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Web-Anwendungen bieten immer mehr

Von Roger Zedi und Matthias Schüssler. Aktualisiert am 28.09.2009 2 Kommentare

Programme, die direkt im Webbrowser laufen, sind im Trend. Doch nicht in allen Bereichen können sie klassischer PC-Software das Wasser reichen.

Die Dienste und Anwendungen in der Wolke: Aviary, Zoho, Dropbox, Collanos und Plaxo (von oben links im Uhrzeigersinn).

Die Dienste und Anwendungen in der Wolke: Aviary, Zoho, Dropbox, Collanos und Plaxo (von oben links im Uhrzeigersinn).
Bild: Screen TA/PD

Wenn Wolken aufziehen, ist das selten ein gutes Zeichen. Doch die Welt der Informatik folgt bekanntlich eigenen Regeln. Hier steht die Wolke nicht für Sturm und Unheil, sondern sie symbolisiert seit Jahrzehnten - wohl nicht zuletzt aus Verlegenheit darüber, dass niemand je eine bessere Metapher gefunden hat - das Internet. «In the cloud» bedeutet also schlicht so viel wie «im Internet».

Viel Beachtung finden in den letzten paar Jahren sogenannte Cloud-Applications oder Cloud-Services (frei übersetzt: Wolken-Programme oder -Dienste). Diese werden nicht auf dem eigenen PC installiert, sondern direkt ab einem Webserver in den heimischen Webbrowser geladen und ermöglichen diesem, die Rolle einer Office-Anwendung, einer Bildbearbeitungssoftware oder eines Adressbuches anzunehmen. Die wahrscheinlich gängigste Anwendung ist Webmail, das ohne lokales E-Mail-Programm auskommt.

Der Browser als Alleskönner

Prominenteste Kraft hinter dem Trend zur Cloud-Application ist Google. Von Gmail über Google Docs (Office) bis hin zu Google Base (Datenbank) bietet der Suchmaschinen-Marktführer eine breite Palette von Wolken-Programmen an. Vor diesem Hintergrund ist es auch zu verstehen, warum Google mit Chrome einen eigenen Browser anbietet. So wie Software bisher auf dem richtigen Betriebssystem laufen muss, wird künftig der richtige Browser von zentraler Bedeutung sein. Jüngster Streich aus dem Hause Google ist ein Plug-in für den Internet-Explorer, der den Microsoft-Browser technisch in Chrome umfunktioniert.

Bei aller Euphorie muss man aber auch die Limitationen der Cloud klar sehen: Der Umweg über den Browser ist immer mit einem Verlust an Leistung zu bezahlen, das spürt man deutlich etwa bei der Bildbearbeitung. Und ein Back-up in der Wolke ist zwar aus Sicherheitsüberlegungen zu begrüssen, doch bei den gängigen Internetleitungen lässt sich so nicht der gesamte Heimcomputer mit Hunderten von Gigabytes an Daten sichern.

Der Test

Wir haben uns fünf unterschiedliche Bereiche von Cloud-Anwendungen angeschaut. Wo können sie den gängigen PC-Anwendungen das Wasser reichen und wo nicht?

Office

Word zählt unbestritten zu den am meisten verwendeten Programmen überhaupt. Gemeinsam mit Excel und Power Point schnürtMicrosoft daraus ein höchst erfolgreiches Paket namens Office. Mit Zoho (www.zoho.com) ist allerdings eine Alternative im Web zu haben, mit der man einfach Texte, Tabellen und sogar Präsentationen erstellen kann. Import und Export ins gängige Office sind möglich und funktionieren mit kleinen Abstrichen ordentlich. Zoho gibt es gratis für Private oder für Geschäftsanwender im Abo.

Fazit: Für Private eine valable Alternative zum Microsoft Office (sowie zu Open Office). Wer auf komplexe Funktionen von Office angewiesen ist, sollte wohl dabei bleiben. Deshalb: Unentschieden. (rcz)

Grafik & Fotos

Auch Bildbearbeitung gibt es in der Cloud: Um die Foto-Retusche kümmern sich etwa Photoshop Express (www.photoshop.com) oder pixenate.com, fürs Malen im Web ist pixlr.com zuständig, flauntr.com und fotoflexer.com liefern spektakuläre Filtereffekte.

Auf www.aviary.com findet sich eine ausgewachsene Bildbearbeitungs-Site, die nebst Pixel-Editor, Farbmodul und Effektgenerator auch ein Vektorgrafikprogramm à la CorelDraw oder Illustrator bietet.

Bildbearbeitung bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe: Der Browser ist zu langsam - von der Internetverbindung ganz zu schweigen. Deshalb: Vorteil für den PC. (schü)

Webspace & Back-up

Das Web kann auch als Datenspeicher fungieren und hat dabei einen unbestreitbaren Vorteil gegenüber dem herkömmlichen, lokalen Back-up. Dort steht die Sicherungskopie neben dem Computer und geht bei grösseren Unglücksfällen zusammen mit den Originaldaten verloren. Fotos und Musik, die «off-site» gelagert werden, bleiben bei Bränden, Wasserschäden und vor Dieben verschont. Mit diesem Argument wirbt der Online-Datensicherer Carbonite (www.carbonite-backup.de) oder Symantec mit der Off-Site-Sicherung, die in Norton 360 eingebaut ist.

Eine zweite Stärke der Internet-Datenspeicher ist der Datenaustausch. Bei dem punktet Apples mobile-me-Dienst (www.apple.com/chde/mobileme). Er stellt Dokumente sogar am iPhone bereit. Ähnlich arbeitet Dropbox (getdropbox.com), ein Datendienst, der auch für Linux und Windows zur Verfügung steht, und Daten sowie Dokumente vollautomatisch auf mehreren Computern synchronisiert. Ein Dokument, das im Bürocomputer in den Dropbox-Ordner gelegt wird, erscheint wie von Zauberhand auch dem Privat-PC.

Die Cloud schlägt den PC in Sachen Sicherheit - das Fragezeichen bleibt aber der Datenschutz. Bei ihm hat der PC die Nase vorn. Deshalb: Unentschieden. (schü)

Kollaboration

Oft arbeitet man nicht alleine, sondern in Teams an einem Projekt. Viele moderne Kollaborations-Möglichkeiten sind ohne vernetzte Computer und Internet schlicht undenkbar. Collanos (www.collanos.com), eine Schweizer Software, hat in diesem Bereich internationale Beachtung erhalten. Damit legt man relevante Dokumente online ab und teilt diese mit dem Team, man kommuniziert per Chat, behält Projekt-Fortschritte im Auge und vieles mehr.

Erst die Cloud macht Anwendungen wie Collanos möglich. Deshalb: Vorteil für sie. (rcz)

Kontakte

Adressen via Internet zu pflegen, das hat den offensichtlichen Vorteil, dass die Angaben jederzeit von überall her verfügbar sind. Der Adressdienst plaxo.com geht noch weiter: Er führt die Adressbücher von Google Mail, Yahoo Mail oder Hotmail zusammen. Plaxo synchronisiert auch die Adressbücher von Mailprogrammen wie Outlook, Windows Mail, Apple Mail und stellt die Adressen auf mobilen Geräten bereit. Über sogenannte Verbindungen verknüpft man die Einträge mit anderen Plaxo-Benutzern. Wenn Telefonnummern oder Adressen ändern, wird das eigene Adressbuch automatisch aktualisiert.

Das Adressbuch in der Wolke schlägt jenes auf dem PC um Längen. Deshalb: Vorteil für die Cloud. (schü)

Fazit: Klassische Software wird so bald nicht überflüssig, aber die Cloud-Applikationen gewinnen rasch an Attraktivität. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2009, 16:50 Uhr

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2 Kommentare

Kevin Boss

28.09.2009, 19:43 Uhr
Melden

@Markus Hegi: 1. Meine Daten sollen meine bleiben 2. Office arbeiten in der Cloud? Jedes Bild muss ich hoch lade nur um zu schauen ob es gut aussieht 3. Sind lokale Wolken (Wie die der MS Office 2010 Web Anwendungen) einiges besser als Programme im Web 4. Arbeiten untereinander...Bild bearbeiten und ab ins Word...bitte mal mit einem Online Office machen... Antworten


Markus Hegi

28.09.2009, 18:47 Uhr
Melden

Ich denke mit HTML 5 ändert sich bald vieles: Dann brauchts bald keine Desktop Applikationen mehr - Wofür auch? Antworten



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