Angriff auf Googles Suchformel

Er wird streng gehütet und verhilft dem US-Konzern zu einer einzigartigen Machtposition in Europa: Der Suchalgorithmus von Google. Nun gerät das Firmengeheimnis unter Druck.

Ruf nach mehr Transparenz bei der Suchformel: Google-Sitz in Hamburg.

Ruf nach mehr Transparenz bei der Suchformel: Google-Sitz in Hamburg. Bild: Keystone

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Wer im Internet sucht, der googelt. Zumindest fast immer. Dank seinem speziellen Suchalgorithmus hat sich der US-Internetriese eine einzigartige Vormachtstellung in Europa verschafft. Doch dieses gut gehütete Firmengeheimnis gerät nun unter Druck. In einem Interview mit der Zeitung «Financial Times» (Artikel nur im Bezahlbereich zugänglich) fordert der deutsche Justizminister Heiko Maas, Google müsse transparenter werden. Wenn eine Suchmaschine einen derart grossen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung habe, müsse man über die Transparenz des Algorithmus diskutieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Googles Suchformel zur Sprache kommt. Kritiker bemängeln, die Algorithmen würden absichtlich verzerrt, um die Konkurrenz zu schwächen, und fordern schon länger mehr Transparenz. Google wiederum argumentiert, dies würde seine Suchmaschine zu einem leichten Ziel für Spamattacken machen, und beruft sich auf das Geschäftsgeheimnis.

Über 90 Prozent Marktanteil

Gegenüber der neusten Forderung des deutschen Justizministers wird bereits Kritik in den USA laut. Gemäss dem Bericht sagte der ehemalige US-Botschafter Robert Kimmitt gegenüber der «Financial Times», eine exportorientierte Wirtschaft wie Deutschland, die für ihre Innovationen auf offene Märkte angewiesen sei, sollte besorgt sein über die «Unterschlagung von geistigem Eigentum».

Googles Vormachtstellung sei aussergewöhnlich, sagte Justizminister Maas im Interview. Der Marktanteil bei der Websuche betrage in der EU über 90 Prozent und in den USA 68 Prozent. Man müsse über Vorsichtsmassnahmen nachdenken, damit diese Macht nicht missbraucht werde. (thu)

(Erstellt: 16.09.2014, 08:27 Uhr)

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Will die Google-Vormacht brechen: Deutschlands Justizminister Heiko Maas. (Bild: Reuters )

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