Hollwood-Studios gehen auf die Barrikaden
Aktualisiert am 28.04.2009 2 Kommentare
Schutz ja oder nein? Kritiker werfen den Studios vor, jegliche Innovation zu unterdrücken, um eine eigene Kopiersoftware zu entwickeln. Szenenbild aus dem neuen Streifen «Obsessed».
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Das Gericht wurde aufgefordert, den Verkauf des Programms Realdvd von Realnetworks zu stoppen, weil es ein Werkzeug zum Anfertigen von Raubkopien sei. Die US-Filmindustrie sieht durch dieses und ähnliche Programme ihren wichtigen DVD-Markt gefährdet, der rund 20 Milliarden Dollar im Jahr bringt. Die Anwälte von Realnetworks widersprachen natürlich umgehend. Es sei völlig legal, Sicherungskopien von gekauften DVDs anzulegen, erklärten sie.
So argumentiert Hollywood
Hollywood sieht vor allem die Gefahr, dass sich Video-Freunde eine DVD leihen, sie dann auf ihren Rechner kopieren und zurückgeben. Das Geld für die Kaufversion der DVD haben sich sich dadurch gespart. Realnetworks hält dem entgegen, dass es eine Schutzfunktion vor Raubkopien in dem Programm gebe, die nur eine Kopie einer DVD zulasse. Mit dem Fall befasst ist die selbe Richterin, der 2000 die Schliessung der Musiktauschbörse Napster wegen Verstosses gegen das Urheberrecht anordnete. Der Anwalt der Studios, Bart Williams, warf Realnetworks vor, es gehe der Firma nur darum, mit den Investitionen der Studios Geld zu verdienen, ohne dafür etwas zu bezahlen.
Realnetworks wiederum verweist auf einen Vertrag mit der DVD Copy Control Association, die auch die Hersteller von DVD-Playern mit den Schlüsseln zum Abspielen der DVDs versorgt. Deshalb beseitige oder verändere Realdvd auch nicht den Kopierschutz, wie dies viele online erhältliche illegale Programme machten. Mit dem Programm werde man nur den Bedürfnissen der Verbraucher gerecht, die ihre Filme bequem speichern und ansehen wollten.
Widerstand gegen Filmstudios
Im Oktober hatte Richterin Marilyn Hall Patel den Verkauf von Realdvd schon vorübergehend untersagt, weil sie Gesetze gegen Raubkopien verletzt sah. Sie setzte dann aber den Prozess neu an, um besser zu verstehen, wie Realdvd funktioniert.
Der Prozess hat für reichlich Unmut bei Blogger, Politikern der beiden grossen Parteien, Bürgerrechtsgruppen und Organisationen wie der Electronic Frontier Foundation gesorgt. Kritiker werfen den Studios vor, jegliche Innovation zu unterdrücken, um eine eigene Kopiersoftware zu entwickeln. «Es geht hier nur um Kontrolle», sagt Timothy Lee vom Cato Institute. «Im DVD-Bereich darf keiner Neuerungen entwickeln ohne die Zustimmung der Industrie.» Die Industrie und ihr Lobbyverband MPAA weisen dies zurück und betonen, es gehe nur um den Kampf gegen Raubkopien.
Kein schnelles Urteil in Sicht
Wie immer der Prozess auch ausgeht - und ein schnelles Urteil ist erst einmal nicht in Sicht -, Experten erwarten, dass die Kontrolle der Filmindustrie über die digitalen Kopien ihrer Werke allmählich immer weiter schwindet. Ein Grund ist die Verbreitung illegaler Software im Internet. «Ich glaube nicht, dass sich viel ändert, wenn Hollywood gewinnt», sagt Fred von Lohmann, Anwalt der Electronic Frontier Foundation. «Jeder, der DVDs kopieren will, lädt sich in zehn Minuten die Software kostenlos aus dem Internet herunter.» (rek/ap)
Erstellt: 28.04.2009, 17:03 Uhr
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2 Kommentare
Ich erinnere mich, als die Film-Industrie ihren unknackbaren Kopierschutz (Verschlüsselung der DVD) präsentierte. Der war ein paar Stunden später von einem 16-jährigen geknackt. Die Industrie schränkt die normalen Benutzer ja auch massiv ein, Regionscodes zB. sind in modernen Zeiten wie diesen ein Schlag ins Gesicht aller Weltreisenden. Kein Wunder also, wenn die Arroganz dermassen zurückschlägt. Antworten
Die von der Musik und Filmindustrie eingeführten Schutzmechanismen gegen Kopieren schränken den Gebrauch der Medien enorm ein. Auch werden zum Teil Programme unwissentlich auf dem eigenen PC installiert und verhindert dann JEDES brennen! Auch dann, wenn man eine DVD nur anschauen wollte. Das ist eindeutig ein Malware-Programm und das gehört vor dem Richter! Antworten
Digital
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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