Ein Webdienst tritt an gegen die Powerpoint-Monotonie
Von Matthias Schüssler. Aktualisiert am 24.01.2011 7 Kommentare
Gekonnt präsentieren
Microsofts Präsentationsprogramm ist allgegenwärtig, aber längst nicht ohne Konkurrenz. Für den Geschäftseinsatz stehen Impress aus dem Open-Office-Büropaket (de.openoffice.org) und Apples Keynote (22 Franken im Mac App Store) zur Verfügung. Ein weiteres Windows-Programm ist Advanced Presentations von Serif. Es geht direkt auf den Stammvater aller Präsentationsprogramme zurück –auf das 1986 unter DOS veröffentlichte Harvard Graphics (Harvardgraphics.com). Powerpoint nachempfundene Webanwendungen finden sich unter 280slides.com, bei Live-documents.com und auf Sliderocket.com. Microsofts Web-Version von Powerpoint ist kostenlos unter Office.live.com zu nutzen, und Google hat ebenfalls ein Präsentationsprogramm im Angebot (docs.google.com). Ein ähnliches Konzept wie Prezi verfolgt Ahead.com.
Auf Timetoast.com gibt es einen Dienst, um Zeitleisten zu gestalten und via Internet zu präsentieren. Auf Slideshare.net lassen sich Präsentationen online zeigen und austauschen. Powerpoint-Präsentationen werden nach dem Hochladen automatisch browserkompatibel umgewandelt.(schü)
«Powerpoint» ist für viele Leute zu einem Synonym für Computerpräsentationen geworden. Und für manche sogar zu einer Art Schimpfwort. Den abgeneigten Geistern gelten die mit Microsoft-Mitteln erstellten Vorführungen als langweilig und uninspiriert. Viele Präsentationen sind denn auch nichts weiter als eine monotone Abfolge von Dutzenden von Folien mit einem uniformen Erscheinungsbild. Es gibt typischerweise einen blauen Hintergrund, weissen Text in Arial und kleine Aufzählungspunkte.
Der Künstler und Architekt Adam Somlai-Fischer gehört zu denen, die mit Powerpoint nicht warm werden. Er tat sich 2007 mit dem Programmierer Peter Halacsy zusammen. Sie entwickelten in Budapest einen neuen Ansatz. Statt vieler Folien nutzt man eine einzige Präsentationsfläche. Auf dieser werden Texte, Bilder und Videos platziert. Bei der Anordnung ist der Anwender frei. Die Elemente lassen sich quer über die Arbeitsfläche verteilen, gross oder klein ziehen, gruppieren oder separieren, drehen oder überlappend anordnen. Der Clou: Die Präsentation besteht in einem vorgegebenen Weg, auf dem man sich durch die Auslegeordnung bewegt. Aus der Abfolge von Folien wird eine Fahrt durch eine Ideenlandschaft.
Präsentation als kreatives Chaos
Das hat wenig mit der geordneten Arbeitsweise von Microsoft Office zu tun. Diese Technik ähnelt vielmehr dem impulsiven Brainstorming mittels Mindmaps. Wer Ideen gern Punkt für Punkt untereinanderschreibt, wird doch lieber Powerpoint die Stange halten. Prezi ist das Werkzeug für Freigeister, die sich von Microsofts Folienvorlagen ausgebremst fühlen und die gerne, in ein Notizbuch kritzelnd, Ideen ausbrüten.
Die bei Powerpoint so beliebten Aufzählungspunkte haben in einer Prezi-Präsentation nichts zu suchen. Statt mit Gliederungen und Hierarchien soll mit der Position, Grösse und der Anordnung der Elemente gearbeitet werden. Wichtige Dinge macht man gross, Nebensachen klein. Bedient wird die Software über ballonförmige Werkzeuge und über das «Zebra-Rad», mit dem man Objekte platziert, skaliert und verändert. Sind die wichtigen Informationen auf der Arbeitsfläche versammelt, wird der Ablauf der Präsentation eingerichtet.
Reise durch Info-Landschaften
Dafür richtet man Pfade zwischen den Elementen ein. Bei der Vorführung wird der sichtbare Ausschnitt entlang des Pfades bewegt. Das Publikum reist durch das Informations-Arrangement. Prezi wechselt bei dieser Expedition in flüssigen Kamerafahrten von Station zu Station. Für Detailbetrachtungen zoomt man auf Elemente, und kreisförmigen Anordnungen folgt die Kamera, indem sie sich ihrerseits dreht.
Die Präsentationen werden über eine Web-Anwendung im Browser erstellt. Vorführungen finden ebenfalls via Browser statt. Zur Präsentation ohne Internetzugang können Präsentationen heruntergeladen werden. Es gibt Prezi in drei Lizenzen: Die Public-Lizenz ist gratis, doch mit ihr werden alle Präsentationen öffentlich. Privatsphäre gibt es mit den Lizenzen Enjoy und Pro für 59 bzw. 159 US-Dollar pro Jahr.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.01.2011, 20:20 Uhr
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7 Kommentare
Dass PP-Präsentationen oft als langweilig rüberkommen ist Schuld der User und nicht des Programms. PP erlaubt die Folien frei zu gestalten (auch Grafiken aus erwähntem Mind Map können übernommen werden). Das Verwenden von Vorlagen ist fakultativ, ermöglicht jedoch eine Präsentation in wenigen Minuten zu erstellen. . Antworten
Nicht das Werkzeug Powerpoint ist schuld an der Langeweile, sondern die Einfallslosigkeit und Unfähigkeit der Durchschnittsuser, die halbe Romane als Bulletpoints niederschreiben und die dann womöglich sogar noch vorlesen. Keine Struktur, keine Präsentationsfähigkeiten, keine Geschichten, keine Spannung, keine Überraschungen. Da hilft nur noch Buzzword-Bingo, damit man nicht einschläft... Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




