Die sieben Herrscher über das Internet

Weltweit sieben Personen wurden auserkoren, die nun die Macht des Internets innehaben. Im Falle einer Cyberattacke können sie das Web neu starten. Dazu müssen sie sich an einem geheimen Ort treffen.

Im Fall einer Cyberattacke sind fünf der sieben ausgewählten Schlüssel nötig.

Im Fall einer Cyberattacke sind fünf der sieben ausgewählten Schlüssel nötig. Bild: Keystone

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Es klingt wie der Plot eines Actionfilms mit Tom Cruise oder Matt Damon in der Hauptrolle. Oder wie die Geschichte aus «Herr der Ringe», in der ein Herrscher des Bösen mit einem einzigen Ring die Welt beherrschen will.

Im richtigen Leben handelt es sich zwar nicht um einen Ring, sondern um sieben Schlüssel. Doch auch sie können gewissermassen die Welt beherrschen, zumindest die virtuelle. Schon seit längerem kursierten Gerüchte über einen «Kill Switch», eine Art Schalter, der das weltweite Web im Falle einer Terrorattacke herunterfahren und neu starten könnte.

Treff an geheimem Ort

Nun haben sich die Gerüchte zumindest ansatzweise bewahrheitet. Die Non-Profit-Organisation Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hat bekannt gegeben, dass die Macht des Internets an sieben Menschen verteilt wurde. Je eine Person aus den USA, Grossbritannien, Burkina Faso, Trinidad Tobago, Kanada, China und der Tschechischen Republik wurde auserkoren. Jeder von ihnen soll seinen Schlüssel, einen sogenannten Smart Key, kürzlich in einem abgelegenen amerikanischen Bunker erhalten haben.

Im Fall der Fälle müssen sich mindestens fünf der sieben Schlüsselträger an einem geheimen Ort in den USA treffen. Dort würden sie mit ihren Smart Keys, die jeweils einen Teil des Freischaltcodes tragen, gemeinsam das Internet neu starten. Quasi «Control, Alt und Delete» für Fortgeschrittene.

Denn würde das Web durch eine Cyberattacke lahmgelegt, könnte das neue Internet-Sicherheitssystem DNSSEC beschädigt werden (siehe Infobox). Dies hätte verheerende Auswirkungen, wenn man etwa bedenkt, dass sich allein schon in der Weltwirtschaft fast alles nur noch im Web abspielt. Falls es weniger als fünf Schlüsselträger zum geheimen Ort schaffen, gibt es einen Plan B. Offenbar existieren ein paar Ersatzkarten, die notfalls vor Ort von ebenfalls auserkorenen Personen eingesetzt werden könnten.

Brite verrät Versteck

Dass es weltweit nur einen Schlüsselträger geben würde, wie in «Herr der Ringe», kam nicht infrage. «Die EU hätte nicht gewollt, dass die USA ihn hat, der Mittlere Osten nicht, dass die EU ihn hat, und die USA hätte nicht gewollt, dass überhaupt jemand anders ihn hat», sagte Paul Kane zu «The Guardian». Er ist einer der sieben Schlüsselträger, der Vertreter Grossbritanniens.

Alle sieben sind Technologieexperten, in welche die ICANN offenbar ein grosses Vertrauen setzt. Paul Kane gibt sich jedoch relativ offen. Dem Magazin «New Scientist» verriet er sogar, wo er den Schlüssel aufbewahren wird: in einer bombensicheren Tasche in einem Tresor. Hoffentlich sind seine sechs Kollegen etwas schweigsamer. (dj)

(Erstellt: 30.07.2010, 08:32 Uhr)

Begriffserklärungen

ICANN
Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers ist eine amerikanische Non-Profit-Organisation. Sie verwaltet unter anderem die Vergabe von Top-Level-Domains und will für Sicherheit im Web sorgen.

DNSSEC
Das Online-Sicherheitssystem DNSSEC (Domain Name System Security) wurde in den vergangenen zehn Jahren von der ICANN entwickelt. Damit können sich die Internetnutzer vor gefälschten Websites schützen. Das war bislang nicht der Fall. Wer heute eine Website ansurft, kann nicht sicher sein, dass er tatsächlich das sieht, was der Eigentümer der Website eigentlich zeigen wollte. Es ist möglich, dass sich unbemerkt ein Krimineller dazwischen geschaltet hat. So ist es zum Beispiel möglich, dass ein Betrüger den Datentransfer beim Online-Banking auf eine andere Website umleiten und sich so unbemerkt Zugang zu Bankkonten verschaffen kann.

Smart Key
Der Smart Key ist eine Art Schlüssel. Jeder der sieben Schlüssel trägt einen Teil des Codes, mit dem das DNSSEC neu gestartet werden könnte.

Ungefähr so könnten die sieben Smart Keys aussehen.

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