Der Anfang vom Ende von Facebook

Für den Buchautor Douglas Rushkoff ist der Deal mit Goldman Sachs der Anfang vom Ende des weltgrössten Netzwerks. Um das zu erkennen, genüge ein Blick in die IT-Geschichte.

Hält den Goldman-Sachs-Deal mit Facebook für zweifelhaft: Internetexperte und Buchautor Douglas Rushkoff.

Hält den Goldman-Sachs-Deal mit Facebook für zweifelhaft: Internetexperte und Buchautor Douglas Rushkoff. Bild: Keystone

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In einem aktuellen Kommentar für CNN stellt Buch-Autor Douglas Rushkoff eine angesichts der anhaltenden Facebook-Manie paradox klingende These auf: Der aktuelle Deal mit Goldman Sachs sei nicht der Beginn eines neuen Höhenflugs sondern die erste Phase des «Cash-out», also des Versuchs, möglichst viel realen Profit aus dem aktuellen Hype auf die Seite zu bringen.

Der Blick in die IT-Geschichte

Dabei sehe es rein oberflächlich zunächst einmal so aus, als könnte es gar nicht besser für Facebook laufen, wie auch Rushkoff selbst attestiert: Der langjährige Gegner Myspace sei de facto am Ende, gleichzeitig treibt Goldman Sachs derzeit mit einem Spezial-Deal ziemlich unproblematisch hunderte Millionen US-Dollar für das Unternehmen auf.

Ein Blick in die IT-Geschichte sollte Marktbeobachter hingegen zu denken geben: So war es etwa genau die Fusion von AOL mit Time Warner, welche den Anfang vom Abstieg des einst scheinbar unaufhaltsam wachsenden IT-Unternehmens signalisierte.

Verkauf von Myspace läutete Talfahrt ein

AOL habe damals versucht möglichst viel von der überzogenen Bewertung des Unternehmens in reale Werte umzusetzen. Ähnlich sei auch der Verkauf von Myspace an den Medienmogul Rupert Murdoch im Jahr 2005 am Höhepunkt der eigenen Entwicklung gestanden – der eine stete Talfahrt folgte.

Der aktuelle Investment-Deal sei der entsprechende Moment für Facebook – und zwar ein besonders zweifelhafter wie Rushkoff betont: Immerhin empfiehlt hier mit Goldman Sachs eine Firma das Investment, das noch 2008 zum Kauf von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren geraten hat – um dann selbst dagegen zu wetten. Zudem sollten alleine die Rahmenbedingungen schon misstrauisch machen: Immerhin muss Facebook hier (im Gegensatz zu einem Börsegang) keinerlei Geschäftszahlen offenlegen, womit man wohl versuche in der «sicheren Wolke des Hypes» zu bleiben, wie der Autor spekuliert.

Die Ära der Kurzzeit-Genies

Facebook versuche so, die Illusion aufrechtzuerhalten, dass man mittlerweile zu gross sei, um überhaupt wieder verschwinden zu können, was allerdings schlicht Unsinn sei, wie Rushkoff betont. Auch AOL-Boss Steve Case sei einst als Genie gepriesen worden (was sein Unternehmen jedoch auch nicht vor dem Niedergang bewahrt habe).

Rushkoff sieht soziale Netzwerke hingegen eher wie Räume im realen Leben: Wichtig sei nicht der Versammlungsort sondern die dort befindlichen Leute. Finden die Trendsetter einmal einen spannenderen Club, folgt die Masse, das sei auch im Web nicht anders. Entsprechend sei es auch falsch zu glauben, dass Myspace verloren und Facebook gewonnen habe, viel mehr habe zuerst Myspace gewonnen und danach dann Facebook. Und in exakt dieser Reihenfolge würden die beiden wieder untergehen, wie sich der Autor überzeugt zeigt. (derstandard.at)

(Erstellt: 12.01.2011, 06:06 Uhr)

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