Warum Apple sein Betriebssystem verschenkt

Mavericks ist gratis: Das war der grosse Paukenschlag bei der gestrigen Apple-Show. Ist Apple bloss ein Nachahmungstäter – oder gibt es gute Gründe dafür?

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Überraschend bei Apples gestrigem «Special Event» in San Francisco war die Ankündigung, dass die neue Betriebssystemversion per sofort kostenlos zu haben ist. Mavericks kann über den Mac App Store denn auch schon bezogen werden, auch wenn momentan beim Herunterladen der rund 5,2 GB grossen Installationsdatei noch Geduld angesagt ist.

Die überschaubare Zahl der Neuerungen (siehe Bildstrecke) lässt böse Zungen behaupten, für Mac OS X 10.9 alias Mavericks hätten nur die eingefleischten Fanboys Geld ausgegeben. Andere behaupten, Apple wandle einfach in den Fussstapfen von Microsoft. Vor Wochenfrist hat dieser Softwarehersteller sein Betriebssystem-Update ebenfalls kostenlos unter die Leute gebracht. Allerdings ist Windows 8.1 nur für die Besitzer von Windows 8 kostenlos, während Mavericks von jedermann geladen werden darf, der einen kompatiblen Desktop-Mac oder Laptop sein eigen nennt.

Nüchtern betrachtet ist der Entscheid folgerichtig. Apple treibt den Preiszerfall bei der Software seit längerem voran. Für Tiger (10.4) waren 2005 noch 189 Franken zu berappen gewesen. Snow Leopard (10.6) war 2009 für 39 Franken zu haben. Mountain Lion kostete letztes Jahr noch 20 Franken. Die jährlichen Aktualisierungen, die von der breiten Masse der Nutzer vorgenommen werden, bringen Apple offensichtlich mehr als die schwindenden Betriebssystemerlöse. Apple ist in der Lage, die Entwicklung rasant voranzutreiben und kann es sich erlauben, alte Zöpfe rücksichtslos abzuschneiden. Das ist ein riesiger Vorteil – gerade im Vergleich zu Windows. Da in dieser Welt noch immer fast die Hälfte der Anwender mit XP – einem mehr als zwölf Jahre alten System – arbeitet, muss Microsoft einen riesigen Aufwand für die Rückwärtskompatibilität betreiben.

Und wer ein Betriebssystem geschenkt erhält, ist eher geneigt, Geld in neue (Apple-)Hardware zu investieren.

(Erstellt: 23.10.2013, 13:38 Uhr)

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