Erotik-Apps: Apple setzt Messlatte höher
Erst vorletztes Jahr gestartet, zählt der App Store bereits 150'000 Miniprogramme für das iPhone. Applikationen sind nicht nur für Entwickler ein Riesengeschäft, sondern auch für Apple, (AAPL 509.46 1.36%) verdient das Unternehmen doch 30 Prozent an jeder Bezahl-App. Alle Apps werden laut Unternehmensangaben geprüft - auf Programmierung, aber auch auf Inhalte.
In den letzten Tagen hat Apple nun die ohnehin schon restriktiven Kriterien offenbar nochmals verschärft. Laut amerikanischen Medienberichten wurden innert kürzester Zeit 5000 Programme aus dem App Store eliminiert, rund drei Prozent aller Applikationen. Entwickler Jon Atherton berichtet dazu auf Chilifresh.com, dass Cupertino selbst Frauen in Bikinis nicht mehr zeigen will.
Laut Atherton duldet Apple neu auch keine Apps mehr mit «offensichtlich sexuellen Inhalten». Für «Informationweek» ist klar: «Was Apple derzeit in seinem App Store veranstaltet, erinnert an die schon fast vergessenen Säuberungsaktionen kommunistischer Regimes.»
«...dann prüfen wir die Sache»
Das Unternehmen selber hält sich zu diesen Berichten bedeckt. Apple-Sprecher Bethan Lloyd antwortet auf eine Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet nur: «Wenn sich Nutzer über anstössige Inhalte beschweren, prüfen wir die Sache. Bei unangebrachtem Material entfernen wir solche Apps und bitten die zuständigen Entwickler, die notwendigen Schritte einzuleiten, damit wir diese Apps wieder zulassen können.»
Keine Probleme mit der «Lustsklavin»
Diese Strategie wirft allerdings mehr Fragen auf als dass sie beantwortet. Wenn schon leichterotische Anwendungen (wie etwa Athertons App namens Wobble iBoobs – freigegeben ab 17 Jahren) bei Apple in Ungnade fallen, warum hat Apple (noch) kein Problem mit dem interaktiven Girl auf der iApp von «Bild», welche sich per Schüttelfunktion entkleiden lässt? Warum ist im App Store weiterhin das E-Book «Lustsklavin von Lucy Palmer – mach mich wild» erhältlich, während die Sachbuch-App «Boys & Toys» entfernt wird? Warum akzeptiert Cupertino die Faschisten-App iMussolini (die der Entwickler später selber wieder entfernte), blockiert aber eine Anwendung für das Nachrichtenmagazin «Stern»? Fragen über Fragen, die so manchen Entwickler in den Wahnsinn treiben – erst recht, wenn eine stichhaltige Begründung entfällt. (rek)
Erstellt: 23.02.2010, 12:20 Uhr



