Zurück in die Zukunft: Zwei Tüftler machen Oldtimer zu Elektro-Autos

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 12.04.2010

Oldtimer sind laut, stinken und hinterlassen überall schmierige Ölflecken. Falsch! Zumindest nicht, wenn sie aus der Werkstatt von Jens Broedersdorff und Uwe Koenzen in Duisburg kommen.

Denn frei nach dem Motto «Zurück in die Zukunft», haben sie sich der Umrüstung von Klassikern zu Elektroautos verschrieben und dafür schon vor mehr als 15 Jahren die Firma Classic eCars gegründet.

Nachdem sie erst ihren eigenen Porsche 912 aus den Sechzigern zum Stromer umgebaut und dann ein paar Dutzend Umrüstsätze für VW Käfer, T1 und T2 sowie den Karmann Ghia verkauft haben, steigen sie jetzt in das Geschäft mit Komplettfahrzeugen ein: «Wir planen elektrische Versionen von Fiat 500, Citroen DS und der ersten Generation des VW Bus», kündigen die beiden Autonarren an und kalkulieren für jedes Auto erst einmal mit bescheidenen Stückzahlen. «Jeweils zehn Exemplare sollten es schon werden, damit sich die Arbeit lohnt», sagt Uwe Koenzen, «aber nach oben sind wir natürlich offen». Schliesslich wollen die beiden in ihrer kleinen Hinterhofwerkstatt in einem Duisburger Industriegebiet erst einmal die Prototypen bauen und alle anderen Fahrzeuge dann von den entsprechenden Oldtimer-Spezialisten umrüsten lassen.

Theoretisch auch mit Jaguar E-Type möglich

Dass sie ausgerechnet mit diesen drei Modellen starten, liegt natürlich vor allem an der Attraktivität und dem Charakter der Modelle. «Aber wir haben uns auch die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Ersatzteilen angeschaut», sagt Koenzen. Und Techniker Broedersdorf ergänzt: «Ausserdem müssen wir auch elektrisch das entsprechende Fahrgefühl hinbekommen.» Natürlich ginge das auch bei Koenzen elektrischem Traumwagen, einem Jaguar E-Type. Doch könnten das heute nur wenige bezahlen.

Die zuvor von Profis restaurierten Oldtimer werden bestückt aus einem modularen Antriebsbaukasten, dessen Komponenten vor allem aus dem Werkzeugmaschinenbau und der Industrie kommen. So werde die Steuerung sonst für hoch präzise Hebesysteme eingesetzt, und der Motor laufe zum Beispiel in Grubenlokomotiven, erläutert Koenzen. Geplant sind demnach vier Leistungsstufen mit 30, 60, 90 oder 120 kW, mit denen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreicht werden können. Auch bei den Batterien sieht Classic eCars eine Stufenlösung vor: «Wir werden Lithium-Zellen für 50, 100, 150, 200 und 300 Kilometer Reichweite anbieten,» so Koenzen weiter. Je nach Leistung und Kapazität solle der Preis für die Umrüstung bei 17 500 bis 45 000 Euro liegen – plus Basisfahrzeug, versteht sich. Einen elektrischen Cinquecento wird es deshalb wohl für gut 25 000 Euro geben.

Heute liegt die Quote bei 50:50

In der Klassiker-Szene wird der Vorstoss der beiden Elektro-Pioniere sehr geteilt aufgenommen: Als wir damit anfingen, haben uns 98 von 100 Oldtimer-Fans den Vogel gezeigt, erinnert sich Koenzen.: «Heute sind schon bei bei einer Quote von 50:50, und die zustimmende Tendenz steigt». Und auch die Spezialisten, die für sie nach der Prototypen-Entwicklung die Komplettfahrzeuge restaurieren und umbauen sollen, seien plötzlich ganz Ohr.

Zwar beginnt der Aufbau von Komplettfahrzeugen erst in diesem Sommer. Doch sind Boredersdorff und Koenzen keine Elektro-Neulinge: Derzeit verkaufen sie elektrifizierte Replikas wie den Porsche 550 von Chamonix und den Rudolph Spyder, von dem zwei Exemplare bald bei einem Forschungsprojekt im Allgäu eingesetzt werden sollen. Auch davor haben die beiden schon Elektro-Autos umgerüstet. Rund zwei Dutzend Antriebssätze haben sie seit der Firmengründung 1996 an die Fahrer von VW Bussen, Käfern und Karmann Ghias ausgeliefert. Einen davon haben sie allerdings behalten: Er schnurrt in ihrem Dienstwagen – einem Porsche 912 aus den Sechzigern, sagt Koenzen: «Und das jetzt schon problemlos seit zehn Jahren und mehr als 35 000 Kilometern.» Und auch die Ölflecken in der Garage sind mittlerweile verschwunden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.04.2010, 15:09 Uhr

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