Copy/paste ist eine Zauberwaffe

Die Zwischenablage ist eine der genialsten Erfindungen des digitalen Zeitalters. Und sie kann mehr, als die meisten User ahnen.

Die Zwischenablage kann auch geräteübergreifend genutzt werden.
Video: Matthias Schüssler

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Copy/paste hat für viele Leute eine negative Bedeutung, weil es zu einem Synonym fürs Plagiieren geworden ist. Ein Doktorand kopiert seine Arbeit aus Wikipedia-Versatzstücken zusammen. Politiker bauen nach dem gleichen Prinzip ihre Erst-August-Reden. Und faule Medienmenschen betreiben Copy/paste-Journalismus, indem sie sich bei ihren Kollegen bedienen.

Die Zwischenablage am Smartphone ausreizen: Links mit Clip Stack für Android, rechts mit Clips fürs iPhone.

Dabei ist das Kopieren respektive Ausschneiden und Einfügen eine überaus leistungsfähige Technik, um Informationen von einem Programm in ein anderes zu verfrachten. Als Informationsarbeiter braucht man sie ständig. Bei Recherchen wandern Informationen aus dem Browser ins Textverarbeitungsprogramm, Links werden in die Notiz-App übertragen und Zitate aus einer Mailantwort ins Redaktionssystem übernommen. Und wenn man einen Artikel auf Facebook oder Twitter postet, ist man ganz froh, dass man dessen Adresse kopieren und einfügen und nicht auswendig lernen und von Hand eintippen muss.

In den 1970ern erfunden

Die Anfänge von Kopieren und Einfügen reichen weit in die Computerhistorie zurück. Gemäss Wikipedia haben es Larry Tesler und Tim Mott 1973 bis 1976 zum ersten Mal implementiert, als sie am legendären Forschungszentrum Palo Alto Research Center (Parc) von Xerox ein Dokumentensystem entwickelt haben. Wie man weiss, hat Steve Jobs in Begleitung einiger Apple-Softwareingenieure dem Forschungslabor 1979 einen Besuch abgestattet. Und so ist es erklärbar, dass Apples Lisa 1983 das erste Computersystem war, das diese Funktion aufwies. Bei Lisa ist auch der Name Clipboard zum ersten Mal aufgetaucht. So heisst der Zwischenspeicher, der die kopierten Informationen aufnimmt. Im Deutschen spricht man von der Zwischenablage.

Die Zwischenablage funktioniert grosso modo auch heute noch wie zu ihren Anfängen – und zwar nicht nur bei Mac und Windows, sondern genauso bei den mobilen Geräten, also Android, dem iPhone und dem iPad. Dort sind sie besonders praktisch, vor allem für Leute, die auf der virtuellen Tastatur nicht sonderlich schnell schreiben können ­– da geht Kopieren und Einfügen allemal schneller.

Pfiffige Möglichkeiten

Und es gibt sowohl am Computer als auch am Smartphone pfiffige Möglichkeiten, die Zwischenablage aufzuwerten. Unser Video führt sie vor:

Mehrere Einträge speichern: Normalerweise enthält die Zwischenablage nur das zuletzt kopierte Element. Es gibt aber Programme, die ältere Einträge speichern und vorhalten. Diese können über ein Fenster oder ein Tastaturkürzel abgerufen werden. Ditto ist ein populärer Zwischenablage-Manager für Windows. CopyQ ist für Windows und den Mac erhältlich. Es gibt auch Passwort-Manager für die Smartphones. Zum Beispiel die hier vorgestellte App Clips fürs iPhone oder Clip Stack für Android.

Durch Programme wie CopyQ eröffnen sich Möglichkeiten für effizientes Arbeiten: Erst sammelt man die Informationen, dann fügt man sie in einem Rutsch in sein Dokument ein.

Informationen zwischen Geräten austauschen. Die Zwischenablage macht die Arbeit mit mehreren Geräten einfacher, indem sie den dort abgelegten Inhalt automatisch anderen Geräten zur Verfügung stellt. Das ist in der Apple-Welt mit der universellen Zwischenablage ohne Zusatzprogramm möglich: Ein Text, der am Mac kopiert wird, kann ohne weiteren Aufwand am iPhone in einer beliebigen App eingefügt werden. Mit dem Programm Clipboard Fusion klappt der Austausch auch zwischen Windows, Mac, Android und iPhone/iPad.

Raffinierte Automatisierung. Die Zwischenablage ist auch ein hervorragender Ansatzpunkt für automatische Abläufe. Die Informationen in der Zwischenablage werden nicht eins zu eins weitergegeben, sondern verändert: Beispielsweise mit Codes ergänzt, wie man sie in Blogging- oder Content-Management-Systemen benötigt. Es ist auch möglich, Texte automatisch zu übersetzen, QR-Codes oder Kurzlinks zu erzeugen oder Texte vorlesen zu lassen. Apps aus diesem Bereich sind Pastebot für den Mac oder Clipboard Actions für Android.

Pastebot verändert über Filter den kopierten Inhalt, was vielfältige Automatisierungsmöglichkeiten eröffnet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.02.2017, 08:42 Uhr

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