Mysteriöse Schönheit aus Japan
Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 07.07.2011 3 Kommentare
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James Bond hat es ja so ein bisschen mit den Damen. Und dem Schnaps. Und den Automobilen. Nur in einem Abenteuer, «You Only Live Twice» (1967), da sitzt Bond - hier: Sean Connery - kein einziges Mal am Steuer. Er ist immer nur Beifahrer. Ob das daran gelegen hat, dass ihm das Drehbuch keinen Aston Martin anbieten konnte, oder vielleicht daran, dass er zwar die «Licence to kill», aber keinen japanischen Führerschein besass, das entzieht sich unserer Kenntnis. Und doch hat «You Only Live Twice» ein Automobil berühmt gemacht: den Toyota 2000 GT.
Angestaubtes Image
Was die Verantwortlichen bei Toyota geritten hatte, ein Fahrzeug wie den 2000 GT konstruieren zu lassen, das lässt sich nicht mehr feststellen. Tatsache ist, dass Toyota Anfang, Mitte der 60er unter den sehr konservativen japanischen Automobil-Herstellern der mit Abstand altbackendste war; der «Japan-Barock» stand in voller Blüte. Aber irgend jemand bei Toyota musste erkannt haben, dass die Marke ein Image-Problem hatte. Und irgendwie wurde etwas Geld bewilligt für die Entwicklung eines Fahrzeugs, wie es Japan noch nie gesehen hatte.
Auto nicht selber konstruiert
Jetzt wird es aber schon mysteriös. Denn Toyota konstruierte den neuen Wagen nicht selber, sondern vergab den Auftrag an die Entwicklungsabteilung von Yamaha. Ja, Yamaha ist vor allem berühmt als Motorrad-Hersteller, aber dabei wird gerne vergessen, dass die Japaner auch einen ausgezeichneten Ruf als Motorenbauer haben (und schon damals hatten). Erstaunlich ist nun aber, dass Yamaha am Motor, einem 2-Liter-Reihen-Sechszylinder aus dem Toyota Crown, kaum etwas bastelte, ihm einzig zwei obenliegende Nockenwellen verpasste, was die Leistung auf beachtliche 150 PS brachte. Neun spätere Exemplare verfügten dann auch noch über einen 2,3-Liter-Motor mit der gleichen Basis.
Ähnlichkeiten mit Jaguar E-Type
Als Toyota den 2000GT 1965 auf der Tokio Motor Show vorstellte, war das Publikum sehr vor allem positiv überrascht. Zwar erinnerte der Sportwagen entfernt an den Jaguar E-Type, doch trotzdem, so ein schönes Auto hatte es in Japan vorher nie gegeben. Wer genau der Designer war, wird wohl nie geklärt werden. Es gilt als sicher, dass Albrecht Graf von Goertz, berühmt geworden als Schöpfer des 1955 vorgestellten BMW 507, Anfang der 60er Jahre für Yamaha gearbeitet hatte. Aber ob es ein Entwurf von Goertz war, den Yamaha Toyota vorstellte, das ist ungeklärt - und unwahrscheinlich. Die Rolle von Albrecht Graf von Goertz ist eh etwas undurchsichtig, er galt ja auch lange als Designer des Datsun 240Z, obwohl er nie etwas mit diesem ersten erfolgreichen japanischen Sportwagen zu tun hatte. Toyota schreibt das Design mit den ungewöhnlichen Klapp-Scheinwerfern auf jeden Fall einem eigenen Mitarbeiter zu, Satoru Nozaki.
Toyota überraschte die Fachwelt
Als der 2000 GT 1967 dann endlich auf den Markt kam, war die Fachwelt überrascht. Das amerikanische Magazin «Road&Track» verglich den Japaner mit dem Porsche 911. Das Fahrwerk mit Einzelrad-Aufhängung mit Querlenkern und Schraubenfedern war um Meilen besser als das, was die Japaner sonst zu bieten hatten damals. Die Fahrleistungen waren ausgezeichnet, rund 220 km/h schnell war der 2000 GT. Geschaltet wurde über ein manuelles 5-Gang-Getriebe, der Toyota hatte vorne und hinten Scheibenbremsen. Neben den aussergewöhnlichen Magnesium-Felgen gab es eine weitere kleine Besonderheit, eine «Notbremse», die nur auf die hinteren Räder wirkte - diese wurde vielleicht extra für James Bond eingebaut. Für heutige Verhältnisse ist der 2000 GT mit einer Länge von 4,17 Metern und einer Breite von nur 1,60 Metern winzig; das Leergewicht betrug knapp über 1100 Kilo.
Das Fahrzeug wurde von der Fachpresse ausgesprochen wohlwollend beurteilt, obwohl es mit einen Preis von 8800 Dollar noch teurer war als alle Porsche und Jaguar jener Jahre. Doch noch wichtiger war, dass die Plüsch-Etage von Toyota im 2000 GT erkannte, dass Design durchaus seine Berechtigung hat; 1970 kam der Celica auf den Markt, der die Marke Toyota endgültig auf den Radar der Kundschaft auch ausserhalb von Japan brachte.
Spezial-Version für 007
Bond fuhr in «You Only Live Twice» in einem ganz speziellen 2000 GT mit, einem von nur zwei gebauten Cabrios. Beide kamen zwar direkt ab Werk, wurden aber nie offiziell angeboten. Und eigentlich waren sie auch gar keine richtigen Cabrios, denn sie hatten keinerlei Dach. Es wird erzählt, diese beiden Fahrzeuge seien deshalb entstanden, weil der grossgewachsene Connery nicht in das niedrige Coupé - der 2000 GT ist nur gerade 1,16 Meter hoch - gepasst habe. Toyota habe es zuerst noch mit einer Targa-Variante versucht, doch auch da soll James Bond zu wenig Platz gehabt haben. Also liess man das Dach dann gleich ganz weg.
Insgesamt wurden nur gerade 351 Exemplare des 2000 GT gebaut, alle bei Yamaha. Selbstverständlich sind diese Toyota heute ausgesprochen teuer, wahrscheinlich die teuersten Japaner überhaupt. Das hier gezeigte Exemplar, ein etwas unglücklicher Targa-Umbau, für den aber anscheinend die Pläne von Toyota verwendet wurde, konnte 2010 für fast 180'000 Pfund versteigert werden; dafür kriegt man auch einen netten Ferrari. Mindestens ein 2000 GT befindet sich auch in der Schweiz. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.07.2011, 10:13 Uhr
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3 Kommentare
Wegweisend wäre das gewesen, einen KLEINEN Sportwagen zu bauen - das ist ja eigentlich der Witz dran. Leider ist diese Art Autos später fast ausgestorben. Auf einem Bild sieht man übrigens die Schaltung eines Automaten. Und: Furnier ist auch echtes Holz! Antworten
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