Der Computer als Peepshow
Von Martin Kilian. Aktualisiert am 24.02.2010 1 Kommentar
Das elektonische Schlüsselloch: Heutzutage in fast jeden Laptop standartmässig eingebaut.
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Kaum etwas im Leben ist ähnlich aufregend wie der verbotene Blick durch ein Schlüsselloch: Der insgeheim Observierende wird zum Spanner, der sich eine eigene Peepshow verschafft. Alternativ dazu kann eine Peepshow angeboten werden: Man darf nach dem Entrichten eines saftigen Eintrittsgeldes hinter Glas eine Dame begaffen, die ihre Hüllen fallen lässt.
Nun können beide Spielarten dank der winzigen Linse, die sich über dem Bildschirm vieler Laptops befindet, kombiniert werden. Die Linse, das Auge der sogenannten Webcam, kann einerseits die Privatsphäre zerschmettern und erlaubt andererseits ein bislang unbekanntes und erstaunliches Ausmass an purem Exhibitionismus. Sie dient sowohl der Überwachung wie der Selbstdarstellung.
Zu alt, zu langweilig oder zu hässlich
Letzterer wird eine umwerfende neue Bühne geboten dank der Website ChatRoulette.com. Man stattet ihr einen Besuch ab – und prallt zurück. Denn ein Klick aktiviert die eigene Webcam, worauf die Verbindung zu einem völlig fremden Menschen hergestellt wird, der anonym und zufällig auf dem eigenen Bildschirm erscheint, indes man selber auf dem Bildschirm des Fremden sichtbar wird.
Man kann nun miteinander sprechen oder per Text kommunizieren – oder im Sekundentakt zur nächsten zufälligen Bekanntschaft eilen. Oder man wird dieser Wahl enthoben, da der Fremde seinerseits nach wenigen Sekunden weiterwechselt und damit klar zum Ausdruck bringt, dass man zu alt ist oder zu langweilig oder zu hässlich.
Durchs elektronische Schlüsselloch blicken
So trifft der elektronische Roulettespieler neugierige Studenten aus China oder kalifornische Exhibitionisten oder einen jungen Briten, der einen Selbstmord vortäuscht sowie jede Menge Jungs, die in die Linse masturbieren, derweil das eigene Selbstbewusstsein schwer gebeutelt wird durch die Masse der Kontakte, die sofort weiterklicken, kaum dass man auf ihrem Bildschirm gelandet ist.
ChatRoulette, die Erfindung eines jungen Russen, ist also die Peepshow schlechthin, repräsentiert aber nur eine Seite der Laptop-Linse: Wir gestatten auf diese Weise einem Fremden, durchs elektronische Schlüsselloch zu blicken. Die vermaledeite Linse kann aber auch zum Auge werden, das heimlich auf uns gerichtet wird. So soll es sich mit den Laptops von Schülern in einem Vorort Philadelphias verhalten haben, wo Schulbehörden 1800 Apple-McBooks ausgaben – und dann angeblich die Webcam ferngesteuert aktivierten, um die Pennäler zu Hause zu observieren.
Das FBI ermittelt
Das jedenfalls wird in einer Sammelklage behauptet, die das Ehepaar Robbins bei einem US-Bundesgericht einreichte. Seinem Sohn Blake war von der stellvertretenden Schuldirektorin Lynn Matsko vorgehalten worden, sich zu Hause «ungebührlich verhalten» zu haben. Als Beweis dafür präsentierte Matsko ein Foto, auf dem Blake angeblich Drogen genommen habe – in seinem Zimmer! Es habe sich um Süssigkeiten gehandelt, verteidigte sich der Fünfzehnjährige und wunderte sich über das Foto.
Nun stellt sich heraus, dass die Schulbehörden ein Apple-Sicherheitsfeature aktiviert hatten, das es erlaubt, ferngesteuert die Webcams aller MacBooks einzuschalten, um etwa einen Dieb identifizieren zu können, der einen schuleigenen Laptop entwendet hat. Oder um Schüler zu Hause zu überwachen und ihnen womöglich beim Ausziehen zuzuschauen. Die Schulbehörden räumten kleinlaut ein, die Fernüberwachung dutzendfach aktiviert zu haben.
Nun ermittelt das FBI, indes wir dank ChatRoulette und möglicher ferngesteuerter Ausspähung die Linse über unseren Computerbildschirmen mit völlig neuen Augen sehen: als Fenster zu einer entweder wirren oder illegalen Peepshow.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.02.2010, 04:00 Uhr
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1 Kommentar
Abhören kann man genauso. Und das wird auch gemacht, von Staaten und Geheimdiensten. Das eingebaute Mikrophon ist Sender und Empfänger. Es ist sehr einfach, so einen Computer zum Abhören von Gesprächen zu benutzen. Wir sind alle vernetzt, wir sind alle angeschlossen an Big Brother. Und da es ja den Quellenschutz gibt, kann und darf man jedes Material zur Manipulation der Geschichte verwenden. Antworten
Digital
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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