Was vom PC übrig bleibt

Apple verkauft mehr iPads als HP Desktop-Computer, und die Android-Tablets machen stetig Boden gut. Wie müssen Unternehmen, die traditionell im PC-Geschäft verankert sind, auf den Tabletboom reagieren?

Wächst im Tabletmarkt schneller als Marktführer Apple: Google-Betriebssystem Android (im Bild das Toshiba Excite EX10).

Wächst im Tabletmarkt schneller als Marktführer Apple: Google-Betriebssystem Android (im Bild das Toshiba Excite EX10). Bild: AFP

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15,4 Millionen iPads hat Apple (AAPL 567.13 8.08%) innerhalb von nur drei Monaten verkauft. Im selben Zeitraum gingen 14,7 Millionen PC von Hewlett-Packard (HPQ 31.89 0.47%) über den Ladentisch. Zur Erinnerung: Das Apple-Tablet kam am 3. April 2010 auf den Markt. Apple brauchte also nicht einmal zwei Jahre, um in der gleichen Periode mehr mobile Touchscreen-Computer zu verkaufen als der grosse Rivale traditionelle Hardware.

Umso erstaunlicher ist, dass Apples Tablet-Marktanteil rückläufig ist: Er betrug im vierten Quartal 2011 knapp 58 Prozent (Vergleichsperiode 2010: 68 Prozent). Rasant angestiegen sind die Verkaufszahlen der Android-Tablets – 10,5 Millionen verkaufte Exemplare bedeuten einen Marktanteil von 39,1 Prozent. Hinzu kommen noch etwa 400'000 Tablet-Computer mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows.

«Kannibalisierte Netbooks»

Dennoch nehmen Analysten den Begriff Post-PC-Ära nur ungern in den Mund: «Das Nutzerverhalten wird sich durch das Vorhandensein neuartiger Geräte wie Tablets verändern. Ich gehe aber nach wie vor davon aus, dass für Arbeiten, welche viel Rechenleistung benötigen, oder für Büroarbeiten und sonstige schreiblastige Tätigkeiten ein PC momentan das beste Gerät ist», sagt etwa Technologie-Analyst Gabriel Bartholdi von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Ein vollständiges Substitut für einen PC sei das Tablet nicht, dennoch würden wohl in Zukunft weniger PC oder auch Laptops verkauft werden: «Tablets eignen sich sehr gut, um im Internet zu surfen oder wie auf dem Smartphone zu gamen. In erster Linie wurden aber die Netbooks kannibalisiert, bei welchen die Umsätze regelrecht eingebrochen sind.»

«Tablets müssen kein PC-Ersatz sein, sondern sind oft Zusatzgeräte», bestätigt CS-Analyst Ulrich Kaiser, «vor allem für Private, welche ausschliesslich oder hauptsächlich an einem Internetzugang interessiert sind und Mails schreiben wollen». Der Konsument müsse nicht mehr einen Desktop-PC mit möglicherweise umfangreichen Softwareprogrammen kaufen, wenn er nur einen Internetzugang möchte, beispielsweise für E-Mail-Verkehr und Musik- oder Videodownloads.

Wie müssen Unternehmen reagieren?

Ranjit Atwal, Analyst des Marktforschungsunternehmens Gartner, beurteilt die Entwicklung ähnlich: «Es handelt sich nicht um eine Post-PC-Ära. Wir befinden uns im Zeitalter der Gerätevielfalt», so der Experte gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Eine Folge des Tabletbooms sei aber, dass Nutzer ihre Personal Computer weniger häufig durch neuere Modelle ersetzen würden. Hinzu komme, dass für viele Nutzer das Smartphone von unschätzbarem Wert sei und viele PC-Funktionen nicht mehr nur von Desktops erledigt werden könnten.

Wie müssen Unternehmen, die traditionell stark im PC-Geschäft verankert sind, reagieren? «Von den sogenannten Traditionsunternehmen sind eigentlich nur noch Dell und Hewlett-Packard übrig», sagt Ulrich Kaiser. Diese Konzerne würden stark von der Unternehmensnachfrage abhängen und deshalb auch Servicepakete anbieten, um sich gegenüber der asiatischen Konkurrenz abzugrenzen. Ihre Stärke sei zudem, dass sie ihren Kunden noch andere Produkte (das sogenannte Bundling) anbieten. «Darum hat sich Hewlett-Packard schliesslich wohl entschieden, das PC-Geschäft weiterzuführen.»

Android – und Windows?

Grösster Apple-Rivale bleibt laut ZKB-Mann Bartholdi Samsung. (SMSD 375.8 1.29%) Das südkoreanische Unternehmen sei sehr früh mit dem Galaxy-Tablet auf dem Markt gekommen und geniesse aufgrund des Erfolgs im Smartphone-Bereich das meiste Vertrauen der Kunden. Im Auge behalten müsse man zudem chinesische Hersteller wie Huawei oder ZTE, welche mit sehr preisgünstigen Modellen in den Markt drängen könnten. Entscheidend sei aber nicht die Hardware, sondern die Software – «und Android dürfte dabei die beste Ausgangslage haben».

CS-Mann Ulrich Kaiser aber warnt, Microsoft (MSFT 39.395 -0.74%) jetzt schon abzuschreiben. «Tablets können in Firmen – vor allem in solchen mit Aussendienstmitarbeitern – PC ersetzen». Diese Entwicklung hänge im Wesentlichen vom Erfolg des 2012 erscheinenden Microsoft-Betriebssystems Windows 8 ab, denn «Unternehmen sind mehrheitlich stark auf Microsoft ausgerichtet und eine Kompatibilität würde die Einführung begünstigen».

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.01.2012, 11:48 Uhr)

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Samsung und Apple streiten vor zahlreichen Gerichten in mehreren Ländern um Patente für Design und Technologie. Für dieses Jahr hat Samsung die Entwicklung neuer Produkte und die Erschließung neuer Märkte angekündigt, um weiter zu wachsen. Der südkoreanische Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Speicherchips und Flachbildschirmen. Für das Unternehmen arbeiten insgesamt rund 190'500 Menschen. (DAPD)

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