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Die Musiksammlung verschwindet im Netz

Die Konsumgewohnheiten ändern sich erneut: CDs und Musikdownloads werden durch Streaming-Dienste abgelöst. Der Nutzer bezahlt eine Abogebühr und erhält Zugriff auf ein fast unbegrenztes Angebot.

«Music» von Google bringt die Musiksammlung via Internet aufs Mobilgerät: Der Dienst ist erst in den USA verfügbar.

«Music» von Google bringt die Musiksammlung via Internet aufs Mobilgerät: Der Dienst ist erst in den USA verfügbar.
Bild: PD

Museeka.com

Schweizer Suchmaschine

Wie findet man in einer Musikauswahl von Millionen von Songs die Titel, die man hören oder kaufen möchte? Die grossen Musikplattformen bieten dem Kunden ein Vorschlagssystem, das mit einer Technik namens Collaborative Filtering aufgrund bekannter Vorlieben weitere Titel vorschlägt. Diese Methode hat einen grossen Nachteil: Sie bedient und fördert den Massengeschmack. Titel, die von wenigen Kunden gekauft oder gehört wurden, tauchen selten in den Empfehlungen auf.

Diesem Manko will ein neuer Dienst begegnen. Museeka wurde in der Schweiz an der EPFL Lausanne entwickelt und verwendet einen automatischen Algorithmus, der rund 3000 Eigenschaften eines Stücks analysiert – unter anderem Tempo, Harmonie oder Klangqualität. Daraus entsteht die sogenannte DNA des Titels, die für die Empfehlungen herangezogen wird und die unabhängig von der Popularität eines Stücks entsteht. Museeka kann über deren Website oder über eine App für iPhone und Android genutzt werden. Im Angebot sind im Moment 2,5 Millionen Tracks aus den Katalogen von Sony und EMI, Verhandlungen mit weiteren Musiklabels werden derzeit geführt.Der Dienst steht derzeit einer beschränkten Anzahl von Nutzern gratis zum Test zur Verfügung. Ab 1. August startet der reguläre Betrieb, bei dem für 15 Franken pro Monat unbeschränkt viele Titel via Streaming gehört werden können. Über das kostenlose Angebot Museeka Discover gibt es 30-Sekunden-Hörproben und die Möglichkeit, Songs bei einem der grossen Online-Dienste als Download zu erwerben. (schü)

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Eine grosse Musiksammlung ist ein Statussymbol der Vergangenheit. Angefangen hat der Niedergang der CDs und Langspielplatten als physische Musikträger 2003. In diesem Jahr lancierte Apple den iTunes Store. Das Unternehmen ist mit seinem Online-Laden inzwischen zum grössten Musikverkäufer avanciert. 15 Milliarden Titel hat Apple seither verkauft und den Download als Bezugsform salonfähig gemacht. Das Angebot stellt mit 18 Millionen Songs jeden herkömmlichen Plattenladen in den Schatten. Ausserdem gibt es online fast jeden Titel einzeln zu erwerben.

Bei Musikdiensten wie dem iTunes Music Store oder Amazon MP3 geht eine Musikdatei in den Besitz des Käufers über. Mit dieser Datei kann er jedoch nicht alle Dinge anstellen, die mit einer CD oder LP rechtens wären. Amazon verbietet etwa in den Nutzungs- und Verkaufsbedingungen explizit den Weiterverkauf oder Verleih.

Viel Musik für wenig Geld

Bedenken, die bald keine Rolle mehr spielen dürften. Bei der neuesten Form des Konsums gibt es keine Dateien mehr, die man besitzen könnte. Dienste wie Simfy, Grooveshark oder Soundshack von «20 Minuten» ersetzen den Download durch das Streaming. Titel werden immer vom Server des Anbieters geladen. Der Datenstrom (englisch Stream) wird nicht auf dem Gerät des Nutzers gespeichert (oder nur in unzugänglicher Form für die Offline-Nutzung).

Der Besitz von Musik entfällt, dafür kann sich der Nutzer nach Lust und Laune beim gesamten Angebot bedienen. Es umfasst, je nach Dienst, mehrere Millionen Songs und kann so lange genutzt werden, wie man die Abogebühr zahlt: Musik als Flatrate, bei Simfy beispielsweise ab 12 Franken pro Monat. Es geht sogar gratis, wie Youtube beweist: Die Videoplattform stellt ein grosses Streaming-Angebot für populäre Musik zur Verfügung. Ein Teil der Titel wird von den Interpreten selbst zu Werbezwecken veröffentlicht. Den Rest laden Fans hoch, was nicht legal ist, von den Rechteinhabern aber oft toleriert wird.

Einfachheit ist das Zauberwort

Der Schaden wäre grösser, wenn sie nicht auf Youtube präsent wären. Ein Vorteil der Streaming-Dienste ist das riesige Angebot. Es fehlt ihm zwar an den Raritäten, mit der eine jahrzehntelang gepflegte private Musiksammlung aufwartet. Aber sie bedient ideal die Konsumenten mit einem Aufmerksamkeitsdefizit, die sich also weniger gewohnt sind, Alben ganz zu hören, und lieber impulsiv von einer Popnummer zur nächsten zappen. Neue Dienste wollen aber auch dem ernsthaften Musikliebhaber einen Mehrwert bieten. Die junge Schweizer Suchmaschine museeka.com (siehe Kasten) verspricht aufregende Entdeckungen jenseits des Mainstreams. Durch Auswerten und Vergleichen des «Erbguts» passender Tracks kommt die Software auch unbekannten Interpreten aus der Alternative-, Jazz- oder Klassik-Ecke auf die Spur. «Es ist eine Frage der Vorliebe», erklärt Lars Farnstrom, Mitgründer und Geschäftsführer von museeka.com.

«Viele Leute haben viele CDs zu Hause, die sie sich nie anhören. Streaming gibt, zum kleinen Preis, einfachen Zugang zu aller Musik.» Einfachheit ist das Zauberwort auch bei den neuen Diensten, welche die private digitale Musiksammlung mit der sogenannten «Cloud» im Internet verheiraten. Amazon, Google (GOOG 605.295 -0.44%) und Apple haben angekündigt, sich der zunehmend komplizierten Verwaltung anzunehmen. Dieses Problem taucht auf, weil wir Musik auf immer mehr Geräten konsumieren. Nebst dem Heimcomputer kommen auch Büro-PC und Mobilgeräte zum Einsatz. Da iPods, Smartphones und Tablets oder das populäre MacBook Air wenig Speicherkapazität aufweisen, muss der Anwender entscheiden, welche Teilmenge seiner Sammlung er pro Gerät mit sich führt. Die Lösung heisst bei Google Music Beta und bei Amazon Cloud Player, beide sind erst in den USA verfügbar: Die ganze Musik muss auf einen Server im Netz hochgeladen werden und wird anschliessend nach Bedarf gestreamt.

Nur Brosamen für die Musiker

Apple hat bei der frühestens ab Herbst verfügbaren iCloud eine kostenpflichtige Funktion namens iTunes Match eingebaut, die auf dem eigenen Computer vorhandene Songs durch eine qualitativ hochwertige Version in der iCloud ersetzt, die automatisch auf alle eigenen Geräte heruntergeladen wird. Manche sehen darin bereits auch einen Weg, illegal angeschaffte Musik aus Tauschbörsen zu legalisieren.

Ein negativer Aspekt der Streaming-Dienste ist: TheCynicalMusician.com hat 2010 berechnet, wie sich die neuen Vertriebsformen auf die Einnahmen von Musikern auswirken. Wie kommt ein Musiker auf einen Mindestlohn von 1160 US-Dollar im Monat? Von einer selbst gepressten CD muss er lediglich 143 Stück verkaufen. Im Laden wären bereits 1161 Platten abzusetzen. Bei iTunes braucht es 1229 Album-Downloads. Beim Streaming-Dienst Last.fm müsste ein Stück hingegen 1'546'667-mal und via spotify.com 4'053'110-mal gespielt werden, um den Mindestlohn einzuspielen. Für Fans müsste dies Grund genug sein, die Lieblingsbands auch weiterhin mit einem herkömmlichen Albumkauf zu unterstützen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.06.2011, 20:59 Uhr

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20 Kommentare

Remo Barny

20.06.2011, 22:59 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich habe ein Problem damit, wenn man nichts mehr "physisch" auf eine Medium erwerben kann. Das ganze ist bei Computerspielen schon länger im kommen. Filme on Demand vernichten die Videotheken, und jett noch Musik über eine cloud Lösung....ich weis nicht, was ist mit dem Occasions Markt? Der wird mit dieser Entwicklung Schritt für Schritt zerstört, wohl auch nicht ganz unabsichtlich. Nein danke! Antworten


Philipp Tamburri

20.06.2011, 13:51 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Vinyl rules!! Antworten


Nada Perez

20.06.2011, 12:38 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Digitale Musik, ist und bleibt virtuell (wie alles andere Digitale übrigens auch), heisst: "nicht Richtig". Ob Musik/Film jetzt von einem Digitalen Datenträger/Anbieter (!) oder "in Echt" wertgeschätzt wird, ist vermutlich die Frage welche man sich stellen dürfte. Antworten


Michael Sengers

20.06.2011, 17:22 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Weiss nicht. Früher waren es Wellen, gepresst in Plastik (die LP). Oder magnetisch geladener Metalstaub (Kassette). Dazu brauchte man einen Plattenspieler oder Kassettenspieler. Heute ein digitales Abspielgerät. Alles nicht richtig? Was ich geniesse ist schlussendlich die Musik.


Nada Perez

20.06.2011, 14:07 Uhr
Melden 2 Empfehlung

@A. Gretener: Das sehen Sie richtig so (Einmal abgesehen von Ihrer Persönlichkeitsanalyse). Allerdings sehe ich das Problem mit der Romantik nicht. Und der Wert von Geld ist übrigens auch virtuell. Das ist nicht wertend, sondern eine Feststellung.


Adam. Gretener

20.06.2011, 12:50 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Dann ist ihr Kommentar auch nicht real und existent, oder? Sie haben eine romantische Sicht auf die Dinge von "früher", dagegen lässt sich nichts sagen. Auch ihr Bankkonto ist virtuell, und trotzdem echt.


Michael Sengers

20.06.2011, 11:25 Uhr
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Schliesse mich an die Meinung von Brian Schlegel an. Speicherplatz Entwicklung bleibt nicht stehen und es gibt intelligente Playlists. Persöhnlich glaube ich nicht an Clouds. So wie auch von PC's ohne Festplatte immer wieder gesprochen wird (Net PC), der Durchbruch aber nicht erfolgt ist. Vielleicht nostalgisch, aber das 'Erlebnis' Musik mit Plattenladen etc. ist weg. Positiv: Internet Radios. Antworten


Brian Schlegel

20.06.2011, 10:45 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Die ganze Streaming- und Cloud-Idee ist ja gut und recht, aber wie soll ich mit meinem Swisscom Liberty Mezzo und seinen 250 MB Daten pro Monat Musik und anderes auf mein Mobilgerät streamen? Bevor man das ganze wirklich unbeschwert nutzen kann, steht noch irgend ein revolutionärer Umbruch seitens der Telecom-Anbieter an. Antworten


Hans Eichhorn

20.06.2011, 11:18 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Amen! Das Cloud-Angebot ist daruaf angewiesen, dass man überall und immer wenn man Musik hören will, auch eine Internetverbindung hat. Bei den Preisen im Schweizer Markt ist das aber für viele nicht erschwinglich. Monatlich ein bis zwei CD's zu kaufen ist billiger. Und man hat die Musik auch noch in 10 Jahren, wenn die Band aus dem Mainstream verschwunden ist :-P


Ulrich Raumer

20.06.2011, 10:41 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Andere Quellen werden sehr wichtig um neue tolle Künstler zu entdecken. Der Musikgeschmack verändert sich mit dem älter werden stark. Auch die dafür aufgewendete Zeit nimmt rapide ab. Was sind wir früher stundenlang im MusicCenter rum gehangen auf der Suche nach guter Musik! Und wer hat heute noch eine hochwertiges Equipment um das auch zu geniessen? Für die Labels geht Quantität vor Qualität. Antworten


Daniel Schönberger

20.06.2011, 09:50 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Ja, die Soundqualität bei solchen Diensten wird wohl noch ziemlich lange nicht so richtig überzeugen, weshalb ich auch weiter CDs kaufen werde. Und doch lassen sich die Vorteile von Musik in der Cloud nicht wegdiskutieren. Ausserdem lassen sich mit Streaming Diensten (z.B. last.fm) auch neue Künstler und Musikstile entdecken. Es geht hier also nicht um entweder oder. Ich nutze begeistert beides. Antworten


Aschy Furrer

20.06.2011, 09:47 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Alle solchen Wolkendienste sind unglaublich praktisch, um jedem Nutzer jederzeit alles wieder wegnehmen zu können, oder auch mal schnell die Preise anzupassen. Immerhin repräsentieren diese rund 1200 CDs, die da nebem meinem Computer im Regal stehen, die Tatsache, dass ich diese Musik rechtmässig so oft hören darf wie ich will. Antworten


Peter Vogler

20.06.2011, 09:21 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Ich kann mir nicht vorstellen,dass ein echter Musikliebhaber sich mit so einer nebulösen Musikwolke zufrieden gibt.Da gibt es wohl kein Booklet,welches wichtige Informationen über die Musik enthält.Ausserdem brauche ich
überall einen Internetzugang.Auf meinem iPod mit 80 GB habe ich fast meine ganze Klassik - CD Sammlung von rund 300 CD`s abgespeichert und die Festplatte ist noch lange nicht voll.
Antworten


Clemens Ditrisbach

20.06.2011, 08:41 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Tja, liebe Apple-Jünger, jetzt habt ihrs auch schon gemerkt, dass es anders auch geht. Ich nutze Grooveshark schon seit einem Jahr, manchmal mache ich sogar einen Mp3-Download (gratis Programme findet man im Netz). Alles gratis und erst noch legal. Aber wieso kostenlose Musik, wenn man für gutes Geld Herrn Jobs ITunes finanzieren kann und das Marketing einem als hippen User hochjubelt....;-)) i Antworten


Clemens Ditrisbach

21.06.2011, 16:42 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Hoffe einfach, dass alle, die hier kostenlose Musikdownloads verpönen, die Zeitung abonniert haben und nicht gratis im Netz lesen....;-))


Karsten Schulz

20.06.2011, 09:45 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Lieber Clemens, bin Apple-User, aber jeden Mist mache ich nicht mit, du schon. Ich lege Wert, dass sich mein Musikkonsum nicht auf digitales Download beschränkt, ich kaufe auch CD`s und lade ganze Alben bei iTunes. "Kostenlos" ist in jedem Falle nicht gut für kreative Musiker, die wirklich gut sind. Woher soll "gute" Musik kommen, wenn alle nichts mehr zahlen wollen? Dann musste recyceln, gell!


Marco Lardi

20.06.2011, 06:51 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Wie kann bei einer MP3 Aufnahme von einer qualitativ hochwetigen Aufnahme gesprochen werden? Da wird ein
VW Käfer als Ferrari verkauft.
Antworten


Peter Vogler

21.06.2011, 09:02 Uhr
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Die Kassettenaufnahmen-Wiedergabe war auch alles andere als hochwertig,trotz
analoger Technik.Am schlimmsten waren die fürchterlichen Gleichlaufschwank-
ungen,welche man mit dem Reinigen der Andruckrollen kaum in den Griff bekam.
Ein Piano das jault und wimmert ist nicht sehr angenhm.Warum Apple in ihren
Geräten so schlechte Digital-Analog-Wandler einsetzt,obschon bessere kaum teurer sind?


Daniel Sommer

20.06.2011, 14:19 Uhr
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Die Dynamilk von Vinyl ist traumhaft. Aber im Zeitalter von FLAC ist der unterschied doch sehr gering. MP3 zeigt schön unsere Gesellschaft, Quantität vor Qualität.


Roland Peter

20.06.2011, 08:46 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Wenn man es sehr genau nehmen will, dann ist JEDE digitale Aufnahme und Wiedergabe alles andere als hochwertig.



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