Der Elke-Test: Mit Tomtom in die Einbahnstrasse
Von Elke Koch, Roman Weber. Aktualisiert am 30.09.2009 17 Kommentare
Interaktiv-Box
Zu Beginn dieses Jahrhunderts war der holländische Navigationshersteller Tomtom noch ein Revolutionär: Er brachte das erste mobile Navigationssystem für Autos auf den Markt und erreichte die Marktführerschaft in Europa. Etwas mehr als acht Jahre später hat Tomtom mit der iPhone-Applikation den Sprung auf das Smartphone geschafft. Doch ob das Unternehmen damit so grosse Erfolge feiern wird wie in der Vergangenheit, ist zu bezweifeln: Die Applikation «Tomtom Westeuropa» ist mit einem Preis von 149 Franken alles andere als billig, die Software kommt unausgereift daher und sorgt in einigen Online-Bewertungsportalen für Ärger.
Der vermenschlichte Autohalter
Das erste Problem des Navigationssystems zeigt sich gleich zu Beginn: Die Applikation ist auf das iPhone geladen, die Route problemlos eingegeben, der Zündschlüssel steckt – doch nun, wohin mit dem schicken Smartphone?
Im Oktober sollen die ersten Tomtom-Autohalterungen (auf Englisch Car Kits) zu kaufen sein. Und in der Zwischenzeit? Entweder man bedient sich, wie im Test gezeigt, eines «Human Car Kits», oder man sieht sich im Apple-Store nach vergleichbaren Lösungen um. Eine solche wäre dann beispielsweise eine Saugnapfhalterung von Kensington, in die sich problemlos ein iPhone einstecken und die sich an der Windschutzscheibe befestigen lässt: Eine kostengünstigere Variante (40 Franken), jedoch ohne Stromanschluss. Die Tomtom-Autohalterung wird über einen solchen verfügen. Darin soll auch ein eigener GPS-Empfänger sowie eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung mit Mikrofon und Lautsprecher integriert sein.
Das Navigationssystem ist nur eine Hilfe
Unser Tipp, wenn Sie nicht mehr länger auf das Car Kit von Tomtom warten wollen: Bedienen Sie sich der «Human Car Kit»-Variante, diese kann zwar den Akku nicht aufladen, jedoch ist sie stabil und kann im Zweifelsfall auch mitdenken.
Und dies ist bei dieser Applikation auch vonnöten: Das Fahrzeugsymbol liegt auf der Kartenstrasse sehr unruhig, sodass die Fahrzeugposition – vor allem in der Stadt – teilweise nicht genau einzuschätzen ist. Nervenaufreibend ist auch das Hinterherhinken der Fahrzeugposition: Auch wenn man direkt vor der Ampel steht, können noch 40 oder 50 Meter bis zur aktuellen Position angezeigt werden. Anstrengend, wenn man angewiesen wird, irgendwann abzubiegen. Doch wann?
Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet räumt Tomtom-Sprecherin Sarah Schweiger ein, dass die iApp von Tomtom nur ideal genutzt werden kann mit dem Car Kit. Nur dann sei das Ergebnis optimal. Sarah Schweiger weist grundsätzlich darauf hin, dass die Tomtom-App den Fahrer niemals von der Verantwortung für korrektes Verhalten im Strassenverkehr entbinden kann.
Schwacher GPS-Empfang
Grund für oben genanntes Problem ist der schwache Empfang des GPS-Signals. Ob das Car Kit von Tomtom mit GPS-Verstärker Abhilfe schafft, wie Tomtom verspricht, bleibt abzuwarten. In unserem Test hat sich gezeigt, dass sich der Signalempfang nicht im geringsten verbessert, wenn man das Smartphone unter freiem Himmel verwendet.
Bei aller Kritik gibt es auch ein paar Punkte, die durchaus positiv sind: Dazu gehört vor allem eine exakte Prognose der Fahrzeit, die mit IQ-Routes berechnet werden kann und die für eine effiziente Routenführung Wochentag, Uhrzeit und Nutzerdaten einkalkuliert. Bei dieser Berechnung werden aber keine Staus miteingerechnet, da das Navi über keinen Staumelder verfügt.
Eine weitere Stärke des iApps ist die Handhabung: So können bei der Zieleingabe direkt Kontakte aus dem Adressbuch genutzt werden und auch iTunes-Lieder können problemlos neben der Navigation abgespielt werden. Hierbei muss negativ vermerkt werden, dass die Zoomfunktion auf der Karte bei nicht geplanten Routen umständlich gestaltet ist.
Das Car Kit von Tomtom Car kostet 149 Franken und soll ab Oktober verfügbar sein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.09.2009, 13:30 Uhr
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