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«Apple strahlt mehr Lifestyle als Technik aus»

Das IT-Unternehmen streut gezielt Gerüchte, ist Werber Andreas Widmer überzeugt. Eine empfehlenswerte Strategie? «Beim Klopapier und Banken funktioniert es nicht», warnt der Chef von Advico Young & Rubicam.

1/7 Die Hardware ist sekundär
«Das iPhone zeigt exemplarisch, dass der Vorsprung von Apple nicht in der Hardware liegt, sondern im gesamten Markenerlebnis, das von unzähligen Erfolgsfaktoren lebt», sagt Andreas Widmer, Chef der Agentur Advico Young & Rubicam.

   

Nur noch zweimal schlafen: Am Mittwoch um 19 Uhr MEZ wird Apple-Chef Steve Jobs aller Voraussicht nach das Tablet vorstellen. «Komm und schau Dir unsere neuste Kreation an», steht auf der Einladung, welche das Unternehmen verschickt hat.

Nicht nur Blogs und Medien, auch der von seinen Anhängern beinahe schon sektenartig verehrte Steve Jobs («iGod») kann es offenbar kaum mehr erwarten: Mehr als einmal – und von verschiedenen Quellen – wurde dem gewöhnlich gut informierten Portal «Techcrunch» nämlich folgendes Zitat zugetragen: «Das wird die wichtigste Sache sein, die ich je gemacht habe». Das Quote stammt gemäss Aussagen von Autor Michael Arrington von niemand geringerem als Steve Jobs.

Dies ist im Moment das jüngste Gerücht. Über kaum ein Gadget in der IT-Geschichte sind im Vorfeld so viele Informationen durchgesickert wie beim neuen Apple-Computer. Das hat durchaus Strategie, meint Andreas Widmer, Chef der Agentur Advico Young & Rubicam und Mitgründer von Frogblog, dem meistgelesenen Kommunikations- und Trendblog der Schweiz.

Seit Wochen schreiben Medien über ein Produkt (Tablet), welches noch gar nicht auf dem Markt ist. Gab es so etwas in dieser Dimension schon einmal, Andreas Widmer?
Ja, aber nur bei Apple. (AAPL 493.42 0.05%) Der Hype ums iPhone war noch einiges grösser.

Es gibt Vermutungen, wonach Apple selber «Leaks» zulässt – obwohl sie gegen aussen vorgibt, mit äusserster Härte gegen Informanten vorzugehen. Streut Apple gezielt Gerüchte?
Bestimmt. Im Marketing-Jargon nennt man das Seeding: Ein Thema wird bewusst gepflanzt, damit es sich viral verbreiten kann.

Machen andere Firmen das auch?
Ja, das machen inzwischen einige Firmen. Im Automobilbereich zum Beispiel ist das gezielte Platzieren von Konzeptzeichnungen oder verhüllten Fahrzeugen ein Standardvorgehen, um das Interesse an einem Modell bereits vor der Lancierung zu schüren. Seed-Marketing funktioniert aber nur, wenn ein grosses Interesse an den entsprechenden Produkten und Marken besteht. Beim Klopapier oder einer Bank funktioniert es nicht.

Was sind die Gefahren?
Das Thema wird nicht aufgenommen oder negativ diskutiert, so dass man als Unternehmen gezwungen ist, aus der Anonymität zu treten und dazu Stellung zu nehmen. Nur wenn das Interesse und der Vertrauensvorsprung in der breiten Öffentlichkeit sehr gross sind, kann man sich – wie Apple – darauf verlassen, dass eine solche Kampagnen-Strategie auch erfolgreich ist.

Selbst Apple-Mitarbeiter in der Schweiz wissen offenbar bis zuletzt nicht, ob das Tablet wirklich existiert.
Die Geheimhaltung ist nötig, denn sonst würde aus dem Seed-Marketing ein Leak-Marketing.

Die Techwelt blickt am Mittwoch nach San Francisco. Warum funktionieren solche Events bei Apple immer?
Apple ist die einzige emotional aufgeladene IT-Marke. Sie strahlt mehr Lifestyle als Technik aus. Das trifft gemäss der grössten Markenstudie Brandasset Valuator insbesondere auch auf die Schweizer Konsumenten zu, die Apple als stärkste IT-Marke einstufen.

Das Tablet wird wahrscheinlich von Steve Jobs vorgestellt. Kann Apple überhaupt ohne ihn funktionieren?
Sicher, aber weniger gut. Es dürfen einfach keine Technokraten ans Ruder, sondern Leute, die verstehen und die Sensorik haben, dass Computer-Produkte Lifestyle sind. Mit dem Chefdesigner Jonathan Ives ist dieses Verständnis im Umfeld von Jobs gut verankert.

Heizen wir doch die Gerüchteküche noch etwas an: Wird Apple ein Tablet präsentieren?
Ja. Es wird wahrscheinlich ein iPhone/iPodTouch im XXL-Format sein. Insgeheim hoffen wir aber auf eine echte Revolution inklusive entsprechender Services und Inhaltskooperationen.

Und wenn das Gadget eine Fata Morgana war...
... wird Steve Jobs erklären, dass Apple nicht wie andere Hersteller Produkte auf den Markt bringen will, die noch nicht völlig ausgereift sind.

Das iPhone war aus rein technischer Sicht bei der Erstpräsentation nicht revolutionär. Trotzdem wollten es alle. Hätte Microsoft das gleiche Gerät 2007 unter einem anderen Namen präsentiert, wäre es auch ein Erfolg geworden?
Bestimmt, aber kein so grosser. Das iPhone zeigt exemplarisch, dass der Vorsprung von Apple nicht in der Hardware liegt, sondern im gesamten Markenerlebnis, das von unzähligen Erfolgsfaktoren lebt: Etwa hohe Akzeptanz und Emotionalität der Marke, gutes Design der Produkte, hübsche, freundliche Oberflächen und – natürlich – ein phantastisches Marketing.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.01.2010, 13:57 Uhr

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14 Kommentare

Rolf Schlumpf

27.01.2010, 19:20 Uhr
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Ich benutze Apple-Produkte seit 20 Jahren, aber ein Jünger bin ich trotzdem nicht. Ein iPhone hat es schwer bei mir, weil ich andere Prioritäten setze. Trotzdem, das Gesamtpaket *Apple* hat gegenüber *Microsoft* so viel mehr zu bieten, dass es mir auch egal ist, wenn ich das etwas teurer bezahle. Nun, ich muss auch mit *Microsoft*-Tools arbeiten, aber man kann es sich ja nicht immer aussuchen ;))) Antworten


Ernst Boller

27.01.2010, 10:54 Uhr
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@Ramon Paxus: Wenn das Überhitzungsargument stimmen würde, dürfte niemand einen Laptop kaufen. Dort geht es noch wesentlich enger zu. Für den, der gerne bastelt, ein- und umbaut oder Kabelsalat liebt, ist der iMac sicher nichts. Antworten


Daniel Berger

26.01.2010, 09:31 Uhr
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Apple versteht es bei den Produkten die technische Problematik soweit wie möglich für dem User zu lösen. So haben sie z.b. einen nahtlosen Übergang von PowerPC Prozessoren auf Intel Prozessoren geschafft - davon hat der Durchschnittsuser eigentlich nichts gemerkt. Microsoft hat es nicht mal mit Win7 geschafft 32 + 64 bit auf eine DVD zu packen... Antworten


Ramon Paxus

26.01.2010, 09:08 Uhr
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@Ernst Boller: Da muss leider der Korrekturstift ran...USB wurde von einer Firmengruppe bestehend aus Compaq, Digital, IBM, Intel, Northern Telecom, and Microsoft entwickelt. Apple stiess erst viel später zur USB-IF. Weiter: Das Konzept des iMac ist zwar aus Marketingsicht brilliant, aber ansonsten eher schwachsinnig (Überhitzunsprobleme, Hardwareaustausch etc). Antworten


Hans Graber

26.01.2010, 08:44 Uhr
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Von Lifestyle zu sprechen ist schlicht falsch. Apple bietet Produkte, bei denen das Benutzerinterface wirklich einfach, durchdacht und schön zu bedienen ist. Das Resultat: Egal wer ein iPhone in die Hand nimmt, es wird sofort verstanden und es wird gerne benutzt. Darin liegt die Innovation. Wer will schon 5 Megapixel, wenn er mit den Bildern nichts anfangen kann und sie nicht mehr findet. Eben. Antworten


Sacha Sommer

25.01.2010, 23:51 Uhr
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Wenn dies mit den "Jüngern" stimmen würde, dann hätte Apple viel mehr Computer verkauft. Es gibt weitaus mehr iPhone- als Macintosh-Besitzer in der Welt (oder in der Schweiz). Das iPhone war 2007 einzigartig, sowohl in Funktion als auch Bedienung. Ich kenne übriges auch Macintosh Benutzer die kein iPhone haben, aber sich vielleicht eines kaufen werden. Antworten


Ernst Boller

25.01.2010, 20:55 Uhr
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Die technische Kompetenz Apples wird in weiten Kreisen unterschätzt. So stammen Entwicklungen wie SCSI, USB oder FireWire von Apple. Das Konzept des neuen iMac ist so brillant, dass die Konkurrenz sich noch gar nicht ans Kopieren gewagt hat. Oder die Magic Mouse ist so revolutionär, dass man sich in der Mäuse-Hochburg Logitech noch eine Weile ärgern wird, weil man nicht auf die Idee gekommen ist. Antworten


mathias imgrüt

25.01.2010, 18:50 Uhr
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Vor 30 Jahren haben sich Jobs und Co. überlegt wie PC's einfacher zu bedienen wären und haben dem Macintosh eine grafische Oberfläche und eine Maus spendiert. Genau das machen sie auch heue noch. Sie erfinden das Rad nicht neu, sie machen es nur besser. Deshalb wird nächsten Mittwoch auch nicht ein Makro-iPhone vorgestellt, sondern ein Gerät, dass genau das kann, wofür dieses Format geeignet ist. Antworten


Lukas Kubin

25.01.2010, 17:22 Uhr
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Immer wieder wird abschätzig von den Apple-Jüngen gesprochen. Aber 100-te Fans applaudieren Steve Balmer, wenn er um sein Stehpult hopst und 40 mal 'Developer, Developer, ...' schreit. Mit hochrotem Kopf. Wie sind denn die zu benennen? Und wenn man die letzte Dekade anschaut, die Innovationen und den Markterfolg, spricht das Bände. Alles auf's Marketing zu reduzieren ist doch reichlich blauäugig! Antworten


Alexander Keller

25.01.2010, 16:41 Uhr
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Viele vergessen etwas. Apple hat Fans, wie mein Vater (In den USA sind es wohl wirklich Macintosh Jünger, aber dies ist die amerikanische Mentalität). Er ist seit bald 20 Jahren Apple Kunde. Hardware und Software wurden auch dann eingekauft, wenn Apple eine "ehrlich gesagt" miese Produkte-Auswahl zu bieten hatte..... Antworten


Roger Schatz

25.01.2010, 15:47 Uhr
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Marketing hin oder her: Apple Produkte sind einfach zu bedienen und haben einen schlichten, reduzierten Look ohne Schnickschnack. Daher sind sie für mich erste Wahl. Egal ob da ein Apfel oder eine Birne drauf ist. Antworten


chris scialpi

25.01.2010, 15:23 Uhr
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hauptsache die mac-jünger können mal wieder hype/in sein und geld ausgeben (die haben wohl eeh genug).. das iphone scheint schon vergangenheit, bzw. muss man nicht mehr mit einer transparenten nach aussen am gurt angebrachten "ich bin imfall än mäc-jünger" -Vorrichtung präsentieren.. Für mich spricht dagegen: teuer, extreme markenbindung (iGod), siehe iphone ist via itunes ist via i i i zuviel! Antworten


Michael Offner

25.01.2010, 14:44 Uhr
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Sie haben was wichtiges vergessen. "Die HW ist sekundär", dass stimmt und das hat A schon lange erkannt, A betreibt zweifellos ein gutes Marketing, dies alleine reicht heute aber schon lange nicht mehr, höstens für kurzfr. Erfolg. Nein A überzeugt mit der Software + der gelungenen Hochzeit mit der Hardware. bei Handys war vor dem IPhone SW kein Thema und nun ist sie kaufentscheidend. Antworten


sebastian lentz

25.01.2010, 14:20 Uhr
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das mit der hardware ist richtig. ABER. Apple hat über iTunes eine funktionierende plattform für den user content geschaffen. das kann sonst keiner. die features, die wirklich knallen sind die software und die apps. das ist big business und auch hier funktioniert ALLES. Das konsumerlebnis bleibt weitgehend von Enttäuschungen verschont. schon mal versucht hat beim Blackberry die umlaute zu finden? Antworten



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