», sagt der 36-jährige Ferretti, und wenn er den sonst für die Streife üblichen Fiat Marea nimmt, hauen notorische Raser schon mal ab. «Doch sobald der Gallardo im Spiegel auftaucht, werden sie alle ganz langsam. Die Verkehrssünder haben einen Heidenrespekt und alle anderen sind einfach neugierig», berichtet Ferretti aus dem Alltag.

«Davongefahren ist uns noch keiner»

Die meiste Zeit rollt der Lamborghini deshalb beinahe mit Standgas über die Autobahn, und die neben dem Spiegel montierte Kamera zur Tempoüberwachung hat Sendepause. Selbst die wenigen Verfolgungsfahrten sind für Ferretti und Pizzeghello kaum eine Abwechslung. «Denn wenn sich mal einer traut und tatsächlich abhaut, haben wir ihn nach zwei, drei Kilometern wieder gestellt. Davongefahren ist uns jedenfalls noch keiner», sagt Pizzeghello.

Doch im Schnitt alle vier Wochen reisst sie ein Spezialauftrag aus dem Alltag der Polizei-Patrouillen. Als Kurier für Organtransplantate wird der Gallardo dann zum Lebensretter und darf zeigen, welche Kraft der Zehnzylinder im Heck mobilisiert: Mit 300 Sachen über die Autobahn – davon können Italiener sonst nur träumen, zumal Blaulicht, Stroboskopblitze und die Sirene dem Eiltransporter freie Bahn garantieren. Schliesslich haben die körpereigenen Ersatzteile in der speziellen Kühlbox vorn unter der Haube nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit. Auch wenn es irgendwo zum Unfall kommt, geben Ferretti und Pizzeghello Gas. Denn jeder Gallardo-Polizist ist ausgebildeter Lebensretter und weiss mit dem Defibrillator umzugehen, der hinter dem Beifahrersitz montiert ist.

Kein Platz für die Ganoven

Natürlich sind die beiden Polizisten extrem stolz auf ihren Dienstwagen. Schliesslich ist für einen Uniformierten in Italien nichts wichtiger als die «Bella Figura». Und womit könnte man eine bessere Figur machen als mit einem Lamborghini? Doch restlos zufrieden ist Ferretti mit seinem Dienstwagen nicht. Das Einsteigen sei ein bisschen mühsam, die Stiefel der Uniform sind zu klobig für die schlanken Pedale, und den Pistolengurt muss er vorher auch ablegen, weil er sonst nicht in den engen Sportsitz passt. Doch noch viel mehr drückt Ferretti und Pizzeghello ein anderes Problem: Wohin mit einem Verhafteten? (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 08.10.2009, 14:17 Uhr

Meistgelesen in der Rubrik Auto

Die Top-Themen im

Neu: Alle Dossiers auf einen Blick

Der helle Vansinn

Autosalon: Die schönsten Impressionen




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten