Der Töff-Tüftler von Turbenthal

Eskil Suter baut Motorräder für den Motorsport und holte sich schon zwei Weltmeistertitel als Konstrukteur. Er bastelte bereits als Kind an Maschinen herum und bezeichnet sich als Workaholic.

Baute bisher Motorräder und will bald auch ein Flugzeug konstruieren: Eskil Suter.

Baute bisher Motorräder und will bald auch ein Flugzeug konstruieren: Eskil Suter. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Händeschütteln da, ein paar scherzende Sprüche dort. Eskil Suter fühlt sich sichtlich wohl in der Werkstatt seiner Firma Suter Racing Technology in Turbenthal. «Was ist das denn Teuflisches?», fragt er einen Mitarbeiter und zeigt auf einen Metallzylinder. Er lässt es sich kurz erklären und greift dann zu den Konstruktionszeichnungen. «Damit hatten wir doch zuletzt Probleme. Könnte man diese nicht mit einem abnehmbaren Sockel lösen?» Diese Szene ist charakteristisch für Suter, den CEO von Suter Racing Technology. Er ist ein Tüftler, ein Macher – und dies seit seiner Jugendzeit. Heute ist seine Firma auf die Entwicklung von Motorrädern für den Rennsport spezialisiert, er gewann 2010 und 2011 die Konstrukteurenweltmeisterschaft in der Kategorie Moto2.

«Das Tüfteln wurde uns quasi in die Wiege gelegt», sagt Suter. In der Werkstatt seines Vaters schweisste er mit seinem Bruder bereits als Zehnjähriger Gefährte zusammen. «Teils nächtelang.» Zuerst bastelten sie an Vehikeln ohne Motor herum, später an solchen mit. «Wir konstruierten bereits 1977 gefederte Mountainbikes, als die Welt noch nicht wusste, dass es das gibt», sagt der 44-Jährige.

Als Rennfahrer erfolglos

Trotz früher Tüftelei, lernte Suter keinen technischen Beruf, sondern Zimmermann. Die Lehre diente der «Abwechslung und Horizonterweiterung». Die technischen Fertigkeiten hatte er sich bereits autodidaktisch beigebracht. Mit 24 Jahren startete er seine Karriere als Rennfahrer in der 250-cm3-Klasse – ohne grosse Erfolge. Schon damals stellte er die Motorräder in einem kleinen Team mit seinem Bruder Simon selber zusammen.

Nach dem Karrierenende 1998 entschieden sich die Brüder der Branche treu zu bleiben und selbst in die Entwicklung und Produktion einzusteigen. Inzwischen hat Suter 35 Angestellte unter sich. Inzwischen rüstet die Firma beinahe einen Drittel des Fahrerfelds in der Moto2-Klasse mit Maschinen aus. Zwar ist Suter Racing Technology heute in allen Rennkategorien (MotoGP, Moto2, Moto3) vertreten, die Motorradproduktion macht aber nur noch die Hälfte der Herstellung aus. Daneben werden Motoren, Einzelteile für Flugzeuge und dergleichen gefertigt. Die Erfahrungen aus dem Rennsport kommen dem Unternehmen auch hier zugute.

Immer wieder kommt er auf sein neustes Kind, einen Flugzeugmotor, zu sprechen

Dabei ist es nicht der Motorsport an sich, der Suter in seinen Bann gezogen hat. «Ich bin ein Technikfreak», sagt er. «Ich greife auch zu Hause zum Stift und bringe neue Gedankengänge aufs Papier.» Es seien leider zu viele Ideen, als dass er alles verwirklichen könnte. Aktiv am Produktionsprozess beteiligt, ist der Vater zweier Teenager nur noch selten. «Ein Grossteil meiner Arbeit beinhaltet leider administrative Dinge», sagt er mit etwas Wehmut. Zu selten stehe er heute mit dem Stift am Zeichnungsbrett. Seltener wird er auch nächste Saison an den Rennstrecken zu sehen sein. «Ich werde nur noch rund die Hälfte der Rennen besuchen.»

Es scheint, als habe Eskil Suter zwei Gesichter. Zum einen jenes des Unternehmers, der sachlich und ruhig über seine Firma Auskunft gibt, zum andern jenes des Entwicklers, dessen Augen funkeln, wenn er über Visionen und Konstruktionen spricht. Das bekommt man zu sehen, wenn er immer wieder auf sein neustes Kind, einem Flugzeugmotor mit Axialkolben zu sprechen kommt. Er nimmt sich Zeit, die Funktion zu erklären, wenn auch mit Wörtern, die für Laien nur schwer verständlich sind.$

Die Familie kommt zu kurz

Es fällt ihm schwer, Abstand zu nehmen von seinem Beruf, von Büro und Motoren. «Hobbys habe ich eigentlich keine», sagt er und fügt an: «Mein Beruf ist mein Hobby.» Hin und wieder fährt Suter Motocross. «Aber eigentlich bin ich ein Workaholic», sagt er über sich selbst. Die Leidtragenden seien manchmal seine Frau und die beiden Kinder, die ihn in hektischen Zeiten nur selten zu Gesicht bekämen.

Ideen und Träume hat Eskil Suter zuhauf. «Das Flugbrevet erwerben, das wäre es», sagt er. Die Fliegerei fasziniert ihn schon seit Kindesbeinen. Bisher fehlte auch dafür die Zeit. Eines Tages will er ein eigenes Flugzeug bauen. Gut möglich, dass er sich diesen Traum verwirklicht, bevor er den Prototyp überhaupt fliegen darf – schliesslich hat er auch als Zehnjähriger schon an Motorrädern rumgeschraubt. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.04.2012, 20:31 Uhr)

Artikel zum Thema

Auf den Roller gekommen

Die Grenzen zwischen Motorrad und Roller verwischen. Die Fahrleistungen der beiden neuen Maxiroller von BMW sind denjenigen von reinrassigen Motorrädern ebenbürtig. Zudem sind der komfortable C 650 GT und der schnittige C 600 Sport kinderleicht zu bedienen. Mehr...

Motorradfahrer wollen auf die Busspur

Mitbenutzung von Busspuren, Kolonnen-Überholen, mehr Parkplätze und grüne Wellen: Die IG Motorrad will eine Initiative starten, die in Zürich Kopfschütteln auslöst – bestenfalls. Mehr...

Der Edel-Tuner

Siata war vielleicht der erste aller Tuning-Betriebe: Schon vor dem Zweiten Weltkrieg beschäftigten sich die Italiener vor allem damit, Fiat-Modelle schneller zu machen. Doch man schuf auch einige Ikonen. Mehr...

Werbung

Neuwagenkonfigurator

car4you.ch: Alle Marken – Jetzt Ihr Wunschauto konfigurieren!

Blogs

Private View Sagt Fischli
Manage Your Boss Siezen Sie noch, oder duzt du schon?

Die Welt in Bildern

Hundeschwumm: Ein Junge vergnügt sich in Bowling Grenn (Kentucky) mit seinem Vierbeiner im Pool. (14. September 2014)
(Bild: Miranda Pederson) Mehr...

Auto

Populär auf Facebook Privatsphäre

Werbung

Neuwagenkonfigurator

car4you.ch: Alle Marken – Jetzt Ihr Wunschauto konfigurieren!

Vergleichsdienst

Günstiger in die Ferien!

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.


Umfrage

Was wird anders, wenn Frauen Autos bauen?






Werbung

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Vergleichsdienst

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Werbung

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.