Der Dealer wartet im Internet
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 18.11.2008
Nicht nur bei Wohnungs- und Jobsuchenden beliebt: Das Kleinanzeigen-Portal Craigslist.
Craig Newmark ist Gründer von craigslist.org. (Bild: Keystone)
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Drogen 2.0
Die Rauschgift-Szene befindet sich in den einzelnen Ländern und auch international in ständiger Veränderung. Dies geht aus dem neusten Drogenbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) hervor. Eine neue Entwicklung in Europa ist der boomende Drogenhandel im Internet. Derzeit würden auf Online-Shops über 200 illegale psychoaktive Substanzen vertrieben.
Das amerikanische Netzwerk Craigslist ist ein Online-Kleinanzeigendienst für Wohnungen, Stellen, Handwerker, Service und Foren. Mit weltweit über drei Milliarden Seitenbesuchen und zehn Millionen Nutzern pro Monat ist es das grösste Online-Portal seiner Art. Die Anzeigen sind mehrheitlich kostenlos. Nur für wenige wird ein Betrag fällig, zum Beispiel bei Job- oder Wohnungsangeboten in New York. Darüber finanziert sich die Firma, die mit gerade mal 25 Mitarbeitern auskommt.
Derzeit haben die Betreiber von Craigslist allerdings wenig Grund zur Freude. Laut einem Bericht der New Yorker Zeitung «Daily News» hat das über craigslist.org abgewickelte Drogenhandelvolumen ein solches Ausmass angenommen, dass die zuständige Staatsanwältin Bridget Brennan dem Portal empfiehlt, verdächtige Anzeigen sofort vom Netz zu nehmen.
«Tina Turner» zum Schnupfen
Die Dealer bieten die Drogen nicht direkt an, sondern verkaufen sie unter unverdächtigen Produktenamen. Verdeckte Ermittler haben herausgefunden, dass Kokain etwa unter der Bezeichnung «Skitickets» und Crystal Meth (eine extrem süchtig machende Droge) unter «Tina Turner Tickets» zum Verkauf angeboten werden. In den letzten vier Jahren hat Brennans Büro über ein Dutzend Verfahren gegen die verkappten Online-Drogendealer eingeleitet.
Für Craigslist kommt die neuste Enthüllung mehr als ungelegen. Erst kürzlich musste das Unternehmen gegen Anbieter von «erotischen Dienstleistungen» vorgehen. Hintergrund dieser Aktion war laut der «New York Times» eine von 40 Staatsanwaltschaften ausgehende Aufforderung zu solchen Massnahmen, die Craigslist schon vor Monaten zugestellt wurde. Für die Staatsanwälte beziehungsweise Justizminister der US-Bundesstaaten sind diese Kleinanzeigen oft ein Problem, weil Prostitution in vielen Regionen der USA strafbar ist.
Inserenten unter der Lupe
Pikanterweise wurde erst Anfang des Jahres der Gouverneur und frühere Generalstaatsanwalt der Stadt New York, Eliot Spitzer, verhaftet, weil er selbst Kunde eines Prostituierten-Rings war.
Craigslist führte nach der staatsanwaltschaftlichen Aufforderung ein System ein, um die Inserenten leichter zu identifizieren. Experten zweifeln, ob diese Massnahme auch ein probates Mittel gegen Online-Dealer ist.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.11.2008, 16:25 Uhr
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