Die Mär von der Vereinsamung
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Virtuelle soziale Netzwerke wie Facebook ( 31.91 -3.39%) oder StudiVZ können nach Ansicht des Berliner Jugendforschers Klaus Hurrelmann Freundschaften bereichern. Entgegen vieler Vorurteile von Eltern und Pädagogen böten sie für die grosse Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen Möglichkeiten für soziale Kontakte, die es früher so nicht gegeben habe, sagte Hurrelmann im dapd-Gespräch.
Der Kern der Freundschaft bleibt unverändert
Nur bei einer Minderheit von etwa 20 bis 25 Prozent der jungen Leute litten persönliche Freundschaften unter den virtuellen Beziehungen. «Die sozialen Netzwerke ziehen natürlich auch diejenigen magisch an, die soziale Kontaktprobleme haben», erklärte er. «Da lassen sich Ursache und Wirkung nicht auseinanderhalten.»
Mediale Netzwerke für sich persönlich gewinnbringend zu nutzen, hänge davon ab, wie kompetent jemand in anderen Bereichen sei, welche sozialen Fähigkeiten er besitze, erläuterte Hurrelmann. Seien diese normal ausgeprägt, könne der Nutzer von den neuen Möglichkeiten profitieren. Der Begriff Freundschaft lasse sich enorm erweitern und erhalte eine neue Facette, «der Kern der persönlichen Freundschaft aber bleibt unverändert».
Medien-Kids sind «richtig isoliert»
Es gebe aber eine Gruppe junger Leute, die extrem viel Zeit am Computer verbringe, sagte Hurrelmann und bezog sich dabei auf die von ihm herausgegebene World-Vision-Kinderstudie, die im Sommer veröffentlicht worden war. Diesen sogenannten Medien-Kids, einem knappen Viertel der Kinder, fehle die Zeit für persönliche Kontakte. Für sie gelte: «Je mehr Netzwerk-Freunde, desto kleiner und verarmter der persönliche Freundeskreis. Einige dieser Kinder sind richtig isoliert.»
Diese Kinder und Jugendlichen verlören mit der Zeit die Fähigkeit, persönliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, erklärte der Sozialwissenschaftler. Denn beim direkten Kontakt seien im Vergleich zu virtuellen Freundschaften weit mehr Sinne beteiligt - allein schon das Sehen und das Hören. Medien-Kids könnten damit nur schwer umgehen, sie hätten nicht die Fähigkeit, Konflikts, Enttäuschungen und Zurücksetzungen auszuhalten, die zu einer echten Freundschaft dazu gehören.
Blockaden in der virtuellen Welt überspielen
Das Problem liege allerdings nicht bei den neuen Medien, die seien eher ein Symptom für die Kontaktprobleme, betonte Hurrelmann. Es sei eher so, dass Kinder und Jugendliche, die ohnehin Probleme mit sozialen Beziehungen hätten, durch die Netzwerke einen neuen Kanal gefunden hätten, um sich und andere davon abzulenken. «Früher fiel jemand in der Gruppe auf, der sozial gestört war.» Heute habe man in den virtuellen Netzwerken neue Möglichkeiten, bestehende Blockaden zu überspielen. Dies könne unter Umständen sogar eine therapeutische Wirkung haben, sagte der Jugendforscher.
(rek/dapd)
Erstellt: 29.12.2010, 12:06 Uhr
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