Klein, leicht und teuer - die PSPgo
Von Roger Zedi. Aktualisiert am 12.10.2009
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Sony PSPgo, mobile Spielkonsole, in Weiss oder Schwarz, mit W-LAN und Bluetooth. Unter anderem erhältlich bei Interdiscount, Manor oder Fust. 379 Franken.
Ihren primären Zweck erfüllt die PSPgo, die neuste Version der Portable Playstation von Sony, zweifelsfrei: Das Spielerlebnis mit dem Gerät bringt Spass. Es ist etwas kleiner und leichter als sein Vorgänger, also handlicher, passt besser in die Hosentasche. Der erste Eindruck der Steuerung ist gut, sogar etwas feiner als bei der bisherigen PSP. Der Bildschirm ist bei gleicher Auflösung leicht kleiner, aber kristallklar, scharf und konstrastreich. Per W-LAN kann man mit der PSPgo im Internet surfen und sogar Skype-Anrufe tägigen. Sie fungiert als Film- und Musikplayer. Kurzum: ein Gadget, mit dem man sich sehen lassen kann.
Händler verzichten
Trotzdem zeigen Teile des Fachhandels wenig Begeisterung für Sonys mobile Spielkonsole. Grosse Ketten wie Mediamarkt nehmen sie gar nicht erst ins Sortiment auf. Auch spezialisierte Gamehändler wie die Softridge, welche Läden im Hauptbahnhof und im Bahnhof Stadelhofen betreibt, verzichten ganz auf die PSPgo.
Das hat verschiedene Gründe. Einerseits verdient der Handel generell an der Hardware nichts. Die Margen sind so tief (rund 5 Prozent), dass der Verkaufsaufwand bestenfalls gedeckt ist. In der Regel legen sowohl Hersteller wie Händler für jede verkaufte Konsole etwas drauf. Verdient wird nur mit den Spielen, die der Kunde anschliessend für sein Gerät im Laden kauft.
Für die bisherige PSP werden Spiele auf UMD-Scheiben verkauft, die neue PSPgo aber kann mit diesen Disketten nichts anfangen – sie verfügt über internen Flashspeicher, auf dem Spiele via Windows-PC, via Playstation 3 oder direkt per W-LAN installiert werden. Kaufen kann man die Spiele ausschliesslich im zugehörigen Playstation-Shop im Internet, womit Sony den Fachhandel aussen vor lässt. Den Läden bleibt lediglich der weniger attraktive Verkauf von Gutscheinen für den Onlineshop übrig.
Dem Kopierschutz zuliebe
Dass sich Sony von der UMD-Scheibe verabschiedet und auf Onlinevertrieb umstellt, dafür haben die Fachhändler ein gewisses Verständnis. Durch raubkopierte Spiele gehen der Branche, vor allem in Fernost, markant Umsätze verloren. Mit dem Verkauf von Downloads anstelle physischer Datenträger gewinnt man, zumindest vorerst, wieder mehr Kontrolle über den Kopierschutz.
«Damit allein könnten wir noch leben», sagt Sandro Cimildoro, Geschäftsführer von Softridge. Doch er sieht noch weitere Nachteile für die Kunden. So gibt es von Sony noch keine verbindliche Strategie, wie bestehende PSP-Kunden, die teilweise Hunderte Franken in Spiele auf UMD investiert haben, ihre Games auf die neue Konsole bringen.
Sony offeriert derzeit jedem Käufer der PSPgo, der bereits eine alte PSP besitzt, drei Spiele aus einer Auswahl von 17 Titeln gratis zum Download an. Das Angebot werde ausgebaut, Details könne man aber noch keine bekannt geben, heisst es bei Sony Computer Entertainment Schweiz. «Und was macht jemand, dessen alte PSP in einem Jahr kaputt geht?», fragt Cimildoro. Jener Kunde wird dann zwangsläufig auf die neue Konsole umsteigen müssen.
Teurer als eine ausgewachsene Playstation
Auch der bei vielen Spielern beliebte Occasionshandel wird durch das Onlinemodell verunmöglicht, da Downloads nicht weitergegeben werden können. Technisch wäre dies machbar, doch zeigt der japanische Konzern kein Interesse daran, hier etwas anzubieten.
Nicht zuletzt sehen die Händler aber auch im hohen Preis der PSPgo ein Problem. Mit 379 Franken ist sie teurer als eine ausgewachsene Playstation 3 (mit Blueray-Player und HD-Auflösung am TV), die inklusive zweier Spiele für rund 350 Franken zu haben ist (weit unter dem empfohlenen Verkaufspreis von 459 Franken). In England, wo die PSPgo wie bei uns seit Anfang Oktober erhältlich ist, sind die Preise bereits um mehr als 10 Prozent gefallen.
Andere bringen mehr Umsatz
Hinzu kommt, dass die Games im Onlineshop nicht wesentlich billiger sind als im Laden, obwohl die Kosten für die Produktion und den Transport der Disketten entfällt. Ein aktueller PSP-Titel auf UMD kostet 79 Franken. Den kaufe allerdings kaum jemand, die meisten Kunden warteten, bis der Preis nach einem halben Jahr markant sinke, wie Fachhändler bestätigen. PSPgo-Games kosten immer noch bis zu 59 Franken. Immerhin gibt es für gewisse Titel Demoversionen, die man ausprobieren kann, bevor man das ganze Spiel kauft, und es gibt sogenannte Mini-Games schon ab 4.50 Franken.
Der Schmerz der Händler, sei es wegen des Verzichts auf die PSPgo oder weil sie nur die Hardware verkaufen, hält sich in Grenzen. Mit Games für die bisherige PSP erziele man nur einen kleinen Teil des Umsatzes, wie verschiedene Händler und Distributoren bestätigen. Viel wichtiger bleibt das Geschäft mit Spielen für die grossen Konsolen Wii, Xbox 360 und Playstation 3 sowie für die mobile Nintendo DS. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.10.2009, 07:27 Uhr
































































