Wie Jensen Motors die Autowelt erstaunte

Von Anatol Heib. Aktualisiert am 23.08.2011

Der britische Automobilhersteller setzte bis in die 70er-Jahre Massstäbe – unter anderem mit dem Allradantrieb. Am kommenden Wochenende sind am British Car Meeting über 20 Modelle zu sehen.

1/19 Interceptor der Serie 2, Baujahr 1970.
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British Car Meeting in Mollis

Das Treffen findet am 28. August (9 bis 16 Uhr) im Kanton Glarus auf dem Flugplatz in Mollis statt. Mit jeweils über 1600 teilnehmenden Fahrzeugen gilt dieses Treffen als eines der wichtigsten der englischen Fahrzeugszene in der deutschen Schweiz.

An Ständen finden Besucher Automobilia, Fachbücher, Ersatzteile oder können mit einem der diversen anwesenden Clubs in Kontakt treten. Der Eintritt ist kostenlos.

Restauriert Jensen-Autos: Andreas Kreis mit einem C-V8.

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Selten anzutreffen

Jensen sind in der Schweiz selten, obwohl Personen mit klingenden Namen die Fahrzeuge des britischen Herstellers in die Schweiz importierten. So war Peter Monteverdi, der mit seinen eigenen Fahrzeugen später ebenfalls im Bereich der Luxussportwagen tätig wurde, in den frühen 60er Jahren um den Import einiger wenige Jensens besorgt.

Edgar Schwyn, der sich primär mit dem Versandhandel von Automobilzubehör einen Namen gemacht hatte, importierte zwischen 1969 und 1976 knapp 100 der exklusiven Jensen-Fahrzeuge. Je nach Modell muss man heute für einen Jensen 5000 bis 100'000 Franken ausgeben.

Jensen hat von diversen Modellen nur sehr kleine Stückzahlen gebaut, nicht selten auch Einzelstücke. In der Schweiz sind Interceptor und Jensen-Healey noch einigermassen bekannt, von den drei Modellen FF, C-V8 und 541 gibt es im Jensen Car Club of Switzerland nur eine gute Handvoll.

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Am diesjährigen British Car Meeting (BCM) in Mollis am 28. August ist der Jensen Car Club of Switzerland mit etwa 20 Autos zu Gast. Der Club zählt rund 70 Mitglieder und möchte mit seinem Gastauftritt dazu beitragen, dass die Marke Jensen hierzulande etwas bekannter wird.

Die 1934 von den Brüdern Alan und Richard Jensen gegründete britische Automarke Jensen Motors setzte bis in die 70er Jahre Massstäbe. In der Schweiz hat die Marke eine treue Fangemeinde, das Interesse an den Autos ist in den letzten Jahren gestiegen – auch weil die einst sündhaft teuren Modelle im Vergleich zu anderen Luxussportwagen günstig zu erwerben sind.

Super Trumpf im Auto-Quartett

Am Treffen in Mollis dabei ist auch Andreas Kreis (45) aus Glarus, seit zwölf Jahren Jensen-Sammler und Hobby-Restaurateur der britischen Fahrzeuge. Der gelernte Elektroniker und Jurist wurde schon früh vom «Engländervirus» befallen, besass verschiedene Roadster der Marke Triumph und fand vor rund 12 Jahren eher zufällig zu seinem ersten Jensen, einem hierzulande nahezu unbekannten C-V8. Das betreffende Fahrzeug wurde ursprünglich nach Sierra Leone exportiert und dann vom britischen Konsul in Kongo als Dienstwagen verwendet. Gänzlich fremd war Kreis die britische Edelmarke nicht. «In den Auto-Quartetten, mit denen wir als Kinder spielten, war der Jensen Interceptor aufgrund seines hubraumstarken Motors der Super Trumpf», erinnert sich Kreis.

Heute besitzt Kreis insgesamt fünf Fahrzeuge der Marke Jensen. Kreis bezeichnet sich selber als «Schrauber» - im Gegensatz zu den «Fahrern» zieht er vor, seine Fahrzeuge in der Garage zu geniessen, wo er sie in jahrelanger Arbeit aufwändig restauriert.

In den letzten Jahren ist das Interesse an den Autos der Marke Jensen gestiegen, vor allem in Deutschland. «Dies mag damit zusammenhängen, dass man bei Oldtimerveranstaltungen selbst mit einem hervorragend restaurierten Fahrzeug der bekannten englischen Marken kaum mehr auffälllt. Ein Jensen ist aber auch heute noch ein sehr exklusives Fahrzeug, das man sich zudem viel eher leisten kann als die oftmals überteuerten Autos der damaligen Rivalen von Jensen, zu welchen Hersteller wie Aston Martin oder Jaguar gehörten», sagt Kreis.

Erstes reines Strassenfahrzeug mit Allradantrieb

Jensen Motors erbrachte in der Automobilindustrie einige Pionierleistungen: 1953 erschien der Jensen 541 als weltweit erster Viersitzer mit Kunststoffkarosserie und 1958 kam dieses Modell – ebenfalls als Weltpremiere – mit Scheibenbremsen an allen vier Rädern auf den Markt. Als eigentliche Sensation galt aber der 1966 vorgestellte FF, war es doch das erste reine Strassenfahrzeug weltweit mit Allradantrieb, welches überdies mit einem mechanischen ABS von Dunlop ausgerüstet war. Das Kürzel FF stand für Ferguson Formula und deutete an, dass Jensen diese Antriebstechnologie zusammen mit der Firma Ferguson Research entwickelt hatte

Der FF war wohl eines der fortschrittlichsten und sichersten Autos seiner Zeit. «Diese Innovationskraft hat mich von Anfang an fasziniert», sagt Kreis. Leichtbauweise unter Verwendung von Kunststoffen und Aluminium, permanenter Allradantrieb und ABS- Bremssysteme, von innen verstellbare Stossdämpfer etc. mag heute zwar Standard sein, aber Jensen war damit seiner Konkurrenz bisweilen um Jahrzehnte voraus.

Jensens Vermarktungsproblem

Das Unternehmen bekam jedoch schmerzhaft zu spüren, dass ein technologisch fortschrittliches Produkt alleine nicht zum kommerziellen Erfolg führt. Kreis: «Die Jensen-Brüder haben zu spät erkannt, dass sie ihre Autos besser vermarkten müssen. So haben sie für ihre Arbeit auch nie die Anerkennung bekommen, die sie verdient hätten.»

Konkurrenten wie Aston Martin zeigten mit Product-Placement (z.B. in 007-Filmen), wie das funktioniert. Erst nach dem Ausscheiden von Alan und Richard Jensen versuchte es das neue Management mit Prominenten als Werbeträger: Fleedwood (Fleetwood Mac), Mitch Mitchell (Jimi Hendrix Experience), John Bonham (Led Zeppelin) oder Ginger Baker (Cream/Blind Faith). «Dass diese Musikgrössen Jensen-Fahrer waren und teilweise sogar mehrere Modelle besassen, wurde wohl zu wenig aggressiv nach aussen getragen», vermutet Kreis.

Volvo für «The Saint» gefertigt

Geld kam bei Jensen vor allem mit Auftragsarbeiten für andere Hersteller herein. Kaum bekannt ist beispielsweise, dass die ersten Volvo P1800 (einer hatte den Auftritt in der TV-Serie «The Saint» mit Roger Moore) bei Jensen gebaut wurden. Besonders lukrativ für Jensen waren die Arbeiten für den BMC Konzern: Sämtliche zwischen 1952 und 1967 gebauten sogenannten «grossen» Austin-Healeys wurden bei Jensen produziert und montiert. In dieser Zeit wurden mehr als 74'000 Austin-Healeys gefertigt, während Jensen bis dahin kaum mehr als 1500 eigene Fahrzeuge hergestellt hatte.

Selbst der Umstand, dass man sich mit dem Geld, das man für einen Jensen zu zahlen hatte, auch Wohneigentum hätte leisten können, änderte nichts daran, dass Jensen nach dem Auslaufen der erwähnten Arbeiten für andere Hersteller finanziell den Boden unter den Füssen verlor.

Mitarbeit: Andreas Kreis (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.08.2011, 11:08 Uhr

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