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Das «Surfbrettchen» namens iPad steckt in einer Identitätskrise

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 04.11.2010 52 Kommentare

Bis Ende Jahr wird Apple in der Schweiz 100'000 Tablets verkauft haben. Was womöglich nach viel tönt, ist in Tat und Wahrheit ein bescheidenes Ziel. Tagesanzeiger.ch/Newsnet recherchierte die genauen Zahlen.

1/14 Acer, Teil 1
Das taiwanesische Unternehmen Acer hat am Dienstag ein Dual-Screen-Tablet mit zwei 14-Zoll-Displays vorgestellt. Das Gerät heisst Iconia.
Bild: Reuters

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg mag Apple. (AAPL 562.29 -0.54%) Um so überraschender kommt die Kritik, welche er am Mittwoch an einer Konferenz in Palo Alto am Jobs-Unternehmen äusserte. Auf eine Frage aus dem Publikum, warum Facebook keine iPad-Applikation entwickelt habe, antwortete er: «Es ist nicht mobil.» Später bestätigte er dies Aussage: «Das iPad ist ein Computer. Sorry!»

Der Chef des weltgrössten Onlinenetzwerks thematisiert damit einen Punkt, der in der allgemeinen iPad-Hysterie etwas untergegangen ist – die schwierige Positionierung im Markt.

Weniger mobil als ein Smartphone

Laut Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet gingen bislang 70'000 bis 75'000 iPads in der Schweiz über den Ladentisch. Bis Ende Jahr dürften die Verkäufe wegen des Weihnachtsgeschäfts nochmals anziehen. 100'000 Exemplare sind sehr realistisch. Was nach viel aussieht, ist in Tat und Wahrheit für Branchenexperten enttäuschend. Als Apple Ende Oktober die Quartalszahlen veröffentlichte, sackte die Aktie kurzzeitig massiv ab. Denn Apple verkaufte in dieser Zeit eine halbe Million weniger iPads als von den Analysten erwartet.

Das Hauptproblem des iPads ist tatsächlich der von Zuckerberg angesprochene Mangel an Mobilität. So sieht der Luzerner IT-Experte Claude Settele für das iPad ein grosses Potenzial – aber nur als «häusliches Multimedia- und Info-Terminal». «Das iPad ist ein kompaktes Surfbrettchen fürs Sofa und ein Lesegerät für Info-Häppchen wie News, TV-Programm, Wetter, Fahrplanauskunft und dergleichen». Für Settele ist klar: «Das iPad gehört zur Kategorie der ‹Nice to have›-Gadgets und dürfte nicht denselben Erfolg haben wie das ‹Must have›-Werkzeug Handy, sprich iPhone.»

Ohne Subventionen zu teuer

Ähnlich äussert sich Gabriel Bartholdi, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. «Den iPad-Erfolg kann man nicht mit der Erfolgsgeschichte des iPhones vergleichen: Das iPad ist doch eher eingeschränkt einsetzbar und teuer.» Zwar sei auch das Apple-Smartphone nicht gerade günstig, sei aber durch die Subventionen der Telekommunikationsgesellschaften für jedermann erschwinglich.

Was ebenfalls gegen eine totale iPad-Dominanz spricht: «Ein Tablet ist primär ein Gerät für das Webbrowsing oder im Unternehmen für Präsentationen im Kundengespräch. Sobald viel geschrieben werden muss, greifen die Konsumenten nach wie vor zu einem Notebook. Für einfache Internetabfragen unterwegs reicht ein Smartphone völlig aus.»

Somit positioniert sich ein Tablet zwischen Notebook und Smartphone. Und genau dort sieht Bartholdi die Schwäche des Gerätes. «Obwohl das iPad den Zugang zum Internet nochmals vereinfacht: Warum sollten Konsumenten nochmals ein Gerät kaufen, das eigentlich nicht mehr kann als das Smartphone und das Notebook zusammen?»

Samsung ( 242.688 -0.13%) ist Apples härtester Gegner

Die ungeklärte Identitätsfrage dürfte Apple allerdings weniger schmerzen als die Reaktion der Konkurrenz. Denn anders als beim iPhone haben die Hersteller sehr rasch auf diese Apfel-Hardware reagiert. Apples gefährlichster Gegner kommt aus Asien. «Samsung», sagt Claude Settele, «dürfte mit dem Galaxy ein starker Konkurrent von Apple werden» Dafür sprechen laut dem Experten die Grösse und die Marketing-Anstrengungen des südkoreanischen Unternehmens. «Ergänzend zum Tablet im 7-Zoll-Format, das nächste Woche in den Verkauf geht, entwickeln die Koreaner auch ein grösseres Tablet», weiss er.

Potenzielle Herausforderer sind für ihn weiter die grossen PC-Hersteller wie Dell, HP und Toshiba. Kleineren Tablet-Anbietern räumt Settele indes wenig Kredit ein. «Es braucht einen langen Atem, um eine neue Produktkategorie zu etablieren und gegen international tätige Schwergewichte anzutreten.»

Gute Testergebnisse für das Galaxy Tab

Kurzfristig sieht auch Analyst Bartholdi Samsung als Apples schwierigsten Gegner. Das Galaxy Tab habe bei Tests gut abgeschnitten und dürfte aufgrund des Betriebssystems von Google, Android, von dessen steigender Beliebtheit profitieren. Mittel- bis längerfristig werden laut Bartholdi auch andere grosse Hardwarehersteller Tablets lancieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.11.2010, 12:06 Uhr

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52 Kommentare

Isabel Wirth

04.11.2010, 12:27 Uhr
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Das iPad lässt sich je nach Ansicht in der Tat schwierig einordnen. Aber das ist beim Samsung ja nicht anders, denn ein 7"-Tablet ist auch nicht jackentaschentauglich – und wegen der kleineren Displaygrösse noch unkomfortabler z.B. zum Texte schreiben. Wenn «die Koreaner» nun auch ein grösseres Tablet entwickeln, wird dieses dann erst recht die gleichen Kritikpunkte haben wie das iPad. Antworten


Richard Marti

04.11.2010, 12:51 Uhr
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Tablets wie das iPad sind nun mal Nischen-Geräte. Dass ein Nischen-Markt nur ein bedingte Grösse hat, ist eine Binsenweisheit. Der nächste Schritt ist ein leichteres Tablet mit Mobile Wireless und dann wird die Entwicklung dort stehen bleiben. Dennoch hat Apple seinen Ruf mit dem iPad als (im Moment) innovativster IT-Hersteller weiter ausbauen können - siehe Börsenwert! Antworten



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