ETH arbeitet an Internet-Neustart

Hackerangriffe und NSA-Affäre: Zürcher Forscher planen ein sicheres Internet unter regionaler Kontrolle. Dabei kooperieren sie mit Kollegen aus den USA und Fernost.

Kann man das komplexe System Internet überhaupt noch beeinflussen? Wissenschaftler Adrian Perrig glaubt daran: Kabel an einem Computer. Bild: Keystone

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Das Internet ist anfällig geworden, dies zeigen Angriffe von Hackern und Geheimdiensten. Nun arbeiten Wissenschaftler an der ETH Zürich an einem völlig neuen Aufbau des Internets. Dies berichtet die «NZZ am Sonntag». Damit wollen sie das Netz zuverlässiger und sicherer machen. Derzeit bauen sie ein weltumspannendes Testumfeld auf, an dem sich neben Hochschulen aus den USA, Korea, China und Japan auch die Swisscom sowie das japanische Telecomunternehmen KDDI, die Nummer 2 im japanischen Markt, beteiligen.

Die neue Architektur des Internets namens Scion soll die Netze sicherer machen, gleichzeitig den internationalen Datenaustausch nicht behindern, sondern sogar noch vereinfachen. Die Sender und Empfänger sollen selbst bestimmen, welche Routen ihre Daten nehmen und welche zu vermeiden sind. Sie haben die Möglichkeit, Verbindungen durch Länder zu sperren, aus denen sie Hackerangriffe erwarten oder deren Datenschutzrichtlinien sie ablehnen. Heute werden Daten unterwegs manchmal abgefangen, umgeleitet oder vernichtet.

Virtuelle Grenzübergänge

«Die Mitglieder einer Isolations-Domain teilen eine vertragliche oder gesetzliche Basis», sagt ETH-Professor Adrian Perrig in der Zeitung. So wäre es beispielsweise denkbar, dass sich die Kantone der Schweiz oder die Staaten der EU zu einer Isolations-Domain zusammenschliessen. Ihren internen Datentransport würden sie autonom steuern, fremde Netze aus anderen Regionen hätten keine Einflussmöglichkeiten. Für die Kommunikation mit ihnen stünden sogenannte Edge-Router an den Aussengrenzen der Domains bereit, die wie virtuelle Grenzübergangsstellen funktionieren.

Mit dem neuen Internet würde laut «NZZ am Sonntag» auch die Vormachtstellung der USA gebrochen. Heute koordiniert die Icann mit Hauptsitz in Los Angeles die Vergabe von Internetadressen. Die ETH-Forscher unterteilen in ihrem Projekt das weltumspannende Netz in regionale Subnetze, die unter einer jeweils eigenen und unabhängigen Aufsicht stehen. Diese entscheiden dann autonom über Adressen und eingesetzte Verschlüsselungstechniken. «Der Einfluss der USA würde auf die US-Domain beschränkt», sagt Perrig in der Zeitung.

Langfristig könnte Scion auch die Kosten der Anbieter senken, weil es über effizientere Routing-Verfahren verfügt als der heute gebräuchliche Standard. Zudem lassen sich damit Bandbreiten reservieren. Dies ist wichtig, um zukünftig ultrahochaufgelöste Fernsehbilder im Internet zu übertragen. (wid)

Erstellt: 01.06.2014, 09:23 Uhr

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