Der berühmteste Brotkasten der Welt
Von Anatol Heib. Aktualisiert am 08.01.2012 58 Kommentare
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Nächste Woche stellt die IT-Branche an der Consumer Electronics Show in Las Vegas ihre Neuheiten vor. Dann werden Tablets, HD-Fernseher oder Ultrabooks im Zentrum stehen. Mit diesen Hightech-Produkten kann der Commodore 64 zwar heute nicht mehr mithalten, aber 1982 war er an der Computermesse der Star. Die braune Kiste mit 64 Kilobyte Speicher (davon konnte man 38 wirklich nutzen), einem Chip mit 0,98 MHz und externem Diskettenlaufwerk begeisterte mit seinem vergleichsweise niedrigen Verkaufspreis die Massen. Für viele Kinder und Jugendliche war es damals der erste Kontakt mit einem Computer, einen entsprechend starken Eindruck hinterliess der C64 – und weckt deshalb bis heute Nostalgiegefühle.
Mit dem Verkaufsstart ab September trat der Brotkasten, wie der Heimcomputer in Deutschland wegen seines Designs genannt wurde, den Siegeszug in die Wohn- und Kinderzimmer an – auch in der Schweiz. Je nach Quelle wurden bis in die 90er-Jahre 12 bis 17 Millionen C64 verkauft. Damit gilt er als der meistverkaufte Heimcomputer. Bis 1994 wurde er in unterschiedlichen Varianten angeboten.
Die Heimcomputer-Fraktion auf dem Pausenplatz
Der Commodore 64 wurde zum Symbol für den Einzug der Computer im Privatbereich. Viele Kinder und Jugendliche wünschten sich diese Wunderkiste, die an jedem Fernseher angeschlossen werden konnte. Und viele klärten damals ihre Eltern auf, dass man ihn natürlich sehr gut zum Lernen einsetzen könne. Meist blieb es bei der Ankündigung. Spätestens dann, wenn der Kollege am Mittwochnachmittag mit seiner Diskettensammlung vorbeikam, wurde gespielt bis die Joysticks glühten. In der Schule gab es neben der Töffli-Clique nun eben auch die Heimcomputer-Fraktion, welche in der Schule Disketten tauschte.
Däumchen drehen beim Laden der Spiele
Eine Festplatte war beim C64 reine Fantasie, als Speichermedium dienten zuerst Kassetten (Datasette), dann die 5.25 Zoll grossen Floppy Discs. Für viele war der C64 vor allem eine Spielkiste: «Winter Games», «Defender of the Crown», «International Soccer» oder «Maniac Mansion» – Hit für Hit wurde für den C64 produziert, aber es wurde auch wenig gekauft. Denn die Kiste war wohl auch deshalb beliebt, weil man sich praktisch jedes Game als Kopie besorgen konnte. Die sogenannten Cracker entfernten den Kopierschutz und verteilten die Disketten weiter, die dann schnell die Runde machten.
Die langen Ladezeiten nahm man beim C64 in Kauf, man kannte es einfach nicht anders. Und bei Games mit mehreren Disketten erhielt der Begriff Discjockey eine völlig neue Bedeutung – immer wieder musste man die Floppy Disc wechseln.
Der Commodore 64 deckte neben den Gamern aber auch die Bedürfnisse von Hackern, Programmierern (man konnte nach dem Einschalten sofort in Basic programmieren), und mit seinem SID-Chip die von Soundtüftlern ab. Manch einem ebnete die Begegnung mit der Brotkiste den Weg zu einem Beruf in der IT-Branche. Als Heimcomputer ein Riesenerfolg, kam der C64 in der Geschäftswelt aber nie so richtig in die Gänge.
1994 war Commodore am Ende
Hersteller Commodore steuerte in den 90er-Jahren zusehends in den Untergang. Die nachfolgenden Computer konnten an den Erfolg des C64 nicht anknüpfen. Der Amiga beispielsweise wurde zwar in der Fachwelt gelobt, konnte sich aber nicht annähernd so gut verkaufen – und blieb eben auch in der lukrativen Bürowelt ein Nischengerät (abgesehen von Videoproduktionen). Auf den Tischen der meisten Firmen standen da schon längst Computer mit dem Betriebssystem MS-DOS. Commodore ging 1994 Konkurs. Der Name wechselte mehrmals den Besitzer. Im vergangenen Jahr kündigte Commodore USA den PC64 an – ein Computer mit aktueller Technik im Gehäuse des C64.
Ein Sammlerstück ist der gemeine C64 aufgrund der hohen Verkaufszahlen nicht und ab 50 Franken ist man auf Auktionsplattformen dabei. Nur Sondermodelle wie Jubiläums-Editionen oder die Konsolenvariante C64 GS erzielen hohe Sammlerpreise. Am seltensten ist der C65. Dieser kam nie auf den Markt, die wenigen Prototypen wurden beim Konkurs verscherbelt. Heute erzielen sogar defekte Modelle Preise von mehreren tausend Franken.
Der C64 und vor allem seine Spiele leben bis heute weiter: Man kann sie mit Emulatoren am PC und Mac spielen oder sogar direkt im Browser.
Hatten auch Sie einen Commodore 64? Welche Games haben Sie gespielt? Oder für welche Zwecke haben Sie den Computer gebraucht? Schreiben Sie einen Kommentar! Und wenn Sie sogar noch Bilder aus Ihrer C64-Zeit haben, mailen Sie diese an: community@newsnet.ch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.01.2012, 08:23 Uhr
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58 Kommentare
Trotz seiner im heutigen Vergleich beschränkten Leistung, grafischen Möglichkeiten und Speicher hat der C64 sehr viel Spass gemacht. Joystick-tötende Spiele wie Summer Games, California Games, Winter Games, World Games haben wir nächtelang gespielt. Legendär war auch Zak McKracken, die Last Ninja-Reihe, Giana Sisters,etc. Antworten
Das waren noch Zeiten... seufz, da war die Welt der Computerspiele doch irgendwie besser. Vielleicht bin ich auch zu abgebrüht oder die Nostalgie trübt den Blick zurück, aber so viel nächtelanger Spass wie damals mit Perlen wie Maniac Mansion, Zak McKracken, Bard's Tale Serie, Winter und Summer Games und vielen mehr beschehrt mir heutzutage nicht mal ein sicherlich tolles Skyrim oder BF3, MW3 etc. Antworten

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