«Die einzige Lösung lautet Elektroautos»

Eigentlich sollte es um das neue Tesla-Werk in Tilburg gehen, doch dann drängte sich ein anderes Thema auf: Der VW-Abgasskandal, und wie Tesla-Chef Elon Musk darüber denkt.

Tesla-Werk Tilburg: Hier werden die Stromer für die EU-Länder gefertigt. Tesla für die Schweiz kommen aus den USA. Fotos: Tesla

Tesla-Werk Tilburg: Hier werden die Stromer für die EU-Länder gefertigt. Tesla für die Schweiz kommen aus den USA. Fotos: Tesla

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie schnell sich die Welt doch verändern kann. Zumindest die Sicht darauf. Noch vor acht Tagen hätte man der Zeile auf dem Flugticket keine Beachtung geschenkt. Nun aber liest man 163,66 Kilo CO2 pro Person und fragt sich: Wurde hier auch getrickst? Emissionswerte stehen jetzt unter Verdacht, nicht bloss geschönt, sondern frei erfunden zu sein. Intuitives Luftanhalten, als dann vor dem Flughafen Schiphol ein Golf TDI vorbeifährt. Man denkt, was man vor acht Tagen eher bei einem seit 20 Jahren nicht mehr gewarteten Lastwagen gedacht hätte: Dreckschleuder. Und fühlt sich moralisch auf der richtigen Seite, wenn man die 120 Kilometer nach Tilburg im emissionslosen Tesla-Taxi zurücklegt.

Vor acht Tagen wäre es dort um die Eröffnung des ersten Tesla-Werks ausserhalb der USA gegangen. Um die knapp 44'000 Quadratmeter grosse, auf Energieeffizienz ausgerichtete Anlage, in der täglich bis zu 90 Fahrzeuge montiert und kontrolliert werden, um den Produktionsprozess für den europäischen Markt zu optimieren. Als Schweizer Journalist fragt man sich zwar, wozu die 163,66 Kilo CO2 für die Reise überhaupt aufgewendet wurden – wie sich herausstellt, werden die Autos für Nicht-EU-Länder nicht in Tilburg gefertigt, sondern nach wie vor aus dem kalifornischen Fremont geliefert.

Doch wie gesagt, die Welt hat sich verändert, und drum soll es nun um den Mann gehen, der die Welt schon immer verändern wollte: Tesla-Chef Elon Musk, der den versammelten Journalisten während 45 Minuten Rede und Antwort steht. Zu vielen Fragen, die vor acht Tagen noch nicht gestellt worden wären.

Elon Musk, Tesla-Chef und Unternehmer.

Ihre Meinung zum «Dieselgate»?
Mit dem Verbrennungsmotor haben wir die Grenzen der Physik erreicht, möglicherweise schon vor Jahren. Daher sind nur noch inkrementelle Fortschritte möglich. Ich denke, die VW-Ingenieure standen unter enormem Druck. Ihnen blieb nur noch die Trickserei.

Was sind die Folgen?
Wenn Sie im Stau stehen, atmen Sie die Luft aus dem Auspuff Ihres Vordermanns direkt ein. Sie wollen gesundheitliche Probleme? Dann nehmen Sie den Auspuff doch gleich in den Mund. Das wird den Leuten jetzt bewusst. Die einzige Lösung lautet darum: Elektroautos. Die grossen Autobauer müssen nach diesem Vorfall in Richtung null Emissionen streben.

Was, wenn Sie VW-Chef wären?
Ich würde sagen, okay, und jetzt verschreiben wir uns sofort der Elektromobilität und streben dort die Führerschaft an. Denn der einzige Weg, das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen, ist, mit voller Kraft auf saubere Autos zu setzen.

Profitiert Tesla vom Skandal?
Ganz ehrlich, ich denke nicht so viel übers Business nach. Es geht um ein höheres Ziel: sicherzustellen, dass die Zukunft gut ist. Wir wollen den Prozess hin zu emissionslosen Autos beschleunigen. Was nützt ein volles Bankkonto, wenn die Zukunft nicht gut ist?

Irgendwann muss aber auch Tesla Geld verdienen . . .
Es fällt mir gerade schwer, ein konkretes Datum zu nennen. Doch im Ernst: Auf lange Sicht müssen wir profitabel sein, damit die Investoren nicht die Geduld verlieren. Ich erwarte, dass wir nächstes Jahr den Breakeven schaffen und bis 2020 profitabel sind.

Profitabel dank staatlicher Subventionen?
Es gibt zwei Möglichkeiten: einen Preis aufs CO2 ansetzen oder die Elektromobilität subventionieren. Besser wäre es, dem CO2 einen Preis zu geben, sowohl bei der Produktion als auch beim Auto selbst. Es ist falsch, dass E-Autos subventioniert werden. In Wahrheit werden Autos mit Verbrennungsmotor subventioniert, weil sie fürs CO2 wenig bis gar nichts bezahlen müssen. Es muss jetzt etwas getan werden, um diesen ökonomischen Fehler zu korrigieren. Die CO2-Kapazität des Ozeans ist wie ein Vermögen, das wir ausgeben, als ob es nichts wert wäre.

Warum lässt Teslas Massenmodell auf sich warten?
Jede Technologie muss, bevor sie erschwinglich ist, verschiedene Phasen durchmachen. Ich habe immer von einem 3-Stufen-Plan geredet: einem hochpreisigen Kleinserienmodell – das war der Roadster –, gefolgt von hochpreisigen Volumenmodellen und schliesslich einem günstigen Volumenmodell. Das Geld, das wir mit den teuren Modellen erwirtschaften, fliesst in die Entwicklung eines günstigen Modells. Gäbe es einen Weg, Phase drei zu beschleunigen, würde ich es tun.

Hat die Batterietechnik Zukunft? Viele setzen auf die Brennstoffzelle.
Es gibt genügend Analysen, die belegen, dass Brennstoffzellen bestenfalls halb so effizient sind wie Batterien. Bei der Brennstoffzelle wird das Wasser erst elektrolysiert, der Wasserstoff vom Sauerstoff getrennt, unter hohen Druck gesetzt und verflüssigt, was sehr viel Kühlenergie erfordert. Der ganze Prozess, bis man das Auto effektiv fahren kann, ist ziemlich verrückt.

Und warum fährt James Bond eigentlich keinen Tesla? Ich halte nichts davon, jemanden dafür zu bezahlen, dass er so tut, als würde er unser Auto mögen. Aber ob Bond Tesla fahren würde? Ich denke, Ja. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 28.09.2015, 18:59 Uhr)

Artikel zum Thema

VW-Skandal: Zahlensalat in der Schweiz

Sind 128'802 oder 180'000 Fahrzeuge betroffen? Die Angaben des Bundesamtes und der Amag widersprechen sich. Tagesanzeiger.ch/Newsnet rechnet nach. Mehr...

Das Imperium schlägt zurück

Die Auto-Grossmacht Deutschland wehrt sich gegen den Angreifer aus Kalifornien. Auf der IAA stehen zwei mögliche Tesla-Gegner, weitere dürften folgen. Mehr...

Porsche tritt gegen Tesla an

Lange schwankte die deutsche Sportwagenfirma zwischen Resignation und Aufbruch. Inzwischen verkauft der US-Konkurrent so viele Luxus-Elektroautos, dass VW-Konzernchef Winterkorn zum Gegenangriff drängt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Abo

Weekend-Abo für 1.- testen

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Werbung

Blogs

Von Kopf bis Fuss Naomi Campbells «kleine Schwester»

Blog Mag Völlig unmöglich

Abo

Weekend-Abo für 1.- testen

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Die Welt in Bildern

Platte Mode: Wer als Kind gerne mit Paper Dolls spielte, wird sich allenfalls an den Kleidern erfreuen, welche Moschino an der Milan Fashion Week in Italien zeigt (22. September 2016).
(Bild: Tristan Fewings/Getty Images) Mehr...