30 Milliarden Spams pro Tag weniger

Microsoft hat in Zusammenarbeit mit den USA die grösste Spamschleuder der Welt eliminiert. Noch ist unklar, ob der Schlag gegen das Botnetz mit einer Million Computern die Cyberkriminellen dauerhaft gestoppt hat.

Die Cybermafia ist nach der durch eine Zivilklage in sieben US-Städten ermöglichten Razzia massiv geschwächt: Ärgernis Spam.

Die Cybermafia ist nach der durch eine Zivilklage in sieben US-Städten ermöglichten Razzia massiv geschwächt: Ärgernis Spam. Bild: AFP

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Es ist die vielleicht grösste Aktion im Kampf gegen das Milliardengeschäft Spam: Das Softwareunternehmen Microsoft und US-Behörden aus mehreren Bundesstaaten haben das weltgrösste Spam-Netzwerk ausgeschaltet. Dies schreibt Microsoft-Jurist Richard Boscovich in einem Firmenblog-Beitrag.

Eine «wirklich dramatische Abnahme»

Die Cybermafia ist nach der durch eine Zivilklage in sieben US-Städten ermöglichten Razzia massiv geschwächt: Rustock war noch vor einem Jahr die aktivste Spamschleuder der Welt. Rustock und zwei andere global agierende Botnetze waren für 75 Prozent des gesamten Spamaufkommens verantwortlich.

Gemäss Informationen des Sicherheitsunternehmens Symantec kontrollierte Rustock per Fernsteuerung etwa eine Million fremdgesteuerte Computer, welche täglich bis zu 50 Milliarden Müll-Mails verschickten. Darunter waren laut dem IT-Portal Golem.de unter anderem gefälschte Microsoft-Mails, welche hohe Lotteriegewinne versprachen und Werbemails für starke, verschreibungspflichtige Medikamente.

Die konzentrierte Aktion hat sofort Konsequenzen gezeigt: Spamforscher Brian Krebs von Krebsonsecurity.com berichtet von einem «massiven Taucher» des weltweiten Spamvolumens, ein anderer, von Krebs zitierter Sicherheitsexperte aus Ottwa schreibt, der jüngste Schlag habe zu einer «wirklich dramatischen Abnahme» (von Spamnachrichten, Red.) weltweit geführt.

Nicht die erste Aktion gegen Spambetrüger

Wie Microsoft festhält, wird die Aktion gegen Rustock nicht der letzte Schlag gegen die Cybermafia sein, die Firma verspricht weitere Schritte im Kampf gegen Spambetreiber. Bereits 2010 gelang Redmond ein erster Schlag gegen Zombie-Computer. Damals wurde das Botnetz Waledac ausgeschaltet, welches für den Versand von täglich 1,5 Milliarden Spams verantwortlich war. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.03.2011, 11:05 Uhr

Botnetz

Unter diesem Begriff (englisch Botnet) versteht man ein Netzwerk von mehreren Tausend bis mehreren Millionen infizierten Computer, die von Cyberkriminellen ferngesteuert werden können. Der Nutzer merkt davon meist nichts.

Solche Computer werden meist, aber nicht immer, als Spamschleuder missbraucht. Die Betreiber der Botnetze vermieten die Netze an Spammer für teures Geld weiter. Den Spammern kommt dieser Service gelegen, da sie ein grosses Interesse davon haben, unerkannt zu bleiben und sich über diese «Zwischenstationen» zu tarnen.
Quelle: Antispam.de

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