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Anatol Heib
Redaktor Community/Crossmedia/Digital


«Ein Computer – besser als Miss Oktober»

Aktualisiert am 20.04.2012 1 Kommentar

«Wir haben uns wie Rockstars gefühlt»: Der Film «Pirates of Silicon Valley» zeigt, wie die Studenten Steve Jobs und Bill Gates die Computerwelt revolutionierten. Jetzt ist die deutsche Version auf DVD erschienen.

1/20 Das Gründer-Duo von Apple: Steve Wozniak (Joey Slotnick) und Steve Jobs (Noah Wyle).
Bild: Screenshot

   

Noah Wyle imitiert Steve Jobs

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Hollywood verfilmt Steve Jobs' Leben. In die Rolle des Apple-Mitgründers wird Ashton Kutcher schlüpfen. Doch der Aufstieg des Unternehmers wurde schon 1999 in «Pirates of Silicon Valley» («Die Silicon Valley Story») verfilmt. Das Werk wurde 1999 produziert, ist aber erst jetzt in der deutschsprachigen Version (die gab es bisher nur auf VHS) auf DVD erschienen.

Der Film ist auch heute noch sehenswert. Er rekonstruiert auf unterhaltsame Weise den Aufstieg der Computerrevolutionäre Steve Jobs und Bill Gates, deren Ideen für die IT-Welt bis heute nachwirken. Besonders beeindruckend ist, wie Noah Wyle den jungen Steve Jobs spielt. Die Ähnlichkeit ist so frappant, dass der Schauspieler 1999 an der Macworld sogar in der Rolle des Apple-Mitgründers die Bühne betrat (siehe Video). Zwischendurch werden Weggefährten eingeblendet und so die Geschehnisse eingeordnet. Damit erhält der Spielfilm Dokucharakter.

«Fühlten uns wie Rockstars»

Steve Jobs und sein Kumpel Steve Wozniak (gespielt von Joey Slotnick) studieren zu Beginn der 1970er-Jahre an der Berkeley-Universität und halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als ihr erster Computer 1976 auf grosses Interesse stösst, wissen sie auf einmal, «was wir mit unserem verkorksten Leben anfangen sollen», erzählt der Wozniak-Darsteller im Film. «Wir haben uns wie Rockstars gefühlt.» Mit langen Haaren, Bart, kurzen Jeans und T-Shirts putzt Jobs bei Investoren die Türklinken. Wozniak: «Wir waren Nobodys – und das war gut so. Alle anderen taten das, was sie immer taten: sich anpassen.»

«Du bist der Einzige, der Frauen fürs Anziehen bezahlt»

Auch Student Bill Gates wurstelt sich durch den Alltag – an der Standford-Universität. Doch die Computerrevolutionäre könnten nicht unterschiedlicher sein: Hier der attraktive Steve Jobs, ein Hippie auf Selbstfindungstrip, der sich mehr als Künstler sieht. Ein Antreiber, der die Leute in seinen Bann zieht, aber auch nach Anerkennung dürstet. Auf der anderen Seite steht Bill Gates, der im Film den klassischen Nerd und versessenen Programmierer verkörpert: Im Studentenzimmer vergräbt er sich lieber in Computerzeitschriften, während seine WG-Kumpels den «Playboy» studieren. Gates zeigt auf den PC in der Tech-Zeitschrift und sagt: «Das ist besser als Miss Oktober. Das ist ein Computer.» Während eines Nachtclubbesuchs sagt ein Weggefährte zum späteren Microsoft-Chef: «Du bist der Einzige, der Frauen fürs Anziehen bezahlt.»

IBM-Bosse über den Tisch gezogen

Doch völlig spassfrei ist auch Gates nicht. So unternimmt er eine Strolchenfahrt mit einem Bulldozer. Und er spielt mit den Kollegen gerne eine Partie Poker. Das Spiel beherrscht er auch im Geschäftsleben. Man muss schon schmunzeln, wenn man sieht, mit welcher Coolness Bill Gates beim legendären Treffen die gestandenen IBM-Bosse einwickelt und mit ihnen einen Software-Deal (Betriebssystem DOS) abschliesst, den sie für immer bereuen werden (Microsoft (MSFT 26.396 -1.88%) hat zu diesem Zeitpunkt noch keine Zeile der Software programmiert). Der junge Schnösel Gates hat den Blick für das grosse Ganze, die IBM-Manager hingegen sind in ihrer Rolle als Marktführer erstarrt. («Software? Oh Gott, damit macht man doch nicht das grosse Geld...») Der erste Sitz von Microsoft ist übrigens ein Zimmer in einem schäbigen Hotel in Albuquerque.

Künstler vs. Pragmatiker

So unterschiedlich die Typen, so verschieden ist auch die Art und Weise, wie sie die IT-Welt verändern wollen. Jobs, ganz der Künstler und geborene Verkäufer, macht den Computer zum hippen Produkt, das mit Maus und grafischer Benutzeroberfläche kinderleicht zu bedienen ist. Computer sind plötzlich cool. Bill Gates hingegen beweist, dass ein PC – und sei er noch so gut – eben nur Erfolg haben kann, wenn für das Betriebssystem auch das Softwareangebot stimmt. Und sein MS-DOS, mit dem Microsofts Aufstieg beginnt, läuft nicht nur auf den Maschinen einer Firma. Das Geschäft mit den Softwarelizenzen ist geboren.

Seltsame Masken

Manchmal wird der Film unfreiwillig komisch: So ähnelt der Wozniak-Darsteller manchmal Actionheld Chuck Norris, oder die Maske des Steve-Ballmer-Schauspielers ist völlig überzogen. Und Bill Gates haftet im Film immer etwas Seltsames an. Ein Nerd, der eifersüchtig auf das Werk seines Rivalen blickt und einen bösen Plan ausheckt. Auf der anderen Seite wird uns der weltoffene, innovative Steve Jobs präsentiert. Doch auch seine Ausraster gegenüber den Mitarbeitern oder das Verhältnis zu seiner Tochter Lisa werden ausführlich thematisiert.

«Die Silicon Valley Story – Die wahre Geschichte, wie Bill Gates und Steve Jobs die Welt veränderten», erschienen bei Warner auf DVD (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2012, 15:22 Uhr

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1 Kommentar

Alain Burky

25.04.2012, 08:38 Uhr
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Ich weiss nicht, ob ein "Schnapszahljahrgang" hilft,
jedenfalls war es eine sehr dynamische Entwicklung ...
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