Der nächste Tech-Guru

Nach dem Tod von Steve Jobs sucht die Tech-Welt einen neuen Messias. Elon Musk hätte das Zeug dazu: Er erfand Paypal, baut Elektroautos, setzt auf Solarenergie und will mit seinen Raketen auf den Mars.

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Unzählige Nachrufe würdigen in diesen Tagen Steve Jobs. Die Medienwelt ist sich weitgehend einig: Man verlor mit dem charismatischen Apple-Gründer nicht nur einen brillanten Geschäftsmann, sondern einen visionären Geist, eine Ikone des Fortschritts.

Längst wird in Nachrichtenmagazinen die Frage gestellt, wer das Potenzial zum nächsten Steve Jobs hat. In den Kommentarspalten wird über den nächsten «Tech Guru» gerätselt, dabei tauchen die üblichen Verdächtigen auf: Es sind dies Google-Gründer Larry Page, Twitter-Erfinder Jack Dorsey, Amazon-CEO Jeff Bezos oder Facebook-Besitzer Mark Zuckerberg.

Ein Name wird in den Medien allerdings eher selten erwähnt: Elon Musk. Dabei muss der 39-Jährige den Vergleich mit bekannten Internetunternehmern wie Zuckerberg oder Page überhaupt nicht scheuen. Auch was Musk bislang in seiner Karriere auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend.

Unternehmertum statt Doktortitel

Musk kam 1971 im südafrikanischen Pretoria zur Welt. Mit zehn Jahren begann er zu programmieren und galt in der Schule als Wunderkind. Als Musk 1995 an die kalifornische Stanford University ging, er studiert Physik und Wirtschaft, verzichtete er auf die Promotion und gründete stattdessen eine Softwarefirma, die er vier Jahre später für 307 Millionen US-Dollar an Compaq verkaufte.

Musk gründete eine zweite Firma und konzentrierte sich auf die Entwicklung eines Micropayment-Systems fürs Internet. Zwei Jahre später fusionierte er mit der Konkurrenz, entwickelte das weltweit führende Online-Bezahlsystem Paypal und verkaufte das Unternehmen 2002 für 1,5 Milliarden Dollar an das Internetauktionshaus Ebay. Musk hielt 11,7 Prozent der Firmenanteile.

Da er vom Internet genug hatte, gründete er im selben Jahr die Raumfahrtfirma Space X. Sein Unternehmen arbeitet an der Entwicklung eines kommerziellen Raumfahrzeugs, das künftig Astronauten und Nutzlast zur Internationalen Raumstation ISS bringen soll. Seine Raketen haben bereits Testflüge absolviert und laut Musk soll eine Rakete im Frühjahr 2012 den ersten unbemannten Flug zur Raumstation ISS unternehmen. Die Nasa setzt auf den jungen Unternehmer und vergibt seiner Firma bereits Aufträge in Milliardenhöhe, da sie durch die Stilllegung der Spaceshuttle zu sehr auf die russischen Sojus-Raketen angewiesen ist. Musks grosse Leistung: Die Starts seiner Raketen kosten nur rund ein Drittel von dem, was vergleichbare staatlich finanzierte Raumflüge ausmachen.

Eroberung des Planeten Mars als Ziel

Musks Vision beschränkt sich nicht allein auf die Eroberung des Weltraums. Er will nämlich auf den Mars. Gerade lässt er eine Rakete entwickeln, die bis zu 2000 Tonnen Material zum Roten Planeten bringen soll. «Wenn wir erst einmal eine feste Station auf dem Mars haben, ändert sich alles», sagte Musk kürzlich in einem Interview. In zehn bis 20 Jahren soll die Eroberung des Planeten so weit sein.

Für Schlagzeilen sorgt der «Daniel Düsentrieb» nicht allein mit seinem ambitionierten Raketenunternehmen. Er ist auch das Aushängeschild des Elektroautobauers Tesla Motors. Seit 2003 ist er Hauptaktionär des Unternehmens. Noch verdient die Firma kein Geld mit ihren Innovationen. Beeindruckend sind allerdings die Leistungswerte des bekannten Roadster Model S: Bei nicht allzu sportlicher Fahrweise kommt der Tesla mit seinem Akku 400 Kilometer weit. Damit ist er doppelt so energieeffizient wie der Prius von Toyota. Zwei Modelle will Musk in den nächsten Jahren auf den Markt bringen, die nur noch ein Drittel so viel wie der Roadster kosten sollen. Gegenwärtig muss ein interessierter Käufer rund 150'000 Franken auf den Tisch legen.

Und nebst schnellen E-Autos und Raketen ist Musk auch gross im Geschäft mit alternativen Energien. 2006 gründete er die Firma Solar City, die Solaranlagen betreibt. «Die Zukunft ist elektrisch», ist Musk fest überzeugt. Und weil er Solaranlagen, Autos und Raketen zwar nicht neu erfindet, sie aber billiger und rentabel macht, ist der prominente Analyst Steve Milunovich von Merrill Lynch überzeugt: Elon Musk ist der neue Steve Jobs. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.10.2011, 21:05 Uhr)

10 Fragen an Elon Musk

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