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Asien unter russischem Cyber-Beschuss

Das Land Kirgisistan ist vom Internet abgeschnitten. Experten vermuten einen Zusammenhang mit den jüngsten Spannungen wegen einer Basis der US-Luftwaffe.

Kirgisistan grenzt im Norden an Kasachstan, im Südosten an China, im Süden an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan.

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Die zentralasiatische Republik Kirgisistan ist weitgehend vom Internet abgeschnitten. Der Grund dafür sind massive, anhaltende DDoS-Attacken (Distributed Denial-of-Service) auf zwei grosse kirgisische Provider aus dem russischen IP-Adressraum, die seit dem 18. Januar erfolgen. Das berichtet Don Jackson, Director of Threat Intelligence beim amerikanischen Sicherheitsanbieter Secureworks.

Diese Art des Angriffs kam auch während des Konflikts mit Georgien im August 2008 zum Einsatz. Auch diesmal wird ein politischer Hintergrund vermutet, so Jackson - entweder als Attacke auf eine erstarkende kirgisische Opposition oder um Druck auf den amtierenden Präsidenten Kurmanbek Bakiyev auszuüben.

Lange Tradition von Cyberangriffen

In der Vergangenheit gab es immer wieder offenbar von Russland aus lancierte Cyberattacken gegen Staaten, etwa Georgien oder im Jahr 2007 Estland. DDoS-Attacken durch Russlands Cyber-Miliz scheinen ein fester Bestandteil von Kampagnen gegen pro-westliche Nationen zu sein, meint nun Jackson. «Russische Beamte haben in der Vergangenheit gesagt, dass sie auf die Rekrutierung technisch versierter russischer Bürger für solche Operationen setzen», so der Sicherheitsexperte. Es werde vermutet, dass die Mobilisierung zumindest teilweise durch inoffizielle Anfragen russischer Behörden über Kontakte im Cyber-Untergrund erfolgt.

Konkrete Beweise fehlen

Vorwürfe nicht nur von staatlichen DDoS-Angriffen, sondern auch von Cyberspionage gab es 2008 nicht nur gegen Staaten wie Russland, China und Nordkorea. Wirklich konkrete Beweise fehlen aber meist. «Es gibt bei solchen Attacken meist nicht genug Anhaltspunkte, um zu beurteilen, ob sie staatlich gestützt sind oder von einem Staatsbediensteten oder einfach dem Schlafzimmer eines Teenagers stammen», meint Graham Cluley, Senior Technology Consultant beim Sicherheitsspezialisten Sophos.

Spannungen wegen US-Basis

Noch hat Sophos die Hintergründe des aktuellen Angriffs auf Kirgisistan nicht genauer erforscht. «Mein Verdacht ist aber, dass ein Zusammenhang mit jüngsten Spannungen wegen einer Basis der US-Luftwaffe in Kirgisistan besteht», sagt Cluley. Diese Basis dient den US-Streitkräften für Operationen in Afghanistan und auch Jackson zeichnet einen Zusammenhang als wahrscheinlich. Auch das amerikanische «Wallstreet Journal» spekuliert in diese Richtung.

Russland mache Druck auf Präsident Bakiyev, diese Basis zu schliessen und habe angedeutet, dass ein 300-Millionen-Dollar-Kredit sowie Milliarden-Investitionen in den kirgisischen Energiesektor davon abhängen. Allerdings könnte sich die Attacke auch gegen die kirgisische Opposition richten. Diese mundtot zu machen, würde für Russland Sinn ergeben, so Jackson. Russland, das ebenfalls eine Luftwaffenbasis im Land betreibt, wolle sich ein Monopol auf Luftmacht sichern. Die Opposition aber vertrete die Ansicht, dass Kirgisistan aus ökonomischen Überlegungen weiterhin sowohl eine amerikanische als auch russische Luftwaffenbasis erlauben sollte. Durch die DDoS-Attacke könnte verhindert werden, dass die Opposition internationale Unterstützung findet. (rek/pte/)

Erstellt: 29.01.2009, 15:45 Uhr

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