Die Datenschnüffler-Lobby macht mobil

Die grossen Internet-Konzerne Google, Facebook und Yahoo wehren sich gegen ein Gesetz, welches den Browser-Datenschutz obligatorisch macht – und bekommen Hilfe von unerwarteter Seite.

Firefox 4: So richtet man die «Do not track»-Funktion ein.
Quelle: Youtube


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Mozillas neuster Browser Firefox 4 hat es: Die sogenannte «Do not track»-Funktion. Sie verhindert das Ausspionieren der Nutzer via Browser. Werbeunternehmen haben keine Freude daran, denn die Funktion verhindert das Ablegen von Cookies auf dem Computer des Nutzers und damit gezielte, auf den Nutzer zugeschnittene Werbung.

Auch beim neuen Internet Explorer 9 haben die Nutzer (in etwas abgeänderter Form) die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies via Microsoft-Browser zu erlauben oder zu verbieten. Dieser Privatsphärenschutz wird gemäss unbestätigten Angaben zudem in Apples Betriebssystem Mac OS X (Version Lion) eingebaut, das diesen Sommer herauskommt.

Auch Hollywood mischt mit

Ist aus Sicht der Konsumenten alles paletti? Keineswegs. Laut einem Bericht von «Marketwatch» regt sich in den USA, dem Land mit den meisten und grössten IT-Unternehmen der Welt, massiver Widerstand von Wirtschaftsverbänden sowie Facebook, Google und Yahoo. Sie opponieren gemäss dieser Quelle gegen ein kalifornisches Gesetz, welches die «Do not track»-Funktion zur Pflicht macht.

Die Parteien werden im Kampf gegen den von Senator Alan Lowenthal vorgebrachten Vorstoss für den gesetzlich festgeschriebenen Datenschutz von der einflussreichen Motion Picture Association of America (MPAA) unterstützt, der Selbstorganisation der amerikanischen Filmproduzenten und -verleiher.

Die Argumente für den «Anti-Datenschutz»

Die Kritiker monieren, dass sich ein solches Gesetz «negativ auf die Konsumenten auswirken» würde, denn diese schätzten «inhaltsreiche und kostenlose Services». Die Verpflichtung, «Do not track»-Funktionen einzubauen, würde zu einem Rückgang der Werbeeinnahmen führen und Gratis-Inhalte nicht mehr finanzierbar machen.

Ob die starke Lobby mit ihrem Engagement in Kalifornien Erfolg hat, darf allerdings bezweifelt werden. Denn über Anti-Schnüffel-Vorlagen wird nach Vorstössen der Senatoren Jon McCain und John Kerry seit ein paar Monaten auch in Washington diskutiert. (rek)

Erstellt: 06.05.2011, 13:15 Uhr

EU will mehr Datenschutz

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Viviane Reding, sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung», Hersteller von Hard- und Software hätten durch eine «transparente, datensparsame, kontrollierbare und damit Missbrauch vermeidende Technikgestaltung zur Risikobegrenzung beizutragen».

«Wenn neue Geräte, Programme und Anwendungen entwickelt werden, muss der Datenschutz Teil des Entwicklungsprozesses sein», sagte Reding. Den besseren, produktseitigen Schutz gewährleisten soll eine Art «Datenfolgeabschätzung». Sie sei wichtiger Eckpfeiler bei der Überarbeitung der bestehenden EU-Datenschutzrichtlinie aus dem Jahr 1995, die die EU-Kommission derzeit durchführe. «Ich strebe dabei insgesamt eine deutliche Verstärkung des Datenschutzes an». (DAPD)

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