Kein Youtube und kein Facebook für Schweizer Arbeitnehmer
Von Reto Knobel, Stéphanie Fuchs. Aktualisiert am 24.01.2009 8 Kommentare
Fertig lustig: Schweizer Unternehmen sperren nicht nur den Zugang zu sozialen Netzwerken sondern auch zu Unterhaltungs-Sites wie Youtube.
Artikel zum Thema
Migros und ZKB mit «Blacklist»
Die Migros ist mit 90'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die grösste private Arbeitgeberin der Schweiz. «Jeder Mitarbeitende der Migros erhält bei Abschluss des Arbeitsvertrages auch die IT-Nutzungsregelungen an die er sich halten muss. Bei Missbrauch dieser Regelungen kann es zu disziplinarischen Massnahmen kommen, die von Verwarnung bis zur Kündigung reichen können», sagt Mediensprecherin Monika Weibel. Die Facebook-Site ist nicht gesperrt – noch nicht: «Sollte festgestellt werden, dass diese Seite überdurchschnittlich oft benützt wird und somit ein Missbrauch gegen die IT-Regelungen besteht, dann könnte es gut sein, dass diese Site früher oder später gesperrt wird», so Monika Weibel. Die IT des Migros-Genossenschafts-Bundes verwendet gemäss Weibel eine Blacklist (Liste der unerwünschten Seiten). Mittels eines Software-Abos werden schnell wachsende unerwünschte Anbieter automatisch nachgeführt und gesperrt.
Eine solche Blacklist führt nach eigenen Angaben auch die Zürcher Kantonalbank. Im Zuge dieser Aktualisierungen würden auch Internet-Communities wie Facebook geprüft, so ein Sprecher der Bank.
Einen Virenvorfall wegen Facebook gab es bei der Post bisher zwar noch nicht, wie das Unternehmen in der jüngsten Ausgabe seiner Personalzeitung «Die Post» schreibt. Dennoch wurde der Zugang gesperrt. Die Post begründete dies mit dem steigenden Risiko, dass Facebook Viren transportieren könnte. Befürchtet wird auch, dass sich im sozialen Netzwerk aktive Kriminelle unter falscher Identität Zugang zu vertraulichen Daten verschaffen.
Auch bei den SBB dürfen Angestellte nicht ins Facebook. Grund ist, dass das Netzwerk sehr oft für private Zwecke genutzt wurde. Der Rahmen einer vernünftigen Nutzung sei überschritten worden, sagte SBB-Sprecher Frédéric Revaz auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.
Coop: Nein zu Facebook, ja zu Xing
Ähnlich klingt es bei Coop: «Der Zugang zu Facebook ist gesperrt», sagt Mediensprecher Nicolas Schmied auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet und ergänzt: «Facebook kann kaum geschäftlich genutzt werden und ist in unseren Augen eine Freizeit-Plattform.» Anders verhalte es sich aber zum Beispiel beim Business-Netzwerk Xing. Diesen Zugang hat das Unternehmen mit seinen schweizweit 50'000 Angestellten nicht gesperrt. Ein vernünftiger Umgang mit dem Internet sei für Coop «kein Problem».
Helsana musste durchgreifen
Andere Erfahrungen hat Helsana-Mediensprecher Thomas Lüthi gemacht. Bei der grössten Schweizer Krankenkasse können Mitarbeiter weder das Videoportal Youtube noch das Netzwerk Facebook nutzen. Der Grund: «Unser Netz war zeitweise überlastet, darum mussten wir viele Entertainment-Sites sperren lassen.» Auch auf Ebay und Ricardo können die 3150 Helsana-Mitarbeiter nur noch von zu Hause aus zugreifen.
Banken: Angst vor Phishing-Attacken
Und wie geht die Finanzwelt mit den sozialen Netzwerken um? Die UBS hat den Zugang zu Chatprogrammen und Plattformen wie Facebook für die Mitarbeitenden unterbunden. Der Hauptgrund dafür liege im zunehmenden Risiko, dass «unter Vortäuschung falscher Identität unberechtigt an vertrauliche Daten gelangt oder die Opfer zu bestimmten Aktionen bewegt werden», erklärt Dominique Gerster, Mediensprecher der UBS. Gerade die sogenannten Social-Network-Plattformen wie Facebook und Myspace bergen die Möglichkeit, dass Informationen gespeichert werden, die Rückschlüsse auf die Person selbst, aber auch auf den Arbeitgeber zulassen. «Dies ermöglicht Betrügern, massgeschneiderte Phishing-Attacken zu erstellen», so Gerster.
Die Credit Suisse und die Valiant Bank stellen den Mitarbeitern zwar das Internet am eigenen Arbeitsplatz zur Verfügung, Internetseiten wie Facebook sind jedoch gesperrt. Die CS hat zudem einen Mechanismus eingebaut, der den Informatikdiensten jeweils einen Vermerk zukommen lässt, falls ein Mitarbeiter gewisse Seiten aufruft, die nicht den internen Nutzungsweisungen entsprechen.
Swisscom als Ausnahme
Das einzige vonTagesanzeiger.ch/Newsnet befragte Unternehmen, welche ausser bei Internetseiten mit pornografischen und rassistischen Inhalten keine Sperrungen vornimmt, ist die Swisscom. «Community-Plattformen wie Facebook oder Xing sind für die Mitarbeitenden von Swisscom übers Internet zugänglich», sagt Pressesprecher Olaf Schulze. «Informatikmittel gehören zum Arbeitsalltag von allen Mitarbeitenden von Swisscom; wir erwarten, dass sie sie im beruflichen Alltag benutzen und die Anwendung in privatem Rahmen auch weitergeben können. So fördern sie die Nutzung auch in ihrem privaten Umfeld.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.01.2009, 18:19 Uhr
Kommentar schreiben
8 Kommentare
Die CS übt die totale Überwachung der Mitarbeiter. Private E-Mail können nicht abgerufen werden (alles blockiert), der Mitarbeiter muss sein Leben (Arzt, Termine, Lebensumstände) offenbar an der Eingangstüre abgeben und funktionieren wie eine Nummer und nicht wie ein Mensch. Antworten
































































