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Er hat Microsoft ins Internet gebracht

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 22.10.2009

Heute kommt das neue Windows auf den Markt. Der Chef des Milliardenprojekts heisst Steven Sinofsky. Wer ist der Mann im Schatten von Bill Gates und Steve Ballmer?

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Für einmal im Vordergrund: Windows-Chef Steven Sinofsky (links) neben Microsoft-Chef Steve Ballmer.
Bild: Keystone

   

Denkt man an Microsoft, so kommt dem Laien eventuell der Name Bill Gates in den Sinn. Wer sich ein bisschen für Computer interessiert, der denkt vielleicht an Steve Ballmer, den ehemaligen Kommilitonen von Gates und jetzigen Firmenchef. Kaum jemand ausserhalb der IT-Szene kann jedoch etwas mit dem Namen Steven Sinofsky anfangen. Nicht mal die deutschsprachige Ausgabe des Online-Lexikons Wikipedia listet Treffer zu dem Namen auf.

Ein Versäumnis, zweifellos. Denn dass Windows 7 heute Donnerstag an den Start geht, ist vor allem dem 44-Jährigen zu verdanken. Vor drei Jahren wurde Sinofsky von Microsoft-Chef Steve Ballmer in die Windows-Sparte versetzt, um die Entwicklung des umsatzstarken Produkts zu leiten.

Das Vista-Debakel vergessen machen

Seine Aufgabe: Das Debakel um den Vorgänger Windows Vista vergessen machen. Dieses Betriebssystem stiess von Anfang an auf wenig Begeisterung. Vista war umständlich zu bedienen und lief nur auf Computern mit viel Power. Viele ältere Programme und Zusatzgeräte verweigerten sogar den Dienst. Nur knapp ein Drittel aller Microsoft-Nutzer stiegen darum auf Vista um. Die meisten Anwender arbeiten lieber mit Windows XP.

Um keine Marktanteile zu verlieren, musste das Redmonder Unternehmen darum das neue Windows so schnell wie möglich auf den Markt bringen – das ist dem Windows-Leiter, der auch als oberster Verantwortlicher des hauseigenen Browsers Internet Explorer amtet, denn auch gelungen. Mit ein Grund dafür ist laut Szenekennern, dass Sinofsky im Juli dieses Jahres als Präsident die Alleinverantwortung für Microsofts Windows-Division übertragen wurde. Sinofsky war vorher «nur» für die Entwicklerteams zuständig, Senior Vice President Bill Veghte für Strategien, Umsätze, Vertrieb und Marketing.

Früher war Sinofskys Aufgabengebiet die Entwicklung des E-Mail- und Terminkalenderprogramms Outlook, das so gut funktionierte, dass Ballmer mit der Ernennung von Sinofsky sowohl betriebsintern als auch in der Fachpresse viel Lob ernten konnte.

«Der Manager, der die Zügel straff hält»

«Der Manager ist in der Branche dafür bekannt, dass er die Zügel straff hält», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» 2006 über den Aufsteiger. Den Ruf als harter, aber auch effizienter Chef erwarb sich Sinofsky in Microsofts zweitem Hauptgeschäftsfeld Office. Zu Beginn seiner Microsoft-Karriere, 1989, beriet der damals 24-Jährige als technischer Assistent den Firmengründer Bill Gates.

Kurswechsel nach Schneesturm

Eine Ironie der Geschichte ist folgende Episode, die im Internet gerne kolportiert wird: Fünf Jahre nach seinem Einstieg bei Microsoft fliegt Sinofsky von Kalifornien nach New York, um an der Cornell Universität Mitarbeiter zu rekrutieren. Wegen eines Schneestrums kommt er von dort nicht mehr weg und beobachtet, wie Studenten E-Mails verschicken und im Netz ihren Stundenplan organisieren. Sinofsky mailt an seinen Chef Gates mit den Worten «Cornell is WIRED!» – der Beginn von Microsofts Engagement im Internet (auch wenn Gates noch 1995, also ein Jahr nach diesem Mail, behauptet, das Internet sei «nur ein Hype»).

Ein Naturereignis als Auslöser für den Kurswechsel des grössten Softwarekonzerns der Welt? Das müsste dem Techniker und Kontrollfreak Steven Sinofsky eigentlich zu denken geben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2009, 08:36 Uhr

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