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Supersportler für die Familie

Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 22.12.2011 10 Kommentare

Der Lamborghini Espada bot bei seiner Lancierung 1968 alles, was ein echter Sportwagen braucht. Und er bot Platz für vier Personen.

1/11 Lamborghini Espada, gebaut zwischen 1968 und wahrscheinlich 1978. So genau weiss das niemand.
Bild: Courtesy of RM Auctions

   

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Vielleicht war der Espada einfach eine Strafaufgabe. Heimlich, ohne das Wissen des grossen Patron Ferruccio Lamborghini, hatten Chefkonstrukteur Gian Paolo Dallara, Produktionsleiter Paolo Stanzani, Produktionsleiter und Testfahrer Bob Wallace 1965 ein Fahrzeug gebastelt, das absolut revolutionär war – den Miura.

Ferruccio schlug seinen jungen Wilden den Wunsch nicht ab, der Miura kam 1966 auf den Markt und wird für immer das wunderbarste, wahnsinnigste, grossartigste Automobil sein, das je in Sant'Agata gebaut wurde.

Sinn nach gepflegter Fortbewegung

Doch im Herzen war Ferruccio Lamborghini mehr der Gentleman, mit Rennwagen hatte er gar nichts am Hut; er hatte sein Geld mit Traktoren gemacht, und ihm stand der Sinn mehr nach gepflegter Fortbewegung. Und wenn seine hochbegabte Truppe schon die Zeit fand, um in der Freizeit noch einen verkappten Rennwagen auf die Strasse zu bringen, dann würde sie auch die Musse haben, ihm seinen Traum vom grossen Coupé mit Platz für vier Personen und ein bisschen Gepäck zu erfüllen. Den grossen, souveränen Reisewagen, von dem Ferruccio Lamborghini immer bedeutend intensiver geträumt hatte als von der ultimativen Fahrmaschine.

Weil die Zusammenarbeit mit Bertone beim Miura so gut geklappt hatte, wandte sich Sant'Agata wieder an das Studio in Grugliasco. Das heisst: dort war 1966/67 schon ein Fahrzeug entstanden, das den Espada vorwegnahm. Eigentlich waren es sogar zwei Fahrzeuge, der Bertone/Jaguar Pirana, auf Basis eines E-Type, und der viersitzige Lamborghini Marzal.

Anfangs mit Flügeltüren konzipiert

Wie auch immer: Der endgültige Entwurf des genialen Marcello Gandini, der schon den Miura gezeichnet hatte, ähnelte dann mehr dem Pirana als dem Marzal. Gandini wollte unbedingt Flügeltüren wie beim Marzal, doch Ferruccio konnte damit gar nichts anfangen, der Espada sollte ja eine eher konservative Kundschaft bedienen, und so erhielt der Espada eine seiner Schwachstellen, die viel zu langen Türen.

Doch Gandini zeichnete trotzdem wieder ein Werk für die Ewigkeit. Der Espada, 4,74 Meter lang, 1,86 Meter breit und nur 1,19 Meter hoch, wirkt wie aus einem Guss, als ob der Stift des Zeichners nicht einmal stillgestanden hätte. Die Fensterflächen sind gross und grossartig, in einem Espada wird auch die Nacht zum Tag; die Heckscheibe dient als Kofferraumklappe.

Eigenwillige Innenausstattung

Die vier Sitze darf man als vollwertig bezeichnen, auch wenn der Zustieg auf die hinteren Ränge nicht ganz so locker ist. Der Radstand von 2,65 Metern lässt aber immerhin ein gewisses Mass an Beinfreiheit zu; um die Kopffreiheit ist es eher mässig bestellt. Eine Art Kofferraum ist vorhanden; unter einer Klappe liegt das Reserverad. Aber ein schlankes Gepäck konnte durchaus mitgeführt werden, und für den Transport von Bierkisten sollte man einen Espada, benannt nach dem Degen des Matadors, eh nicht unbedingt gebrauchen. Innen war der Lamborghini in seiner ersten Ausführung eher, sagen wir mal: etwas eigenartig. Die Sechsecke aus dem Marzal wurden zwar nicht 1:1 übernommen, aber die Designer von Bertone befanden sich Ende der 60er-Jahre wohl gerade in ihrer kubistischen Phase.

Als Unterbau dient wie bei allen vorherigen Lamborghini auch beim Espada ein Rohrrahmen; der Motor wird beim Viersitzer relativ weit vorne eingebaut, für ein besseres Platzangebot, und er ruht zusammen mit der Achsaufhängung in einem Hilfsrahmen. Die Räder (7J x 15, Pirelli Cinturato 205 VR 15) werden an doppelten Dreieckslenkern und Schraubenfedern geführt und mit Federbeinen gestützt; es hat dann, später, auf Wunsch auch eine hydropneumatische Federung gegeben. Die Lenkung kam von ZF, Kugelumlauf (anfangs sogar noch ohne Servo), die Scheibenbremsen kamen wie üblich von Girling.

Grossartige Fahrleistung

Der Motor des Espada ist bekannt, dieser wunderbare Alu-V12 mit vier Liter Hubraum, mit seitlich angebrachten Doppel-Weber-Vergasern, 325 PS bei 6500/min, ein maximales Drehmoment von 374 Nm bei 4500/min. Geschaltet wurde über das hauseigene manuelle 5-Gang-Getriebe. Die Fahrleistungen waren für jene Jahre grossartig, den Sprint von 0 auf 100 km/h schaffte der Espada, intern Tipo 108 genannt, in 6,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 245 km/h. Der Espada galt zwar als konventionell, doch er hatte keine Schwächen, war schnell, schön, und viele Journalisten lobten ihn als bestes Auto seiner Klasse (wohl auch deshalb, weil er in seinem Segment ziemlich alleine stand).

Die erste Serie des Espada 400 GT wurde von 1968 bis 1970 gebaut, 186 Exemplare wurden produziert. 1970 wurde die zweite Serie nachgereicht, S2 oder GTE genannt, mit neu 350 PS. Auch sonst wurde am S2 fleissig gearbeitet, das im S1 noch eher futuristische Innenleben wurde geglättet, vereinfacht, der Unterboden wurde leicht abgesenkt, damit die Kopffreiheit etwas grösser werden konnte, auf Wunsch war jetzt auch eine Servolenkung zu haben. Zwischen 1970 und 1973 konnten vom S2 stolze 575 Stück abgesetzt werden; der Espada war längst zum kommerziell erfolgreichsten Lamborghini geworden. 1973 wurde noch einmal gebastelt, die ZF-Lenkung war nun hydraulisch, das Interieur endlich anständig, und auf Wunsch gab es auch eine 3-Gang-Automatik von Chrysler, die aber nur gerade siebenmal bestellt wurde. Vom S3 wurden bis 1978 (oder auch 1980) noch 463 Exemplare verkauft.

Auf Radical-classics.com gibt es derzeit die komplette Frühgeschichte von Lamborghini zu bewundern, 350 GTV, 350/400 GT, Miura, Islero, und auch die Entstehungsgeschichte des Marzal ist ausführlich beschrieben (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.12.2011, 13:10 Uhr

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10 Kommentare

Marcel Zufferey

22.12.2011, 18:23 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Der Espada ist etwas von Spektakulärsten, dass die Strasse je gesehen hat! Antworten


Luckas Meyer

22.12.2011, 14:15 Uhr
Melden 11 Empfehlung

von dort also der Porsche Panamera. Antworten



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