Bern

Fabian Cancellara: «Ich bin im Fahrplan»

Von Toni Nötzli (Si). Aktualisiert am 12.03.2010

Der Berner Radprofi Fabian Cancellara setzt erneut auf die Flandern-Rundfahrt.

Saisonvorbereitung in der Wärme des Mittleren Ostens: Fabian Cancellara an der Qatar-Rundfahrt. (EQ-Images)

Saisonvorbereitung in der Wärme des Mittleren Ostens: Fabian Cancellara an der Qatar-Rundfahrt. (EQ-Images)

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Mit dem Rennen über die «Strade bianche» in der Toscana hat der Berner Radprofi Fabian Cancellara am vergangenen Samstag auf europäischen Strassen Mass an seinen Kollegen genommen. Der Test fiel mit Rang 11 nicht so schlecht aus. Er sei im Programm, sagt der Olympiasieger und Weltmeister, der erneut die Flandern-Rundfahrt (am 4. April) als erstes grosses Saisonziel nennt.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr war der bald 29-jährige Cancellara am Wochenende mit der Kälte in Europa konfrontiert. Sie setzte dem Berner in der Toscana zu, weil er noch die Wärme von den Rundfahrten in den Emiraten Qatar und Oman in den Muskeln verspürte. Schon Ende Januar war Cancellara nach dem ersten Trainingslager in südlichen Gefilden den tiefen Temperaturen in der Schweiz mit einem zweiten Abstecher auf die Kanarischen Inseln entflohen.

«Ich bin im Fahrplan. Es läuft so, wie ich es erwartet habe», hielt Cancellara vor dem Start zu Tirreno-Adriatico fest. Der Formaufbau soll zu einer tragenden Rolle in der Flandern-Rundfahrt führen, die Cancellara seit längerem im Visier hat. «Sie fehlt mir noch in meiner Siegerliste. Von den fünf Monumenten ist sie vielleicht das am schwierigsten zu gewinnende Rennen.» Mailand-Sanremo, Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich und die Lombardei-Rundfahrt zählen nebst der Flandern-Rundfahrt zu den fünf grossen Klassikern.

Seit 2003 ist Cancellara jedes Jahr zur «Weltmeisterschaft der Flamen» angetreten. Vor vier Jahren resultierte in der «Ronde van Vlaanderen» mit dem 6. Platz das beste Ergebnis. Bei den letzten drei Austragungen war dem Berner das Glück nicht hold: 2007 griff er in einem Verzweiflungsakt zu früh an, 2008 verspürte er nicht die beste Tagesform, und letztes Jahr riss ihm am berüchtigten Koppenberg die Kette.

Tour-de-Suisse-Start geplant

Ab dem Pavés-Klassiker Paris-Roubaix sind die weiteren Einsätze von Cancellara noch nicht genau definiert. Den Giro d’Italia will der stärkste Schweizer nicht bestreiten; die Tour de Suisse und die Tour de France zählen unverändert zum normalen Programm. Ob der Weltmeister an der Zeitfahren-WM teilnehmen wird, weiss er noch nicht: «Bringt mir ein vierter Titel noch etwas? Ich will nicht überheblich tönen, aber es ist langweilig, immer das gleiche Rennen zu gewinnen. Der Titelkampf auf der Strasse lockt mich mehr.»

Vor allem in den Internetforen wird spekuliert, die Gebrüder Schleck würden unter der Federführung des früheren Astana-Managers Marc Biver eine eigene Sportgruppe aufbauen. «Ich weiss von nichts», wehrt Cancellara die Frage nach einem allfälligen Wechsel ab, obwohl er natürlich bestens informiert ist. Der Berner ist auch noch für die nächste Saison vertraglich an Bjarne Riis gefunden, der allerdings einen neuen Hauptsponsor finden muss. Anderseits zählen die Schlecks zu Cancellaras engsten Freunden.

Cancellara weiter: «Ich konzentriere mich auf meinen Sport und die Arbeit. Für mich geht alles normal weiter. Viele Leute reden davon, dass sie eine eigene Mannschaft auf die Beine stellen möchten. Wenn es ums Finanzielle geht, werden sie dann etwas leiser. Wenn ich Geld hätte, würde ich auch helfen, ein eigenes Team aufzubauen. Zur Verwirklichung eines solchen Projekts fehlen mir aber etwa 15 Millionen Euro pro Jahr.»

«Befinden uns auf gutem Weg»

In seiner 10. Profisaison hat Cancellara unter seinen Berufskollegen eine Tendenz ausgemacht, die Hoffnung auf Besserung verspricht: «Die Fahrer sprechen nicht mehr so oft über Doping wie früher.» Verspricht dies nach vielen Jahren der Betrügereien und Skandale endlich, dass die Leistungen vermehrt auf natürliche Art und Weise und weniger mit chemischen Mitteln erzielt werden? Der Berner: «Wir befinden uns auf einem guten Weg, und ich denke, dass von den Massnahmen im Radsport auch andere Sportarten profitieren.»

Fabian Cancellara musste sich in der letzten Saison rund 60 Kontrollen unterziehen. Dabei hätten sich nie Probleme ergeben, auch nicht bei den Trainingskontrollen: «Ich habe die Kontrolleure immer mit Respekt behandelt, und sie mich auch.» (Der Bund)

Erstellt: 12.03.2010, 15:35 Uhr

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