Warum sich Apple in den Apfel verbissen hat

Wenn es um das Logo geht, versteht der Computerriese keinen Spass: Er geht rechtlich gegen das neue Woolworths-Logo vor – ein Kampf um Emotionen und viel Geld.

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Das weltweit bekannte Logo des angebissenen Apfels wurde vor 33 Jahren von Regis McKenna entworfen. Zusätzlich zu der ironischen Konnotation – natürlicher Apfel und künstliche Computer – bot das Bild ein Wortspiel: Beissen heisst im Englischen to bite, was wiederum klingt wie Byte. Der Weg des einstigen Garagenunternehmens ist bekannt: Mit einem geschätzten Markenwert von über 15 Milliarden Dollar ist Apple heute wertvoller als Nike, Sony oder Ikea. Der Markt bewertet das Unternehmen selber mit 164 Milliarden Dollar – rund zehn Milliarden Dollar mehr als Google.

Je grösser der Erfolg aber, desto verbissener wirkt der Auftritt gegen aussen. So scheiterte Apple 2006 mit dem Versuch, per Gericht die Herausgabe von Quellen einiger Blogger zu erzwingen, die vorab über noch nicht angekündigte Apple-Produkte berichtet hatten. Grundsätzlich hätte es das Unternehmen am liebsten, wenn nirgendwo auch nur ein einziges böses Wort verbreitet würde, schon gar nicht über seine Produkte. So kommt es immer mal wieder vor, dass Apple unverhältnismässig auf kleine Umstände reagiert.

Rechtsstreit Down Under

Aktuelles Beispiel: Apple-Anwälte kämpfen gegen Woolworths. Der Computer-Hersteller verlangt von der grössten Supermarkt-Kette in Australien eine Änderung ihres neuen Logos. Dieses wurde vor gut einem Jahr eingeführt. Apple kritisiert, dass das neue Firmensymbol dem Apple-Logo zu ähnlich sehe. Das neue Woolworths-Logo stellt ein W in Form eines Apfels dar. Die Auseinandersetzung soll nun vor der Australia IP, einer australischen Behörde, die sich um Markenrechtsfragen kümmert, ausgetragen werden.

Ist das wirklich nötig? Frederic Poppenhäger ist Dozent und Strategischer Partner bei Advico Young & Rubicam in Zürich. Er meint: «Aus Konsumentensicht erscheint das Vorgehen natürlich etwas kleinlich. Aus markenstrategischer Sicht hingegen habe ich absolut Verständnis für die Reaktionen von Apple.» Wenn – wie in diesem Fall – Woolworths elektronische Gebrauchsgüter, eventuell sogar Mobiltelefone, mit dem neuen Logo brande, ist für Poppenhäger nämlich der Umstand einer wettbewerbsrechtlichen Verletzung gegeben: «Denn dann besteht die Gefahr, dass Woolworths sich mit fremden Federn schmückt.»

«Einzigartig und unverwechselbar»

Apple sei eine der wertvollsten Marken der Welt: «Jüngst hat die Agentur Interbrand in ihrem Ranking Best Global Brands 2009 die Marke auf Platz 20 der wertvollsten Marken der Welt eingestuft.» Jede Marke müsse, um einen solchen Wert zu erreichen, als möglichst einzigartig und unverwechselbar wahrgenommen werden. «Die Menschen verbinden mit Apple nun einmal emotionale Werte, die sie mit keiner anderen Marke verbinden. Und diese Wert-Assoziationen werden schon dann ausgelöst, wenn man Menschen nur das Apple Logo zeigt.»

Markenlogos sind laut Poppenhäger unmittelbar mit der Identität der Marke verbunden. «Ein unverwechselbares Markenlogo ist wie die Kirsche auf dem Kuchen.» Durch den neuen Auftritt von Woolworths sehe sich Apple in seiner Identität bedroht und handle dementsprechend energisch. Und natürlich gehe es auch um Geld: «Jede Verwässerung oder Verwechslung der Identität einer Marke verringert theoretisch den Markenwert.»

Legendärer Rechtsstreit mit Apple Records

Pikant: In frühen Jahren war Apple selber nicht gerade zimperlich beim Abkupfern von Ideen. So waren die (jetzt nicht mehr gebrauchten) farbigen Streifen im Logo des angebissenen Apfels grafisch eine Anspielung auf das IBM-Logo von Paul Rand. 1999 verlor Apple einen Prozess gegen das Plattenunternehmen Apple Records der Beatles und musste 26 Millionen US-Dollar Strafe zahlen wegen Bruch eines Vertrags von 1981, in dem festgelegt wurde, dass von Apple Computer keine Musikprodukte auf den Markt kommen dürfen, die in Zusammenhang mit dem kreativen Aspekt von Musik stehen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 07.10.2009, 09:01 Uhr

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12 KOMMENTARE

Michael Trümmer

27.10.2009, 16:18 Uhr

patrik leimgruber: Eine PC-Kiste mit gewöhnlicher, austauschbarer Hardware funktioniert ebenfalls noch 5 Jahre später. Auch bei MacOS muss man immer wieder Updates herunterladen und installieren, da werden öfters ziemlich böse Sicherheitslöcher gestopft - aber bloss nicht weitersagen, sowas gehört ja zur Apple-Philosophie... Und ja, Macs haben z.T. einen Wiederverkaufswert von CHF 0.


Gian Meyer

08.10.2009, 09:15 Uhr

Ich hoffe nun nur, dass Thurgau Tourismus keine Probleme mit Apple bekommt. Der zuständige Grafiker scheint ein Applebenutzer zu sein.


Mario Righetto

08.10.2009, 08:48 Uhr

Als Grafic-Designer, der viele Corperate-Designs entwickelt bin ich der Meinung, dass Apple dieses Logo nicht "abschiessen" kann. Gründe: Grafisch viel zu weit vom Apple-Logo entfernt, nicht gleiche Branche, W statt A. Zudem: Ein Apfel gehört allen, ist Allgemeingut, hat "Gott" erfunden und nicht Apple. Als Kreativer könnte man sonst gar nichts mehr aus der Natur verwenden.


patrik leimgruber

07.10.2009, 17:56 Uhr

@Michael Trümmer: Vielleicht ist das sogar so wie sie sagen.. Trotzdem funktioniert das System an sich auch 5 Jahre später bedenkenlos, und man muss nicht alle 2 Tage 10 neue updates und Virenschutzprogramme herunter laden und installieren das alles wieder up to date ist.. dadurch wartet man schon nach kurzer Zeit locker 10min bis die Kisten endlich gestartet sind.. zudem: Wieder Verkaufswert = 0


Marc Sutter

07.10.2009, 17:18 Uhr

Sven Meier, bei Apple Käufern von Lemmingen zu sprechen (Marktanteil weltweit 2-3%?) entbehrt jeglicher Logik. Und warum diskutiert man bei Elektronikgeräten eigentlich immer über den Preis? Es wird ja niemand dazu gezwungen einen Mac zu kaufen. Im Mediamarkt hats doch genug Auswahl an mit Klebern zugepflasterten Plastik-Bombern. ;)


Ernst Boller

07.10.2009, 13:43 Uhr

Es braucht schon reichlich Phantasie um im Woolworth-Logo den Apfel von Apple auch nur im Ansatz zu erkennen. Die Leute von Apple sollen ihre Phantasie besser weiterhin dem Entwurf von Produkten widmen. Dort haben wir wenigstens etwas davon.


Michael Trümmer

07.10.2009, 12:48 Uhr

Sascha & patrik: Wie wär's, wenn wir Desktop-Computer vergleichen? Beim iMac lässt sich die Hardware kaum bis gar nicht erweitern oder austauschen. Sind die überteuerten Innereien einmal völlig veraltet (was bei Apple sowieso schon immer der Fall ist im Gegensatz zu anderer PC-Hardware), muss das ganze Gerät entsorgt werden. Ausserdem lässt sich MacOS nicht auf beliebiger Hardware installieren.


Sven Meier

07.10.2009, 12:44 Uhr

Erstens ist Apple etwas für Lemminge, Leute die von sich denken innovativ und originell zu sein, aber in Wahrheit nur der Meute hinterherrennen. Langweilig! Dafür sind Acer viel besser als ihr Ruf. Habe lange Acer aber auch andere Computer gekauft. HP, IBM, Dell, Asus hatten alle Probleme, nur mit Acer habe ich immer beste Ware und nie Probleme gehabt. Glaubt nicht dem Image...


Marcel Zürcher

07.10.2009, 12:42 Uhr

Und warum diskutiert Ihr hier über überteuert oder nicht? Darum gehts ja nicht oder? Es geht doch darum dass Apple für sich Rechte beansprucht welche es selbst nicht einhält. Apple ist genau so Kritikresistent wie seine Nutzer. Ein gewisses Lemmingenverhalten ist nicht abzusprechen. Was aber nichts mit der Qualität der Produkte zu tun hat, die stimmt schon.


patrik leimgruber

07.10.2009, 11:06 Uhr

@andreas weiss, überteuert? Innovationen haben Ihren Preis.. so einfach ist das. Ich denke es gibt viele andere Produkte, (nicht nur in computer Branche), die im Vergleich weit teurer sind zu Ihrem Einstands-Preis.. Zu dem haben die Apple Dealer wohl weniger Marge als andere Computer Verkäufer. Und zusätzlich ist halt ein sauberes Aluminium Gehäuse Teurer zu fertigen als eine Plastik Schachtel..


Sascha Müller

07.10.2009, 11:01 Uhr

Wieso überteuert? Nicht jeder gibt sich mit einem Acer Notebook zufrieden das bereits beim anschauen auseinanderfällt, geschweige denn wenn man versucht zu tippen. Und wenn man Qualitätswahre von HP oder Lenovo kauft, ist die differenz marginal.


Andreas Weiss

07.10.2009, 09:12 Uhr

Apple kann sich ja solche Verfahren locker leisten mit den Gewinnen aus den völlig überteuerten Produkten.



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