Rasend schnell – und teuer

Für Sonys neuste spiegellose Systemkamera spricht fast alles, nur nicht ihr Preis.

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Wenn mich jemand in den letzten Jahren fragte, welche Kamera mit der Möglichkeit, Objektive zu wechseln, ich ambitionierten Anfängerinnen oder Anfängern empfehle, war ich nie um eine Antwort verlegen. Erst empfahl ich die Sony NEX 6 und seit Anfang 2014 empfehle ich den Nachfolger, die A6000.

Inzwischen kostet die angenehm kleine, spiegellose Systemkamera ohne Objektiv 500 Franken und ist in Sachen Preis - Leistung und Vielseitigkeit kaum zu überbieten. Leute, denen ich die Kamera empfohlen habe, berichten mir, sie würden sie nicht mehr hergeben und hätten sie inzwischen selbst mehrfach weiterempfohlen.

Was die Kamera auszeichnet, ist nebst dem grossen und damit lichtstarken APS-C-Sensor ihre Geschwindigkeit: Der Autofokus reagiert so schnell und zuverlässig, dass selbst Besitzer einer deutlich grösseren Spiegelreflexkamera staunen. Noch grösser ist das Erstaunen, wenn man die schönen Bilder dieser kleinen Kamera sieht.

Nachfolger mit einem Nachteil

Sony hat sich zwei Jahre Zeit gelassen, einen Nachfolger vorzustellen. Je nach inoffizieller Quelle, weil die A6000 keine Konkurrenz hatte oder weil es Probleme mit 4K-Videos gab. Auf jeden Fall ist es untypisch für Sony, dass es das Unternehmen für einmal nicht eilig hatte, Jahr für Jahr oder noch schneller einen Nachfolger zu präsentieren.

Streng genommen, ist die neue A6300 nicht einmal ein Nachfolger, sondern eine höherklassige Variante der A6000. Denn die soll weiterhin verkauft werden.

Für die A6300 ohne Objektiv verlangt Sony ab März 1400 Franken. Die A6000 kostete bei ihrer Markteinführung 800 Franken. Den höheren Preis rechtfertigt das Unternehmen mit einem noch lichtempfindlicheren 24-Megapixel-Sensor, dem angeblich schnellsten Autofokus der Welt, der Möglichkeit, Videos in 4K zu filmen, einem besseren Sucher und einer stabileren Bauweise.

Willkommene Verbesserungen

Alles willkommene Verbesserungen. Ein paar erste Versuche mit einem Prototyp waren tatsächlich vielversprechend. Der Autofokus ist rasend schnell, der Sucher toll, und das neue Gehäuse wirkt sehr stabil.

Meine Empfehlung für ambitionierte Anfänger wird aber weiterhin die altgediente A6000 bleiben. Denn mit ihrem hohen Preis bewegt sich die A6300 in einem ganz anderen Preissegment und hat es dort nur schon im Bereich der spiegellosen Systemkameras mit sehr guten Angeboten von Fuji, Olympus, Panasonic und Sony selbst zu tun.

Für etwas über 1000 Franken bekommt man nämlich heute schon eine A7 von Sony. Die günstigste Vollformatkamera ist zwar nicht annähernd so schnell, dafür hat sie einen noch grösseren Bildsensor, wie ihn sich sonst nur Profis leisten können.

Fürs Erste eine Nischenkamera

Dank ihrem Tempo und ihrer 4K-Funktion wird die A6300 zweifelsohne ihr Publikum finden. Aber zu dem Preis wird sie fürs Erste eine Nischenkamera bleiben. Sollte der Preis in einem Jahr jedoch deutlich fallen, hat sie gute Chancen, meine nächste Empfehlung zu werden. Vorausgesetzt, Sony präsentiert nicht doch noch eine kompakte Vollformatkamera für deutlich unter 1000 Franken. Das würde wirklich alles über den Haufen werfen.

Noch ein Tipp zum Schluss, egal ob A6000 oder A6300, überlegen Sie sich gut, ob Sie das preisgünstige Standardobjektiv wirklich brauchen. Da es schnell an seine Grenzen stösst, gilt die bewährte Faustregel: Besser bei der Kamera sparen als beim Objektiv.

Fazit: Die A6300 verspricht eine gute Kamera zu werden. Das Beste an ihr ist aber, dass sie den Preis der jetzt schon günstigen und sehr empfehlenswerten A6000 nur noch weiter drücken dürfte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 17.02.2016, 08:11 Uhr)

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