Das neue Apple-Betriebssystem im Test
Von Matthias Schüssler, Roman Weber. Aktualisiert am 28.08.2009 22 Kommentare
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Steve Jobs hat Snow Leopard vor mehr als einem Jahr angekündigt, aber nie ein Wort darüber verloren, wann das Betriebssystem in die Läden kommen soll. Erst vor knapp einer Woche verdichteten sich die Gerüchte, dass es Ende August so weit sein könnte – und bereits morgen Freitag ist das Betriebssystem zu kaufen.
Damit kommt Mac OS X 10.6, der Nachfolger von Leopard, noch vor Windows 7 in die Läden. Microsofts Betriebssystem ist für Mitte Oktober angekündigt, und auch in anderen Belangen legt es Apple darauf an, dem grossen Konkurrenten Paroli zu bieten.
Beispielsweise beim Preis. Während Windows 7 in der Home Premium Edition wohl gegen 200 Franken kosten wird, ist Snow Leopard als Upgrade von der Vorgängerversion für günstige 39 Franken zu haben. Das Familien-Update mit fünf Lizenzen kostet 69 Franken, und wer Tiger zusammen mit iLive und iWork auf den neuesten Stand bringen will, stattet für 219 Franken die ganze Familie mit allen Programmen aus.
Mehr Arbeitsspeicher, weniger Festplatte
Beim Update ist darauf zu achten, dass Snow Leopard nun 1 GB Arbeitsspeicher benötigt. Beim Vorgänger waren es noch 512 MB gewesen. Die Installation benötigt 5 GB freien Festplattenspeicher. Positiv ist aber, dass Snow Leopard haushälterischer mit der Festplatte umgeht als seine Vorgänger. Durch das Update von Leopard wurden in unserem Test rund 7 GB freigeschaufelt – was Anwendern mit notorischen Platzproblemen mehr als gelegen kommt.
Vor der Installation ist eine Sicherung aller Daten angezeigt. In unserem Test waren zwei Anläufe nötig; nach dem ersten Versuch wollte das MacBook nicht mehr starten. Diese Panne dürfte ein Einzelfall sein, dennoch sind Vorsichtsmassnahmen angezeigt. Apple selbst spricht bezüglich Installation weniger von den Pannen, sondern weist lieber darauf hin, dass sich Mac-Anwender keine Gedanken darüber machen müssen, ob Sie die Home Premium-, Starter-, Business oder Ultimate Edition kaufen sollen und ob sie lieber die 32-bit- oder 64-bit-Variante möchten, wie das bei Windows 7 der Fall ist.
Von Snow Leopard gibt es nur eine Variante, und die bezeichnet Apple unbescheiden als «The world's most advanced OS» – das fortschrittlichste Betriebssystem überhaupt. Apple hat Snow Leopard auf Leistung und auf neue Hardware getrimmt. Der Finder wurde neu geschrieben und soll robuster arbeiten. Mail, iCal, iChat und Safari liegen als 64-bit-Anwendungen vor. Apple postuliert einen Geschwindigkeitsgewinn, der spürbar, aber nicht aufsehenerregend ist. 64-bit-Anwendungen können sich sehr viel mehr Arbeitsspeicher zunutze machen als herkömmliche 32-bit-Programme.
Zweckentfremdete Grafikpower
Open CL ist ein offener Standard, der es Anwendungen erlaubt, für anspruchsvolle Anwendungen die leistungsfähigen Prozessoren moderner Grafikkarten in Anspruch zu nehmen, selbst wenn es nicht um die Grafikausgabe geht. Damit sollen sich beispielsweise wissenschaftliche Anwendungen beschleunigen lassen.
«Grand Central Dispatch» hat die Aufgabe, Computer mit mehreren Prozessorkernen auszureizen. Dieser Mechanismus verteilt die bei der Programmausführung anfallenden Aufgaben automatisch auf alle Prozessorkerne. So reagiert der Computer auch bei starker Auslastung und vielen Hintergrundaktivitäten flüssig.
Apple hat Snow Leopard auf Zukunftstauglichkeit getrimmt und alte Zöpfen abgeschnitten. Ein solcher Zopf ist Rosetta. Das ist eine «Übersetzungssoftware», mit deren Hilfe sich auf modernen Macs mit Intel-Prozessor Programme ausführen lassen, die für ältere Macs mit PowerPC-Prozessor entwickelt wurden. Rosetta wird mit Snow Leopard nicht mehr installiert. Immerhin bietet das Betriebssystem an, Rosetta bei Bedarf aus dem Internet nachzuladen. Damit lässt sich beispielsweise auch Microsoft Word 2004 mit Mac OS X 10.6 nutzen.
Auch an der Oberfläche gibt es Neuerungen, wenngleich es sich dabei nur um Detailverbesserungen handelt. Klickt man im Dock auf das Icon einer Anwendung und hält die linke Maustaste gedrückt, dann werden alle offenen Fenster dieser Anwendung via Exposé aufgefächert. Das kennt man schon für die Anwendung im Vordergrund, nun ist es über das Dock auch für Anwendungen im Hintergrund möglich.
Die Stacks funktionieren nun so, wie sich das viele schon bei Leopard gewünscht hätten. Stacks sind Ordner im Dock, die beim Anklicken «aufspringen», ihren Inhalt darbieten und beim Loslassen der Maustaste wieder verschwinden.
Leopard öffnete beim Anklicken eines Unterordners ein normales Fenster im Finder. Snow Leopard zeigt auch Unterordner als Stack. Man kann aus dem Dock durch Datenbestände navigieren, Dateien und Dokumente aufspüren, ohne den Finder bemühen zu müssen.
Bildschirmfilm ab!
QuickTime X, Apples Videoplayer, hat einen schlichteres Aussehen erhalten, und er kann auch Videos aufnehmen. Macs mit eingebauter Kamera oder Webcam zeichnen Botschaften mit Bewegtbildern auf. QuickTime versteht sich auch auf Screencasts, also auf die Aufzeichnung der Geschehnisse auf dem Bildschirm. Screencasts dokumentieren Befehlsabläufe und werden gern für Videotutorials genutzt. Fertige Filme lassen sich direkt aus QuickTime auf Youtube oder Apples eigenem Webdienst MobileMe veröffentlichen. Mail, iCal und das Adressbuch verstehen sich neu mit Microsoft Exchange, wodurch Apple-Computer sich in Unternehmen als Alternative zu Windows-PCs mit Outlook behaupten. Mail kann nun Nachrichten von einem Exchange-Konto abrufen. Die Adressbuch-Anwendung von Snow Leopard eröffnet Zugriff auf die globalen Adressbücher eines Unternehmens, und via iCal lassen sich mit Kollegen Termine abstimmen.
Trotz Apples Seitenhieben gegen Microsoft haben Snow Leopard und Windows 7 eine Gemeinsamkeit: Sie müssen sich in Bescheidenheit üben. Betriebssysteme treten in der Wahrnehmung der Nutzer in den Hintergrund. Was die Anwender heute in Atem hält, sind die neuen Funktionen in Facebook und in Google Street View. Ein gutes Betriebssystem zeichnet sich durch Stabilität, Zuverlässigkeit und Sicherheit aus – und dadurch, dass alles funktioniert wie gewohnt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.08.2009, 11:32 Uhr
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22 Kommentare
Seit einigen Tagen auf meinem iMAC, macht mit Snowleopard gar keine Freude. Es lässt ohne Not fast jedes Anwendungsprogramm nach Speicheroperationen abstürzen. Wenn nicht bald eine Softwareaktualisierung verfügbar wird, die das abstellt, werde ich zu 10.5 zurückkehren und einige Monate zuwarten. Antworten
@Mark Wirsch: Ja stimmt...Moment mal...hat da Apple nicht mal was von File Komprimierung gesagt? Ach ja, da war doch was...stimmt...das ganze OS wird einfach komprimiert...genial...und dann doch nur 1 GB weniger als ein frisches Windows 7(wo dann durch Windows Update Rollbacks natürlich dann noch was mehr dazu kommt, diese kann man aber auch entfernen)...irgendwie nicht so gut... Antworten
@Roger Crislack: Auf einer 500GB Festplatte haben sie nicht 500GB zur verfügung sondern ca. 20GB weniger, dass ist so und kein Fehler des Betriebssystems. Festplattenhersteller "schwindeln" ein bsichen bei den Grössenangaben und rechnen zBsp. nicht den overhead durch das Filesystem mit. Antworten
Die Diskussion ob das OS jetzt besser als W7 ist oder nicht ist sinnlos. Schlussendlich ist es doch einfach Geschmackssache. Wer Mac PCs hübsch findet dem werden sie auch weiterhin gefallen. Wer sich Windows gewohnt ist, wird auch am 7 seine Freude haben. Jedenfalls bringt Snow Leopard nicht viel neues. Aber der Preis stimmt mit der Leistungssteigerung überein. Antworten
Die Preise von Windows 7 sind wirklich viel zu hoch, vor allem auch für Updates. Statt auf Windows 7 upzudaten, werde ich die gesparten 200 Franken lieber gleich in ein neues MacBook Pro investieren und mein Windows Notebook verkaufen. Ein MacBook Pro passt auch viel besser zum iPhone als mein hässliches Windows Notebook. Antworten
Entgegen dem (leider typisch unkritischen) Tagi Bericht gibt es auch einige Schattenseiten: Das Kopieren, speziell im Finder, ist langsamer geworden. Das Aufwachen aus dem Ruhezustand ebenso. Neue Technologien, wie zum Beispiel (Multi)Touch, werden im Gegensatz zu Win7 nicht unterstütz. Blueray-Unterstützung ist auch nur mangelhaft. PPC wird nicht mehr unterstützt., wie auch einige andere Funktion Antworten
Wow, ich bin begeistert! Jetzt hat Apple auch schon 64bit, brauchbare Ordnerbewirtschaft und ein benutzbares (weil Win-kompatibles) Mail-, Termin- und Business-Paket. Und dann verkaufen sie diesen "Fix" auch noch als Neues Betriebssystem. Ich gebe zu, eines hat Apple Microsoft voraus: Sie verkaufen sich extrem gut :-D Antworten
@Roger Crislack, das liegt nicht an der Anzeige der Dateigrössen sondern ist ganz normal. Als Erklärung, nehmen wir als Beispiel eine 80Gb Festplatte: -Sie hat eine Kapazität von 80 Millionen Bytes (Dezimal). -Binär ist ein Gb aber mehr als eine Millionon Bytes - (1,073,741,824 Bytes um genau zu sein). -Also sind 80 dezimale GB = 74.5 binäre GB (welche so auch vom OS angezeigt werden). Antworten
Was bitte ist am Preis eine Sensation? 10.6 ist "nur" ein bezahltes Upgrade in dem viele Programme auf 64bit umgeschrieben wurden, was schon bei der Einführung von MacOS X hätte passieren sollen. Ich mag meinen Mac und werde mir 10.6 morgen auch holen, aber so grossartig sind die Neuerungen nicht als das man es nicht als Service Pack hätte unterbringen können *auf apple fanboys wart* Antworten
Herzliche Gratulation zu diesem Artikel! Besonders attraktiv ist der Flash-Film von Roman Weber! Der Preis für das Upgrade auf Snow Leopard ist eine Sensation und es scheint, dass die Installation auch ohne den alten Leopard möglich ist (auf formatierte HD). Ich freue mich auf morgen und denke, dass sich Microsoft warm anziehen muss. Antworten
Als technisch belasteter User finde ich die eingebaute Technik "unter der Haube" im Apple OS super. Für durchschnittliche Apple User scheinen jedoch Selbstdarstellung (Facebook & Google Street View) & andere mit einem "designigen Spielzeug" beeindrucken zu können wichtiger zu sein, als irgend eine wertschöpfende Arbeit und effektiver ein funktioneller Nutzen. It's a pretty device to impress idiots Antworten
schöner Bericht, jetzt bleibt nur noch abzuwarten, bis morgen die Update-DVD kommt :-) Wie ist es eigentlich jetzt mit der Angabe von Dateigrössen? Wurde das jetzt nicht auch geändert, dass also eine gekaufte 500GB Festplatte auch als 500GB erscheint, und nicht mehr als irgendwie 487.424GB? Antworten
Es sollte erwähnt werden, dass Snow-Leopard nicht ein komplett neues OS ist obwohl der Zähler von 10.5 auf 10.6 wechselt. S.J. hatte es ausdrücklich als Komplettüberholung vom bestehenden Leopard (OSX 10.5) angekündigt. Daher hinkt der Vergleich mit W7 welches als neues OS angekündigt wurde. Antworten




Hans Villars
Hätte ich nicht mit Leopard sehr gute Erfahrungen gemacht und würde ich nur Snow Leopard kennen, wäre der Mac für mich die grösste Enttäuschung. Besonders mit NAS/readyNAS scheint OS X10.6 Probleme zu bekunden. Hans Villars Antworten