Warum der iPad viel besser sein könnte
Von Jesus Diaz, Elisabeth Karsten (Gizmodo). Aktualisiert am 08.04.2010 34 Kommentare
Apples (AAPL 560 -0.94%) iPad verkörpert die berühmten «Zehn Prinzipien guten Designs» des deutschen Industriedesigners Dieter Rams. Was bedeuten die «zehn Gebote», die jede Firma befolgen sollte, bevor sie irgendein Produkt herstellt, für den vieldiskutierten iPad?
1. Gutes Design ist innovativ: Das Konzept eines Touchscreen-Geräts, das ohne Maus auskommt, ist nicht neu. Aber der iPad setzt Innovation bei der Erneuerung der Touchscreen-Technologie ein. Das Display ist grösser als das der meisten früheren Geräte und dennoch ist der iPad erschwinglich genug für den Massenkonsum. Dieser Fortschritt in Kombination mit den Kernfunktionen des Geräts und einer neuen Generation von Anwendungen ermöglicht es dem iPad, den Laptop teilweise zu ersetzen.
2. Gutes Design macht ein Produkt nützlich: Seine Funktion bestimmt seine Form; ein einfacher Bildschirm um die diversen Instrumente anzuzeigen. Tatsächlich erlaubt sein Design dem Produkt überhaupt zu sein.
3. Gutes Design ist ästhetisch: Der iPad ist schön. Das schwarze Glas und Aluminium, seine Proportionen, der leicht geschwungene Rücken mit integrierter Kante – er vermittelt das Gefühl, leichter und dünner zu sein, als er eigentlich ist.
4. Gutes Design hilft uns, ein Produkt zu verstehen: Der iPad erklärt sich von selbst. In dem Moment, in dem man es einschaltet, erscheint das Interface und begibt sich in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Man wird eingeladen, mit dem Finger darüberzugleiten, zu klicken. Es ist nicht nötig, eine neue Sprache zu lernen, um mit diesem Computer umzugehen. Die Home-Taste bedarf nur eines Drucks um zu vermitteln, was sie tut. Dasselbe gilt für den Ein-/Aus-Schalter, den Lautstärkeregler und die Bildschirmorientierungsfixierung. Jedes Element hat eine unmissverständliche Funktion.
5. Gutes Design ist unaufdringlich: Kein anderes Apple-Produkt erfüllt dieses Ram-Gebot so vollkommen wie das iPad. Rams sagte, dass gut entworfene Produkte «weder dekorative Objekte noch Kunstwerke sind. Ihr Erscheinen sollte daher sowohl neutral als auch zurückhaltend sein und damit Möglichkeiten zum Selbstausdruck bieten». Das ist genau das, was dieser mobile Computer tut.
6. Gutes Design ist ehrlich: Es gibt keine aufgesetzt wirkenden Zusätze. Alles dient der Funktion und keinerlei Dekoration verfälscht das Erscheinungsbild des Produkts. Es sieht aus wie das, was es ist.
7. Gutes Design hält lange: Obwohl der iPad aussieht wie ein Gerät aus der Zukunft, ist sein Design zeitlos. Man kann ihn sich auf einem Holzschreibtisch in einem Barockpalast vorstellen und es würde gut harmonieren. Captain Picard könnte es mit auf die Brücke der «Enterprise» bringen und es würde in seinen Händen völlig natürlich wirken.
8. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail: Jede Einzelheit am iPad wurde im Dienst seiner Funktion entworfen. Ein Beispiel ist die Kante des iPads, die es ermöglicht, das Gerät sicher festzuhalten, ohne dass man dabei versehentlich den Touchscreen berührt.
9. Gutes Design ist umweltbewusst: Im Gegensatz zum ursprünglichen iPhone wird der iPad laut Apple aus wiederverwertbaren Materialien hergestellt: Arsenfreies Bildschirmglas, ohne Bromid-Flammschutz, quecksilberfreies LCD-Display und kein PVC.
10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich. In Rams Worten: «Gutes Design ist einfach und klar.» Wir können es uns nicht vorstellen, wie man das iPad einfacher oder klarer gestalten könnte.
Design-Kompromisse
Doch obwohl Apples neuer Computer den zehn Prinzipien guten Designs folgt, ist er nicht perfekt. Es gibt Raum für Verbesserungen: Technische Einschränkungen und Entscheidungen bei der Produktkonzeption haben zu heute unvermeidlichen Kompromissen geführt, die in der künftigen Generation dieser Produkte überwunden werden sollten:
Das Gewicht
Der Ipad ist schwerer, als ihn einige Leute gerne hätten. Andere finden ihn nicht schwer. Aber Tatsache ist, dass der iPad 680 Gramm wiegt. Das ist zwar nur gut das halbe Gewicht eines Netbooks und eigentlich überhaupt nicht viel, aber eben doch genug, um ermüdend zu wirken, wenn man den iPad länger mit einer Hand halten muss. (Andererseits: Wer hält schon längere Zeit ein Netbook mit einer Hand im Stehen?)
Bedauerlicherweise konnten die ID- und Technikteams nichts dagegen machen. Das Gewicht des iPads ist ein notwendiger Kompromiss, aufgrund des stark verdichteten Inneren und dem aktuellen Stand der Technologie. Wer einen mit Glas bedeckten, rückwärtig beleuchteten LED-Bildschirm will, einen integrierten Prozessor und den Rest der iPad-Fähigkeiten, der braucht einen starken Akku, damit die Gesamtkonstruktion länger als zehn Stunden ohne Aufzuladen läuft. Und so ein Akku wiegt nun mal einiges. Dazu gibt es derzeit keine Alternative.
Die Stehweise
Die Demo-Videos von Apple zeigen Leute auf Sofas, die den iPad nutzen, in dem sie ihn mit beiden Händen halten, während ihre Beine auf dem Sofa liegen oder in dem sie den iPad auf ihre gekreuzten Beine legen. Sie suggerieren deutlich, dass man den iPad wie ein Buch behandeln sollte.
Bei Filmen ist eine Halterung notwendig. Manche Menschen wollen den iPad überhaupt nicht festhalten müssen. Sie wollen 100 Prozent faul sein. Ausserdem gibt es Leute, die Fernsehen oder Filme sehen wollen und nebenbei etwas anderes tun wollen.
Apple vermutete, dass Filme gucken nur eine untergeordnete Funktion des iPads wäre, eine unter vielen. Dieser Denkweise folgend sind die Anwendungen wesentlich wichtiger und erfordern den Einsatz der Hände. Deswegen hat Apple dieses Gerät wie ein Buch gestaltet.
Materialien
Eine andere unvermeidliche Begleiterscheinung der Funktionsweise sind die Fingerabdrücke. Wenn man einen Touchscreen will, dann bekommt man auch Fingerabdrücke. Zumindest bis irgendjemand ein Glas erfindet, das Fette abweist. Der iPad ist diesbezüglich so gut wie es geht, mit einem Glas, das leicht zu reinigen ist. Aber es wird fettig – egal, was man versucht. Glücklicherweise fallen die Abdrücke nicht auf, wenn man direkt auf den Bildschirm sieht, aber verändert man den Winkel und fängt einige Reflektionen ein, dann sind sie klar zu erkennen.
4:3-Format
Warum hat sich Apple für das 4:3 Format entschieden? Einer der Gründe und vielleicht der einfachste, ist der Einkaufspreis der Panels. Aber es gibt auch einen deutlich funktionalen Faktor, verbunden mit der Ständerfrage und wie Apple sich den Einsatzes des iPad im Einzellfall vorstellte.
Der iPad hat die Proportionen einer Papierseite. Er hat ein Format, das sich für Menschen vertraut und natürlich anfühlt, besonders im Porträtmodus. Breitwand im Porträtmodus fühlt sich verkehrt an.
Auf 4:3 passen auch nichtfilmische Inhalte sehr gut. Kein Platz wird verschwendet, wohingegen man beim Filme gucken mit schwarzen Balken oder verzerrten Bildern klar kommen muss. Apple hat Videos im Breitbild den anderen iPad-Anwendungen geopfert.
Die Zukunft der Zukunft
Während sich die Technologie weiter entwickelt und neue Materialien, kleinere Komponenten, und stärkere Akkus erscheinen, werden diese Probleme verschwinden. Die nächste Generation wird leichter sein, während sich das Gefühl von Stabilität erhält. Sie wird mehr Power haben und längere Akkulaufzeiten. Sie wird neue Eigenschaften haben, wie eine Frontkamera, während sie noch dünner werden. Irgendwann wird der iPad flexibel und unzerstörbar sein und viel preiswerter als heute.
Aber obwohl er nicht perfekt ist, ist der iPad der Höhepunkt aller bisherigen Apple-Produkte. Das Funktionsziel war es, ein Gerät zu machen, das so unsichtbar ist, wie möglich. Ein simpler, eleganter Rahmen für den Inhalt, auf den es ja schliesslich ankommt: die Anwendungen. Anwendungen, die problemlos laufen sollen, egal, was man tut, mit genug Bildschirmplatz um die bestmögliche Funktion zu ermöglichen. Das ist der Grund, warum der iPad – trotz Gewicht und Fingerabdrücken – ein perfektes Design ist.
«Insgesamt fühlt sich das iPad wie ein Stückchen Zukunft an.» Das sagte der Journalist Matt Buchanan, als er gefragt wurde, wie sich für ihn der iPad anfühle. Es hört sich an, wie eine Übertreibung. Aber es ist keine. Kann die Zukunft noch besser werden? Natürlich wird sie das – das ist nur logisch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.04.2010, 11:00 Uhr
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34 Kommentare
Ein iPad ist ideal zum Couchsurfen oder um im Bett vor dem Einschlafen noch einen Podcast zu anzusehen. Den grössten Nachteil des iPad sehe ich darin, dass man trotzdem noch zusätzlich einen Computer braucht (zum Sichern, Drucken, etc.). Ein Standalone-Gerät wäre ideal für all die Leute gewesen, die auch gern Zugang zum Internet wollen, sich dafür aber nicht mit viel Technik herumschlagen möchten. Antworten
Überall liest man nur noch vom iPad. Warum eigentlich? Und wieso springen alle Medien voll auf diesen unkritischen Hype? Anstatt all der Lobeshymnen, möchte ich viel lieber lesen, wozu braucht man so ein Gerät, was sind die Alternativen und was kriegt man sonst für US$ 500. Und bin ich nicht besser bedient mit einem normalen Laptop? Mal ehrlich... Antworten
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