«Apple hat keine Fehlerkultur»

Für IT-Guru Eugene Kaspersky hinkt Apple mit seinen Sicherheitsbemühungen Microsoft zehn Jahre hinterher. Auch der Schweizer Sicherheitsexperte Serge Droz kritisiert diesen Schlendrian als «verantwortungslos».

«Wie Microsoft vor zehn bis zwölf Jahren»: Der russische Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky warnt die Apple-Gemeinde.

«Wie Microsoft vor zehn bis zwölf Jahren»: Der russische Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky warnt die Apple-Gemeinde. Bild: AFP

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Der russische IT-Unternehmer Eugene Kaspersky gilt nicht als Mann der leisen Töne. Vor drei Jahren plädierte der ehemalige KGB-Kryptologe für die Abschaffung der Anonymität im Internet, ein andermal warnte der Multimillionär, dass der Krieg gegen Hacker niemals gewonnen werden könne.

Diese Woche nun brachte Kaspersky die gesamte Mac-Gemeinde gegen sich auf. In der «Computer Business Review» warnte der Chef des Sicherheitsunternehmens Kaspersky Labs Apple-Nutzer, dass diese «schon bald» die gleichen Sicherheitsprobleme haben würden «wie Microsoft (MSFT 39.86 0.43%) vor zehn bis zwölf Jahren».

Der Unglaube der Macianer

Anlass der Kritik war die Entdeckung des Trojaners Flashback im April, welcher etwa eine halbe Million Apple-Computer befallen hat. Einige Tage später lieferte Apple (AAPL 567.77 8.20%) ein Update aus, welches die häufigsten Flashback-Varianten löscht (siehe Artikel hier und hier).

Wie Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigen, ist das Problem in der Schweiz dennoch nicht aus der Welt geschafft. Mitte April informierte die Stiftung Switch, dass 800 Macs mit dem Flashback-Trojaner infiziert seien. In den letzten fünf Tagen hat Switch laut Serge Droz, Leiter der Switch-Sicherheitsabteilung, immer noch 700 infizierte Computer ausgemacht und die betroffenen Kunden informiert. Das Feedback darauf sei in der Regel positiv, allerdings würden viele Betroffene darauf beharren, dass «Macs unverwundbar sind».

«Das ist verantwortungslos»

Das sei jedoch überhaupt nicht der Fall: Zwar habe Apple in der Produktsicherheit aufgeholt, und sei mit MacOS 10.7 (Lion) und iOS (für iPhones/iPads) technisch auf dem Stand von Microsoft. «Apple hat aber keine Fehlerkultur», kritisiert Droz. «Es wird zu spät reagiert.» Wenn überhaupt, wische Apple die Probleme eher unter den Teppich, als dass das Unternehmen diese proaktiv angehe. «Die von Flashback genutzte Sicherheitslücke zum Beispiel», erklärt Droz, «war unter Windows seit Januar gestopft, Apple hat reagiert, als das Thema in die Medien kam – zwei Monate später. Das ist verantwortungslos.»

Droz widerspricht auch der in verschiedenen Blogs von Apple-Fans kursierenden Behauptung, der Flashback-Trojaner sei harmlos und/oder funktioniere gar nicht: «Der Trojaner stiehlt Informationen. Der Flashback-Urheber hat Zugriff auf infizierte Computer und kann weitere Malware installieren. Vielleicht haben diese Leute kein Problembewusstsein, weil sie nichts von einer Infizierung merken. Sie vergessen dabei aber, dass man gute Malware nicht bemerkt.»

Wann Malware eine gute Malware ist

Dass Flashback kein Anfängerprodukt ist, zeigt dessen «Karriere». Laut der «New York Times» ist bereits eine neue Variante namens «Flashback.S» im Umlauf, laut Droz eine Weiterentwicklung des «alten» Flashbacks. «Eine gute Malware zu bauen ist ein grösseres Projekt, und da wird ständig weiterentwickelt, sodass die bereits getätigten Investitionen sich auch auszahlen. Moderne Malware muss flexibel gebaut sein, um leicht neue Funktionalität zu integrieren», so Serge Droz. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.04.2012, 13:50 Uhr)

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