Das Online-Testament oder: «Ich bin dann mal weg»

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 03.07.2009

Was passiert mit unserem Blog oder unserem Facebook-Profil, wenn wir sterben? Eine schwedische Designstudentin will verstorbenen Usern ihren letzten Web-Willen ermöglichen.

Web-Vermächtnis: Dank Webwill bestimmen, wie das Facebook-Profil nach dem Tod ausschauen soll.

Web-Vermächtnis: Dank Webwill bestimmen, wie das Facebook-Profil nach dem Tod ausschauen soll. (Bild: Keystone)

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Das Internet vergisst nicht. Nicht mal, wenn wir nicht mehr da sind. Selbst nach unserem Tod existieren unsere Web 2.0-Profile, unser Facebook- oder Twitter-Account weiterhin, als sei nichts passiert. Darin sieht die Designstudentin Lisa Granberg (28) eine Marktlücke. Und hat deshalb einen Online-Dienst entwickelt, der den Usern den letzten Wunsch erfüllt.

Der Betroffene selbst soll entscheiden können, was von ihm im Web übrig bleibt. Denn nicht einmal die Angehörigen können im Web aufräumen. Das Facebook-Profil des Partners löschen lassen: ein Ding der Unmöglichkeit. Auch wer das Myspace-Profil des Partners als Andenken erhalten möchte, hat es nicht leicht: Nach wenigen Wochen wird es wegen Inaktivität gelöscht.

Eine letzte Statusmeldung

Bei Granbergs Service Webwill kann der User darum sein Online-Testament verfassen und etwa veranlassen, dass all seine Accounts und Profile gelöscht werden. Oder aber er kann sie aktualisieren, eine letzte Twitternachricht versenden («auf dem Weg nach oben» zum Beispiel) oder einen ultimativen Facebook-Status rausgeben («loggt sich gerade aus»).

Die gewünschten Aktionen können terminiert werden, so dass die «Ich wollte noch kurz tschüss sagen»-Mail zwei Wochen nach dem Ableben eintrifft.

Webwill ermöglicht es auch, seinen «World of Warcraft»-Charakter weiterzuvererben. Andere wollen vielleicht einen letzten Blogeintrag, ein Adieu-Mail an alle oder ein Album mit Erinnerungsfotos erstellen.

Kontrolle über das Leben hinaus

«Es geht nicht so sehr um den Tod, sondern vielmehr um das kontrollieren dessen, was danach übrig bleibt», findet dabei Webwill-Gründerin Granberg.

Für alle, die ihre Passwörter nicht schon frühzeitig dem besten Freund oder der besten Freundin verraten wollen, dürfte der Dienst wohl eine Alternative sein. Und natürlich auch für all jene, die auch im Jenseits Wert auf Privatsphäre legen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.07.2009, 15:07 Uhr

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