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Chat mit der Nigeria-Connection: «Seien Sie nicht so geizig»

Jeder hat schon ein Mail der Onlinemafia bekommen. Aber haben Sie sich auch schon mal mit der Nigeria-Connection unterhalten? Ein australischer Sicherheitsexperte hat es getan – und erstaunliche Antworten erhalten.

«Sie versuchen micht abzuzocken, mit lauter kleinen Zahlungen, die ich vorher zu leisten habe» - «Sie haben Recht»: Auszug aus dem Chat.

«Sie versuchen micht abzuzocken, mit lauter kleinen Zahlungen, die ich vorher zu leisten habe» - «Sie haben Recht»: Auszug aus dem Chat. (Bild: Emisoft.de)

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Das ist Scam

Scam bezeichnet den Betrug mittels Massen-E-Mails (früher: Fax-Massenversand). Die Empfänger werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu gebracht, an Schneeballsystemen teilzunehmen oder in Erwartung zugesagter Vermittlungsprovisionen gegenüber den Absendern (den Scammern) finanziell in Vorleistung zu treten. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt: Dem Opfer wird zunächst glaubhaft gemacht, ein enormes Vermögen verdienen zu können. Auf diese Gegenleistung des Geschäfts – Geld oder Waren – wartet der Vorschussleistende vergeblich.

Typischer Vertreter dieser Spielart ist der Nigeria-Scam der Nigeria-Connection. Hier behaupten die Absender, Kenntnisse von Konten ehemaliger Machthaber oder Grosskonzerne in Entwicklungsländern zu besitzen und nun die Hilfe des Mailempfängers zu benötigen, um die Millionensummen ins Ausland zu transferieren. Die dafür in Aussicht gestellten Provisionen im zweistelligen Prozentbereich locken die Opfer, im Vorfeld Gelder – vorgeblich für Gebühren und Bestechungen – zu bezahlen.

Seit über 20 Jahren ist die Nigeria-Connection aktiv. Mit einem einfachen E-Mail-Betrug versuchen sie weltweit Nutzer um ihr Geld zu erleichtern (siehe Infobox). Die Inhalte ähneln sich immer und sind so phantastisch, dass man sie sowieso nicht glauben kann: Irgendwo in Afrika soll es ein Konto geben auf dem sich mehrere Millionen angesammelt haben und die sollen nun heimlich ausser Landes geschafft werden.

Angeblich soll man bis zu 25 Prozent des Millionenbetrages erhalten, wenn man sein Konto zu Verfügung stellt. Fällt man darauf herein und möchte auf das Super-Angebot eingehen, wird man aufgefordert vorab Geld für Anwaltskosten, Steuern, Überweisungen, Bestechungsgelder oder ähnliches vorzustrecken. Die Kriminellen rechnen mit der Gier der Nutzer und scheinen damit immer noch Recht zu behalten, denn in den letzten Jahren haben sie so Millionen verdient.

Wer so dumm ist zu zahlen, hört natürlich nie wieder etwas von den Betrügern. Obwohl diese Masche seit Jahren bekannt ist, fallen immer wieder Nutzer darauf herein. Der Australier Mike Nash, Chef des australischen Sicherheitsunternehmens Tall Emu, hatte die Gelegenheit, einen überraschend ehrlichen Chat mit der Nigeria-Connection zu führen. Nash veröffentlichte diesen auf der Firmenblog-Seite. Tagesanzeiger.ch/Newsnet bringt übersetzte Auszüge davon.

Robert Dutu: «Hallo. Wie geht es Ihnen? Ich habe hier einen wichtigen Geschäftsvorschlag, den Sie sich anhören sollten.»

Mike Nash: «Lassen Sie mich raten. Sie haben ein paar Millionen Dollar, die Sie mir gern geben möchten. Aber ich werde sie nie bekommen. Stattdessen versuchen Sie, mich abzuzocken - mit lauter kleinen Zahlungen, die ich vorher zu leisten habe.»

Robert Dutu: «Sie haben Recht.»

Mike Nash: «Nun, ich schätze Ihre Ehrlichkeit.»

Robert Dutu: «Gern geschehen. Hat Spass gemacht, mit Ihnen zu chatten.»

Mike Nash: «Viel Glück dabei, einen Idioten zu finden.»

Robert Dutu: «Danke schön.»

Pause (Als Nash entdeckt, dass Dutu auch nach einer Stunde noch online ist, meldet er sich wieder.)

Mike Nash: «Und, schon Glück gehabt?»

Robert Dutu: «Nur einer in den letzten drei Stunden.»

Mike Nash: «Laufen die Geschäfte nicht so gut? Darf ich fragen, wie viel man damit verdienen kann?»

Robert Dutu: «Seien Sie mein Opfer und Sie werden ja sehen, wie viel ich Ihnen abnehmen kann.»

Mike Nash: «(...) Sie sind ein lustiger Kerl.»

Robert Dutu: «Danke (Handschlag)»

Mike Nash: «Mal ehrlich, finden Sie wirklich noch Leute, die immer noch auf diesen Betrug reinfallen? Obwohl: In der Zeitung habe ich gelesen, dass noch immer 100 Millionen Dollar im Jahr auf diese Weise das Land verlassen.»

Robert Dutu: «Welcher Betrug? Das ist real. Ich schicke Ihnen Unterlagen darüber.»

Mike Nash: «Über Skype?»

Robert Dutu: (schiebt das originale Scam-Anschreiben rüber. Es geht um 16 Millionen Dollar.)

Mike Nash: «Danke, das ist doch einmal gut geschrieben. Und anstatt 250 Millionen Dollar zu bieten, sprechen Sie immerhin nur von 16 Millionen. Also: Was ist der nächste Schritt? Ich arbeite für eine Sicherheitsfirma, darum bin ich auch so interessiert.»

Robert Dutu: «Und dann stellen Sie das ins Internet, oder? Nein! Das würde meinen Job gefährden.»

Mike Nash: «Keine Chance. Es gibt bereits viele Artikel dazu. Und ich wette, dass Sie diesen Skype-Account sowieso nur für ein paar Tage nutzen, stimmt's? Nächstes Mal tauchen Sie dann unter einem anderen Namen wieder auf.»

Robert Dutu: «Warum all die Fragen? Wollen Sie mitmachen?»

Mike Nash: «Nein, danke. :-)»

Robert Dutu: «Gut. Was ist Ihr Job?»

Mike Nash: «Ich arbeite in der Sicherheitsbranche, wir entwickeln eine Firewall-Software (...)»

Robert Dutu: «Sehr gut. Wie viel Geld verdienen Sie?»

Mike Nash: (Nennt die Summe) «Und Sie?»

Robert Dutu: (Er sagt, dass er bisher erst 50 Euro von einer Frau auf den Philippinen verdient hat.) «Entschuldigen Sie meine verspätete Antwort, ich war mit einem Kunden beschäftigt. Sie verdienen sehr viel Geld.»

Mike Nash: «Ich mag die Art und Weise, wie Sie Ihre Opfer Kunden nennen. Das impliziert eine gewisse Professionalität.»

Robert Dutu: «Danke. Wenn ich Sie darum bitte, mir ein bisschen Geld zu senden, machen Sie das?»

Mike Nash: «Was bekomme ich denn für mein Geld?»

Robert Dutu: «Das ist der Punkt. Niemand möchte etwas einfach nur so weggeben. Aber ich verspreche Ihnen 16 Millionen Dollar. Im Endeffekt kriege ich mehr als nur Ihr Geld von Ihnen. Vielleicht nehmen Sie sogar einen Kredit für mich auf. Können Sie mir helfen?»

Mike Nash: «Es ist Freitag, alle denken nur an das Wochenende und an den Ausgang. Es ist die falsche Tageszeit. Nein, ich kann Ihnen echt nicht helfen. Sie machen sich strafbar.»

Robert Dutu: «Ich weiss. Und ich akzeptiere den Fakt, dass ich schuldig bin.»

Mike Nash: «Aber Sie verraten mir immer noch nicht, wie viel Sie verdienen. :- ) Ich wette, Ihr PC ist viel leistungsstärker als meiner.»

Robert Dutu: «.... und werde mich nicht beklagen, dass ich angezeigt werde, wenn ich erwischt werde. (...) Es gibt keine spezielle Summe. Ich nehme alles, was Sie mir geben können. Und wenn es nur 100 oder 50 Dollar sind. Ich werde das wirklich dankbar annehmen. Mein Gott wird mir vergeben, weil ich dafür bete, dass er die Taschen meiner Kunden mit dem Doppelten von dem füllt, was sie bei mir verlieren.»

Mike Nash: «Ich wette, das machen Sie. Ich habe immer dieses Bild in meinem Kopf - Sie in einer Bar mit all Ihren Freunden. Und Sie sagen: Dieser Typ dachte, er sei clever, aber ich hab ihn trotzdem dazu gebracht, mir 100 Dollar zu schicken. Will jemand eine Zigarre?»

Robert Dutu: «Sehr lustig. Ich rauche nicht. Trinken tu ich nur gelegentlich.»

Robert Dutu: «Ich weiss, dass Sie am Ende unseren Chat veröffentlichen werden. Aber das ist kein Problem. Ich bin da ganz offen.»

Mike Nash: «Ehrlicherweise habe ich den lustigen Teil schon veröffentlicht.»

Robert Dutu: «Warum?»

Mike Nash: «Normalerweise antworte ich auf eine Scam-Anfrage so offen wie bei Ihnen - und die Absender antworten nicht einmal und ziehen gleich zum nächsten Opfer weiter. Dieses Mal war es anders. Das ist wie ein Polizist, der einen Autodieb warnt, vorsichtig zu fahren.»

Robert Dutu: «Ahahahhahaha.»

Robert Dutu: «Wie kriege ich Sie dazu, mir etwas Geld zu schicken?»

Mike Nash: «Dummerweise werden Sie mich nicht dazu bekommen, Ihnen Geld zu senden.»

Robert Dutu: «Seien Sie nicht so geizig, mein Freund. Es kostet Sie nichts, einem Fremden Geld zu senden, der es nötig hat.»

Mike Nash: «Sie machen wahrscheinlich mehr Geld als ich. Können Sie mir nicht etwas schicken?»

Robert Dutu: «Ja, 16 Millionen Dollar. Aber wir müssen den Transfer gemeinsam finanzieren.»

Mike Nash: «HAHAHAHAHAHAHAHAHA!»

Robert Dutu: «Ja.»

Mike Nash: «Touché!»

Robert Dutu: «Und wir teilen das Geld am Ende. 50 Prozent für jeden. 8 Millionen Dollar für Sie. Das ist eine einmalige Gelegenheit, das kommt nur einmal im Leben.»

Mike Nash: «Wissen Sie, wenn Sie jemals das Scam-Geschäft aufgeben, dann können Sie ja immer noch Komiker werden.»

Robert Dutu: «Wenn ich Sie wäre, dann würde ich eine solche Gelegenheit mit beiden Händen ergreifen. So werden Sie reich - über Nacht.»

Mike Nash: «Aber wir wissen doch beide schon, dass es ein Betrug ist und dass Sie es hassen, da mitzumachen.»

Robert Dutu: «Sehen Sie, mein Freund, ich bin kein Betrüger.»

Mike Nash: «Ich hab noch nichts getrunken. Also werde ich meine Meinung wohl kaum ändern.»

Quelle: onlinearmorpersonalfirewall.blogspot.com (rek)

Erstellt: 30.03.2009, 16:14 Uhr

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9 Kommentare

Friedrich Meyerhans

14.05.2009, 15:35 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Lieber Robert, versuch's doch mal bei ein paar (Ex-) Investmentbanker der UBS. Die sind für solche Renditen immer zu haben! Viele Grüsse Antworten


Herbert Berger

30.03.2009, 15:25 Uhr
Melden

"my dear friend"... Diese Anfragen kamen früher vor Aufkommen der e-mail per Fax rein. Das Lustige, gerade vor ca. 4 Wochen erhielt ich wieder nach Jahren so ein Fax. Im übrigen habe ich kein Mitleid mit Leuten, die auf so einen dummen Trick reinfallen Antworten


Helena Rupp Grau

30.03.2009, 15:13 Uhr
Melden

Ach, jeden Tag steht irgendwo ein Dummer auf, sagt ein Sprichwort. Und solange werden diese Betrüger weiter Erfolg haben. Antworten


andi matata

30.03.2009, 14:38 Uhr
Melden

Was dieser (weise) Nigerianer uns voraus hat; "er weiss, das jeden Tag ein Depp auf dieser Welt aufsteht,>der Geldgeil und blöd ist<, das finde ich rationelles und professionelles Geld verdienen. Antworten


Thomas Meier

30.03.2009, 14:28 Uhr
Melden

Das ist ja besser als jede Komödie. Vielleicht sollte der CH-Bundesrat Mr. Dutu für schwierige Verhandlungen einstellen. Mit dieser Hartnäckigkeit werden wir alle, die unseren Finanzplatz mindern wollen, weghauen! Antworten


Dominik Hug

30.03.2009, 14:03 Uhr
Melden

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft :) Antworten


dänu schmied

30.03.2009, 13:38 Uhr
Melden

Es gibt Leute, die machen sich einen Sport daraus,solche Betrüger selbst zu betrügen. Hier hat es jemand geschafft, sich von der Elfenbeinküste eine geschnitzte Kopie eines Commodore C64 senden zu lassen.. http://www.419eater.com/html/john_boko.htm Antworten


Robert Dutu

30.03.2009, 13:05 Uhr
Melden

Herrlich!!!!! Antworten


Gene Amdahl

30.03.2009, 12:39 Uhr
Melden

Meine Ex-Frau war auch so dumm Antworten



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