Runter mit der Windows-Flagge

Das neue Betriebssystem von Microsoft bietet radikale Neuerungen – mit dem eben vorgestellten Windows-8-Logo jedoch greift Microsoft auf das Design der 80er-Jahre zurück.

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16 Monate sind vergangen, seit Steve Ballmer im Zusammenhang mit der Windows-Neuentwicklung von der «riskantesten Wette» sprach (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete), die der Softwareentwickler eingegangen sei. Wovor genau sich der Microsoft-Chef fürchtete, wurde damals nicht präzisiert.

Mittlerweile weiss man, was dem obersten Microsoft-Manager Bauchschmerzen bereitet hatte: Windows 8 muss sowohl Tablet- als auch Desktopnutzer zufriedenstellen.

Warum soll man auf Windows 8 wechseln?

Bei den boomenden Tablets hat die Konkurrenz ihr Territorium indess bereits abgesteckt: Hier dominieren Apple (iOS) und Google (Android). Ob es Redmond mit dem Windows-7-Nachfolger gelingt, sowohl genügend Kunden zu finden, die von älteren Microsoft-OS-Versionen auf Windows 8 wechseln, als auch der Konkurrenz Marktanteile abzujagen, ist jedoch fraglich.

Viele Analysten sind nämlich skeptisch, ob der Sprung für Windows-Traditionalisten nicht zu gross ist. Das neue Betriebssystem werde «für Nutzer herkömmlicher PC weitgehend bedeutungslos sein», prognostizierte das Marktforschungsunternehmen IDC Ende 2011, weshalb man «praktisch keine Wechsel von Windows 7 zu 8» haben werde.

Testversion bereits am 29. Februar

Hauptgrund für diese kritische Einschätzung ist die für Windows 8 vorgesehene Metro-Oberfläche (siehe Bildstrecke in der linken Spalte). Nutzer von Desktop-PCs, die mit Maus und Tastatur arbeiten, könnten gegen die Touch-Screen-Bedienung eine Abneigung entwickeln (siehe den ausführlichen Artikel dazu hier).

Klar ist: Windows 8 wird zu Jahresende auf den Markt kommen, als Beta-, also als Testversion, steht das OS bereits nächste Woche zur Verfügung. Wenige Tage vor diesem wichtigen Datum hat Microsoft (MSFT 44.87 0.09%) das Logo des Windows-7-Nachfolgers gezeigt – und als ob Ballmer nochmals explizit auf das Softwarewagnis seines Unternehmens hinweisen wollte, überrascht er mit einem radikalen Designwandel; weg von der Farbenvielfalt – Windows 8 kommt in zartem Hellblau daher.

Fenster statt Fahne

Verschwunden ist auch das an eine Fahne erinnernde Design des Icons: Vier Kacheln symbolisieren ein Fenster, das Windows-8-Logo kommt dem ersten Microsoft-OS aus dem Jahr 1985 damit sehr nahe. So gesehen kann man das neue Logo auch als das pure Gegenteil von Radikalität interpretieren: als Bekenntnis hin zu den Wurzeln – wenigstens designtechnisch.

Im offiziellen Windows-Blog heisst es dazu, dass man sich einen Tag beriet, um sich schliesslich auf das Fensterdesign zu einigen: Paula Scher vom von Microsoft beauftragten Designerteam Pentagram habe kritisiert, dass sich das Produkt Windows nenne, das Logo aber «eine Fahne zeigt».

Resultat ist ein Purismus, der laut Windows-Manager Sam Moreau eine einmalige Nutzerfreundlichkeit signalisieren soll. Die Beschränkung auf eine Farbe statt eine Kombination aus Rot, Blau, Gelb und Grün sowie ein Fenster (Window), das auf den ersten Blick auch als solches zu erkennen ist: Der Bruch mit der seit Windows 3.1 gehaltenen «Flaggentradition» ist ein Versuch des weltgrössten Softwarekonzern, Komplexität mit Einfachheit zu verbinden.

Ob dies Microsoft gelingt, hängt indes natürlich weiterhin von technischen Faktoren wie Stabilität, Schnelligkeit und Sicherheit des Systems ab. Diesbezüglich hat Microsoft mit Windows 7 die Messlatte bei Desktop-PC-Anwendern hoch gesetzt.


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(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 20.02.2012, 15:05 Uhr)

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