Elektronische Bremse für Anleger

Ein neues Gerät, der «Rationalizer», soll Anlegern die Heftigkeit ihrer Emotionen anzeigen. Das soll ihnen dabei helfen, vernünftigere und bessere Investitionsentscheide zu fällen.

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Sie zeigen die Emotionen des Traders an: Das «EmoBracelet» und die «EmoBowl».


Emotionen machen das Leben reicher. Beim Investieren auf Aktienmärkten sind sie dagegen von Nachteil. Forscher der sogenannten «Behavioural Finance»-Fachrichtung – die sich mit der Psychologie auf Aktienmärkten befasst – haben bereits hinlänglich belegt, dass Anleger oft durch zu viel Euphorie oder zu grossen Pessimismus in ihren Entscheidungen beeinflusst werden. Das führt dazu, dass ihre Performance schlechter ausfällt. Würden sie kühl bleiben und Gefühlsregungen aussen vor lassen, würden sie an den Börsen besser abschneiden.

Doch wie weiss ein Anleger, wie stark er durch Emotionen beeinflusst wird? Durch ein Gerät, das es ihm anzeigt. Der Elektronikkonzern Philips und die Bank ABM Amro – beide aus den Niederlanden – haben gemeinsam einen Prototypen eines solches Gerätes entwickelt. Sie nennen es den «Rationalizer», denn es soll helfen, dass «Online-Trader», besonders aktive Kleinanleger, kühler und rationaler übers Internet mit Aktien handeln.

«EmoBracelet» und «EmoBowl» verraten die Erregung

Der Prototyp besteht aus zwei Geräten. Einer Art Armband, dem «EmoBracelet» und einem weiteren Gerät, das einer kleinen Radarschüssel gleicht, der «EmoBowl». Das «EmoBracelet» misst die elektrische Spannung der Haut (die «galvanische Hautreaktion»). Sie ist umso grösser, je stärker eine Person von Emotionen überwältigt wird. Sowohl das «EmoBracelet», wie auch der «EmoBowl» geben die Heftigkeit der Emotionen durch Farbschwingungen wieder. Bei geringen emotionalen Ausschlägen zeigen beide Geräte wenige, langsame Schwingungen in einem hellen Gelb an. Mit zunehmender Erregung einer Person nehmen die Schwingungen zu, sie werden schneller und wechseln die Farbe Richtung Orange. Bei maximalen emotionalen Schüben schlagen beide Geräte rot aus.

Das Gerät kann nicht zwischen negativen und positiven Emotionen unterscheiden. Es schlägt genauso aus, ob jemand sehr frustriert ist oder äusserst euphorisch. Doch für Anlageentscheide sind beide Zustände nicht besonders hilfreich. Die Idee wäre, wie das auch der Werbefilm oben zeigt, dass ein Anleger den Aktienhandel sofort einstellen soll, wenn das Gerät zu starke Emotionen anzeigt.

Der Kick beim Traden

Die Frage bleibt bloss, ob Anleger dem Rat ihres Gerätes tatsächlich Folge leisten werden. Denn der «Kick» im Online-Trading liegt für viele gerade in den Hochs und Tiefs der Emotionen, nicht anders als bei anderen Spielen. Die Rendite fällt laut vielen Untersuchungen äusserst bescheiden aus. Insbesondere, wenn die Zeit am Computer und die Gebühren mitberücksichtigt werden. «Hin und Her macht Taschen leer», lautet daher auch eine alte Börsenweisheit. Einziger sicherer Gewinner bei einem solchem Verhalten von Investoren ist die Bank – sie kassiert bei jedem Handel Gebühren. Ein nüchternes, rationales Verhalten würde daher vor allem bedeuten, dass Leute weniger handeln und länger an ihren Investitionsentscheidungen festhalten. Doch dann brauchen sie auch das Emotionsgerät weniger. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 21.10.2009, 14:03 Uhr

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