Wahre Geizkrägen suchen im Internet
Interview Christoph Landolt. Aktualisiert am 26.04.2010 11 Kommentare
Peter Düggeli ist Unterhaltungselektronik-Experte beim Preisvergleichsportal Comparis. (Bild: PD)
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Gestern Donnerstag standen die Schnäppchenjäger schon früh morgens vor der neuen Saturnfiliale in Volketswil Schlange. Ist die Kette wirklich so billig?
Nicht unbedingt billiger als die Konkurrenz. Wir haben gestern die Preise bei verschiedenen Produkten verglichen. Bei zwei Dritteln aller Produkte ist Media-Markt am günstigsten, bei einem Drittel Saturn. Man kann sagen, dass Saturn ein bisschen preiswerter ist als Inter-Discount und deutlich billiger als Fust.
Kassenschlager war ein 40-Zoll-Flachfernseher für 499 Franken. Verdient Saturn mit solchen Angeboten Geld?
Das sind schon Lockvogelangebote. Meist beteiligen sich auch die Lieferanten daran, die ja auch ein Interesse daran haben, zuvorderst auf den Katalog von Saturn zu kommen.
Für die Discounter lohnt sich das Geschäft, auch wenn sie mit einem sehr günstigen Produkt nicht direkt etwas verdienen. Wenn tausend Leute eine Playstation kaufen und jeder noch ein teures, margenträchtiges HDMI-Kabel dazulegt, dann schaut für den Händler am Ende gutes Geld heraus.
Welche Produkte kauft man besser beim Discounter, welche im Fachhandel?
In der Breite des Angebots sind Saturn und Media-Markt ähnlich teuer wie ihre härtesten Konkurrenten. Wenn Sie es auf das besondere Schnäppchen aus der Werbung abgesehen haben, lohnt sich der Gang zum Discounter jedoch schon. Der 499-Franken-Fernseher, den Saturn im Angebot hat, kostet im Onlinehandel 250 Franken mehr.
Wie stark ist die Konkurrenz, die aus dem Onlinehandel erwächst?
Sehr stark. Die Onlineshops sind immer noch am günstigsten, auch wenn die Unterschiede in den letzten Jahren kleiner geworden sind. Die Preissuchmaschinen, mit denen die Konsumenten das billigste Angebot finden können, werden extrem oft konsultiert, und zwar auch von den Händlern selbst. Wenn Sie in einem Media-Markt zeigen können, dass sie das gleiche Gerät bei einem etablierten Onlineshop billiger bekommen, wird man Ihnen vermutlich den gleichen Preis anbieten.
Hauptkonkurrentin von Saturn dürfte Media-Markt sein. Beide Ketten gehören zum gleichen Konzern. Warum leistet sich die Mutterfirma das?
In den Köpfen stellt die Gruppe die Nummern 1 und 2 – zumindest in Sachen Preisimage. Der Konzern kann dadurch den Konkurrenzkampf verschärfen und dennoch die Kunden im eigenen Haus behalten. Nicht nur die beiden Marken Saturn und Media-Markt treten gegeneinander an, sondern auch die einzelnen Fachmärkte. Jeder Laden kauft für sich selbst ein, deshalb unterscheiden sich die Preise manchmal von Filiale zu Filiale.
Allein letztes Jahr sind Fernseher 20 Prozent billiger geworden. Liefern die Produzenten immer günstiger, oder schrumpfen auch die Profite des Handels?
Die Margen sind in den letzten Jahren stark zusammengebrochen, ganz klar. Wenn Geiz jedoch immer geil bleibt, steigt die Gefahr, dass die Hersteller bei der Produktion sparen und weniger hochwertige Teile in ihren Geräten verbauen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.04.2010, 15:03 Uhr
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11 Kommentare
Kaufen weil es billig ist oder weil man shopping als Hobby hat. Und ob man es am ende auch wirklich braucht bleibt meist unbeantwortet. Und dann zum deutschen Harddiscounter fahren und Fleisch für 15 Fr/kg einkaufen weil das Budget nicht mehr reicht für artgerechte Tierhaltung. Antworten
@SG Und das wirft die Frage auf, ob die heute gebohrenen Kinder denn unsere AHV auch zahlen können, oder ob sie arbeitslos zu hause sitzen und auch dann noch immer auf unserem Geldsäcklein liegen! Heute mit Subventionen (Krippe etc.) und dann mit der Arbeitslosenkasse. Antworten
@S.G: man muss es differenzierter betrachten. Mehrheit der Elektrogeräte werden im Asien produziert. In der Schweiz gab es einfach hohe Margen ohne eine echte wirtschaftliche Leistung. neue Player in der Elektrobranche wie Saturn bringen auch positive Änderungen. Kunden werden mehr Geld sparen, die sie für andere Produkte ausgeben können, was in anderen Branchen Arbeitsplätze schaffen kann Antworten
Für Kleinteile wie Kabel, Adapter, Netzgeräte etc. ist es mit Abstand am billigsten bei ebay.com (nicht ebay.ch oder ebay.de). Aus Honkong werden solche Teile zu einem Bruchteil der hiesigen Preise geliefert (inkl. Porto). Solange der Preis unter 65 CHF liegt, hat man auch mit dem Zoll kein Problem. Antworten
Der letzte Satz sagt es! Hier in den Philippinen sind viele Produkte spottbillig. Aber leider handelt es sich um Auschussware made in China (z.B. IKEHA Lampen für 90 Rappen). Falls diese Ware wegen des Preisdrucks nach Europa gelangt, dann sind starke Nerven des Käufers und der Kundendienst der Anbieter gefordert. Good Luck aus Südostasien. Antworten




Werner Neumeyer
Immer billiger hat auch seinen Preis. Produziert werden muss dort, wo Löhne am billigsten, Rohstoffe vorhanden und Arbeitszeiten am höchsten sind. Also vorzugsweise vorläufig in Asien. Dazu kommt, dass das Verkaufspersonal zu tiefen Löhnen arbeiten muss. Das trifft alle in der Konsumgüterbranche. Damit verlieren wir alle Arbeitsplätze, Steuern und langfristig unseren Wohlstand. Antworten